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»Wer keine Vision hat, der wird die Realität nicht bestehen«

28.05.2001 - (idw) INI - GraphicsNet Foundation

Presseinformation Nr. 17
Darmstadt, 28. Mai 2001

Sperrfrist: Dienstag, 29.05.2001, 14.00 Uhr

"Wer keine Vision hat, der wird die Realität nicht bestehen"

Prof. Dr.-Ing. Dr.h.c. Dr.E.h. José Luis Encarnação feiert am 29. Mai 2001 seinen 60. Geburtstag. Ein willkommener Anlass, um das bisherige Schaffen dieses außergewöhnlichen Multitalentes zu würdigen, der Forscher und Lehrer, Pionier und Visionär, Manager und Berater ist.

Der renommierte Forscher und Hochschullehrer José Luis Encarnação hat mit seiner wissenschaftlichen Kompetenz und mit seinem Engagement maßgeblich dazu beigetragen, dass Graphische Datenverarbeitung in Deutschland heute zu den wichtigsten Fachgebieten in der Informationstechnologie zählt und international einen hohen Stellenwert hat. Er gehört zu den Pionieren, die in den vergangenen drei Jahrzehnten die Computergrafik von einem Nischenfach zu einer Schlüsseltechnologie entwickelt haben, die inzwischen alle Lebensbereiche verändert hat und eine der wichtigsten treibenden Kräfte für die Innovationen der Zukunft ist. Gleichzeitig ist er der Visionär, der Ideen entwickelt und Trends nicht nur frühzeitig erkennt, sondern definiert. Aus kleinen Anfängen ist durch sein Engagement von Darmstadt ausgehend ein Schwerpunkt der Graphischen Datenverarbeitung von Weltrang entstanden. Was der erfolgreiche Wissenschaftsmanager vor 25 Jahren mit drei Mitarbeitern begründete, bildet heute ein internationales Forschungsnetzwerk mit zirka 800 Beschäftigten an sechs Standorten auf drei Kontinenten, das INI-GraphicsNet (International Network of Institutions for advanced education, training and R&D in Computer Graphics technology, systems and applications). Prof. Encarnação war und ist für Politik und Wirtschaft ein wichtiger Berater und Gutachter in Forschungsfragen zur Informationstechnik.

"Am heutigen Tage steht der Name Encarnação exemplarisch für die erfolgreiche Symbiose aus anwendungsorientierter Forschung und industrieller Umsetzung sowie für die Graphische Datenverarbeitung, die er als Pionier gestaltet, protegiert und zu dem geformt hat was sie heute ist: ein unverzichtbarer Teil der Informatik in Forschung und Lehre", so beschreibt ihn Prof. Dr.-Ing. Markus Gross in seiner Laudatio.


Die frühen Jahre

José Luis Moreira da Encarnação wurde am 29.05.1941 in San Dominos de Rana, nahe Lissabon geboren. Die Eltern ermöglichten ihm eine höhere Ausbildung an einer katholischen Schule, die von Salesianern geleitet wird. Bereits früh faszinierten ihn technische Fragen und Konzepte. Nach dem Abitur begann José Luis Encarnação als Stipendiat der Gulbenkin Stiftung an der Technischen Universität Berlin das Studium der Elektrotechnik, das er 1968 mit dem Diplom abschloss. Danach nahm er eine Position als Assistent am Heinrich-Hertz-Institut der TU Berlin an. Dort traf er seinen späteren Mentor Wolfgang Giloi, der einen prägenden Einfluss auf den jungen Encarnação hatte. Innerhalb seines Dissertationsvorhabens kam er erstmals mit dem Gebiet in Berührung, das ihn von nun an begleiten sollte: die Graphische Datenverarbeitung. Seine Dissertation mit dem Thema "Untersuchungen zum Problem der rechnergesteuerten räumlichen Darstellungen auf ebenen Bildschirmen" legte er 1970 vor und promovierte mit summa cum laude. Während der nächsten Jahre wirkte er als Leiter der Softwareentwicklungsgruppe am Heinrich-Hertz-Institut. Es folgten erste Industrieprojekte und Auftragsforschung. 1972 nahm José Luis Encarnação den Ruf an die Universität des Saarlandes an und baute als Assistenzprofessor das Fachgebiet für Graphisch-Interaktive Systeme auf. Die beruflichen Erfolge in Saarbrücken führten zu einem Ruf als Ordinarius an die Technische Hochschule Darmstadt.


