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Sind wir noch das Volk der Dichter und Denker?

09.10.2002 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Das "Studium Generale" - öffentliche Vortragsreihe der Universität Heidelberg - greift die nationale Bildungsdebatte im Wintersemester 2002/2003 wissenschaftlich auf - Prorektor Prof. Tröger lädt alle Interessierten herzlich ein

Die Ergebnisse der Pisa-Studie haben unser Land aufgeschreckt. Überall wird nach Ursachen und Schuldigen gesucht, die für das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler verantwortlich sein könnten. Auch an Reformvorschlägen herrscht kein Mangel. Zwar betrifft die Pisa-Studie den Schulbereich, doch gehen die Selbstzweifel weit darüber hinaus. Eine ganze Nation fragt sich: Sind wir noch das Volk der Dichter und Denker?

Es war schon immer das Ziel der Vortragsreihen des Studium Generale, solche oft mit mehr Emotion als Sachverstand geführten Diskussionen wissenschaftlich zu begleiten und zu vertiefen. Darüber hinaus sind im Fall der Bildungsdebatte die Universitäten verpflichtet zu überlegen, ob sie nicht ihren Anteil an der Misere haben und daraus Konsequenzen ziehen müssen.

Sind wir noch das Volk der Dichter und Denker? - "Die Frage soll provozieren - die Referenten zur klaren Stellungnahme und die Zuhörer zur kritischen Nachfrage", sagt der zuständige Prorektor Prof. Dr. Jochen Tröger. Bekannte Referenten - Wissenschaftler, Politiker und Persönlichkeiten des kulturellen Lebens - "werden ihre Ansichten zu Fragen der Bildungs- und Wissenschaftspolitik, der Sprache und Kultur in Deutschland sowie deren Einfluss auf die Wissenschaft darlegen". Die hohe Qualität der Vortragenden und die gewählten Themen werden, so Prorektor Tröger, "zu hoher Beteiligung und sicher zur regen, oft auch kontroversen Diskussion beitragen".

In zehn Vorträgen werden im Wintersemester, beginnend am 11. November, prominente Vertreter der Bildungswelt zu Wort kommen. Natürlich wird die Pisa-Studie selbst ein Thema sein: Am 18. November wird die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, Dr. Annette Schavan, über "Pisa und die Folgen" referieren. Am 3. Februar wird ihre Ministerkollegin aus Thüringen, Prof. Dagmar Schipanski, über "Bildung und Forschung für die Wissensgesellschaft" sprechen.

Alle sind sich einig, dass die Bildungsmisere auch finanzielle Gründe hat, doch "Wie viel ist uns unsere Bildung wert?", so lautet die Fragestellung des Heidelberger Politologen Prof. Manfred Schmidt am 2. Dezember. Überhaupt wird immer deutlicher, dass der Schlüssel für die Lösung der Bildungsprobleme in der Entscheidung für eine andere Wertehierarchie liegt. So geht es zum Beispiel um eine neue Bewertung der Kulturwissenschaften wie etwa der Geschichtswissenschaften. Das Thema des Eröffnungsvortrags von Prof. Luise Schorn-Schütte, Frankfurt, am 11. November lautet entsprechend: "Wozu noch Geschichtswissenschaft? Überlegungen zu einem Thema des ausgehenden 20. Jahrhunderts". Für die Hochschulen geht es um die Gültigkeit des Humboldtschen Bildungsideals. Vor diesem Hintergrund ist der Vortrag von Dr. Brigitta-Sophie von Wolff-Metternich, Heidelberg, am 9. Dezember zu sehen: "Was heißt heute: sich im Denken orientieren? Kritische Anmerkungen zur Standardisierung des Wissens."

Als eine der häufigsten Ursachen des Scheiterns in Schule und Beruf hat sich mangelnde sprachliche Kompetenz und Sensibilität erwiesen. Mit der Rolle der Sprache beschäftigen sich gleich drei Vorträge: Prof. Wolfgang Frühwald, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung: "Kulturenstreit oder Von der Rolle der Sprache in der Wissenschaft" (26. November), Martin Walser: "Vokabular und Sprache" (13. Januar), Dr. Erhard Eppler, Bundesminister a. D.: "Was verrät unsere politische Sprache?" (20. Januar).

Um der Gefahr der Nabelschau vorzubeugen, kommt auch eine ausländische Wissenschaftlerin zu Wort. Am 27. Januar spricht die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Prof. Liliane Weissberg über das Thema "Von der Einfachheit zu dichten und zu denken und der Schwierigkeit, ein Volk zu sein". Die Außenperspektive kennzeichnet auch den Abschlussvortrag am 10. Februar. Um Wert und Geltung der deutschen Kultur und Sprache in der heutigen Welt geht es Prof. Jutta Limbach, Präsidentin des Goethe-Instituts Inter Nationes, in ihrem Vortrag "Ist die Bundesrepublik Deutschland ein Kulturstaat?".

Fazit: Ein hoch interessantes Programm sicherlich, bei dem übrigens unter den Referenten die Frauen zum ersten Mal in der Mehrheit sind.

Heiner Must

Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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