Der Pionier und Wissenschaftler, Visionär und Lehrer

Der damals 34-Jährige José Luis Encarnação übernahm die Leitung des neugegründeten Fachgebietes Graphische Datenverarbeitung, später Graphisch-Interaktive Systeme (GRIS) genannt, im Fachbereich Informatik der TH Darmstadt. Im Mittelpunkt der Lehr- und Forschungsarbeiten von GRIS stand von Anfang an das Streben, Grafik als Dialogschnittstelle zwischen Mensch und Maschine zu verankern und zu etablieren - ein Thema, das an Aktualität bis heute nichts verloren hat. "Wir wollen das, was der Rechner tut anschaulich machen, das heißt für die Menschen begreifbar und verständlich machen," formulierte der Informatikprofessor Encarnação bereits 1975.

"Kleiner, schneller, interaktiver", war und ist seine Devise. Mit nur drei Mitarbeitern, anfangs begleitet von zähen Ringen um Personalmittel und Geräteausstattung, begann José Luis Encarnação, die digitale Welt in Bilder umzusetzen. Bereits in dieser Zeit setzte er sich zum Ziel, die Graphische Datenverarbeitung in Deutschland und Europa als Disziplin zu etablieren. Prof. Encarnação wollte zeigen, "dass dieses Fachgebiet von grundsätzlicher Bedeutung ist für Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft". So gehörte er folgerichtig zu den Mitgliedern, die 1975 die EUROGRAPHICS Association gründeten.

Bereits früh erkannte José Luis Encarnação, welche Bedeutung der Standardisierung im Bereich der graphischen Programmierschnittstellen zukommt. Mit der Entwicklung des Graphischen Kernsystems (GKS) erlangte er internationales Ansehen. GKS setzte sich um 1980 gegen die US-Konkurrenz CORE durch und machte den Namen Encarnação weltweit bekannt. Dies führte unter anderem zu einer Reihe von industriellen Forschungsaufträgen und die Darmstädter Gruppe um José Luis Encarnação wuchs. In der Folgezeit arbeitete das Team an Projekten, um Technologien zur Visualisierung, Interaktion, Multimedia und Kommunikation zu entwickeln.

José Luis Encarnação definiert und interpretiert Graphische Datenverarbeitung sehr weitreichend und vielschichtig, so dass seine Forschergruppen eine große thematische Bandbreite abdecken. Prof. Encarnação ist seinem 1975 formulierten Credo treu geblieben und erklärt es heute so: "Der Rechner muss den Menschen bedienen und nicht umgekehrt. Die Computergrafik wird hier zur treibenden Kraft, denn nichts wird weltweit leichter verstanden als Bilder - der Mensch ist nun mal ein Augentier." Mit ihren innovativen Arbeiten haben er und seine Forscherinnen und Forscher dazu beigetragen, Graphische Datenverarbeitung in Deutschland als Technologie, als Werkzeug und als Entwicklungsbasis zu etablieren.

"Wer keine Vision hat, der wird die Realität nicht bestehen", ist ein Grundsatz von Prof. Encarnação. Er besitzt ein untrügliches Gespür für Zukunftsthemen und Chancen, die er im globalen Maßstab aufgreift. Der Visionär kann bereits früh technisch vielversprechende Ansätze einschätzen, aber auch ihre industrielle Relevanz bewerten. So erkennt er frühzeitig die Bedeutung neuer Technologien wie die der Virtuellen Realität. Er wird zum Motor und Impulsgeber, der seine Mitarbeiter immer wieder motivieren kann.

Die Keimzelle des INI-GraphicsNet ist das Fachgebiet GRIS und José Luis Encarnação ist es ein großes Bedürfnis, Studierende auszubilden und ihnen die Grundlagen der Computergrafik zu vermitteln. Seine ausgezeichneten sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten sowie seine sensationellen Tafelbilder machen es ihm leicht, seine Studierenden während der Vorlesungen zu fesseln. Er ist Autor und (Mit-) Herausgeber vieler deutscher und englischer Fach- und Lehrbücher sowie Tagungsbände zu den Themen seines Fachgebietes.


Der Manager und Berater

Der schnelle und effektive Wissenstransfer von der Forschung in die Wirtschaft war für Prof. Encarnação stets ein Anliegen. Deshalb unternahm er frühzeitig Schritte, um die Lehre und die universitäre Basisforschung mit praktischen Fragen aus der Anwendung zu verbinden. Die enge Kooperation mit der Wirtschaft führte 1984 in Darmstadt zum Aufbau des Zentrums für Graphische Datenverarbeitung ZGDV als gemeinnütziger Verein, dessen Vorstandsvorsitzender José Luis Encarnação ist. Damit eröffneten sich für GRIS neue Anwendungsfelder und zugleich neue Partnerschaften sowie Investitionschancen.

Ein weiterer Schritt, um die Lehre und markt-unabhängige Basisforschung in Richtung angewandte Forschung zu erweitern, folgte schließlich 1987: Die Fraunhofer-Gesellschaft richtete die wissenschaftliche Arbeitsgruppe für Graphische Datenverarbeitung AGD ein, die sich fünf Jahre später in Form des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD etablierte, dessen Direktor Prof. Encarnação ist. Die Wiedervereinigung bot die Chance zur Expansion: 1990 wurde eine ZGDV-Außenstelle in Rostock gegründet, zwei Jahre später kam der IGD-Institutsteil in der Hansestadt hinzu. Seit 1999 besteht das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Computergrafik in Chemie und Pharmacie (AGC) in Frankfurt am Main. José Luis Encarnação erkannte schon sehr früh, dass in einer globalen Wirtschaft auch die Forschung international erfolgen muss: Folgerichtig sind in den 90er Jahren Außenstellen des ZGDV bzw. des Fraunhofer IGD in Portugal, den USA und Singapur entstanden. Diese Präsenz trägt dazu bei, technische Trends frühzeitig zu erkennen und auf den Zukunftsmärkten global vertreten zu sein. Alle diese Institutionen kooperieren intensiv mit den lokalen Universitäten. Frühzeitig denkt José Luis Encarnação an die Absicherung des von ihm aufgebauten institutionellen Forschungsnetzwerkes. Zu diesem Zweck gründete er 1999 die INI-GraphicsNet Stiftung. Diese vergibt Mittel zur Förderung der gemeinnützigen wissenschaftlichen Forschung und Entwicklung der Computergrafik an die Mitglieder des Netzwerkes.

Prof. Encarnação nimmt als Mitglied des Senats und der Hauptkommission engagiert Anteil an der Entwicklung der gesamten Fraunhofer-Gesellschaft (FhG). In vielen Fragen war und ist er unbestritten Vordenker und Vorreiter in der FhG. Als Sprecher des Lenkungskreises Fachliche Integration hat er wesentlich dazu beigetragen, dass die inhaltliche Zusammenführung der GMD-Institute mit den Fraunhofer-Instituten der Informations-und Kommunikationstechnik positiv zu bewerten ist. Er ist bewusst und energisch für die Stärkung der gesamten IuK-Forschung in der erweiterten Fraunhofer-Gesellschaft eingetreten. Prof. Encarnação wird diese Aufgabe in Zukunft als Vorsitzender der IuK-Gruppe in der FhG fortführen.

Er ist seit den Anfängen als Gutachter und Berater von Politik und Wirtschaft tätig - u.a. für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Daneben ist Prof. Encarnação Mitglied verschiedener nationaler und internationaler Gremien.

Wie die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland und weitere zahlreiche Preise und Ehrungen belegen, ist sein Engagement über die Fach- und Universitätsgrenzen hinaus weithin sichtbar und wird auch von außeruniversitären Partnern hoch geschätzt.

Weitere Informationen zur Person entnehmen Sie bitte dem Lebenslauf von Professor Encarnação unter:

http://www.igd.fhg.de/~jle/enc_cv.html

Bilder von Prof. Encarnação senden wir auf Wunsch gerne zu.

Das internationale Netzwerk der Graphischen Datenverarbeitung (INI-GraphicsNet) besteht aus dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD, dem Zentrum für Graphische Datenverarbeitung (ZGDV) e.V., beide in Darmstadt und Rostock, und dem Fachgebiet Graphisch-Interaktive Systeme (GRIS) der Technischen Universität Darmstadt. Weitere Institutionen des Netzwerkes sind das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Computergraphik in Chemie und Pharmazie (AGC) in Frankfurt, das Fraunhofer Center for Research in Computer Graphics (CRCG) in Providence, Rhode Island (USA), das Fraunhofer Centre for Advanced Media Technology (CAMTech) in Singapur und das Centro de Computação Gráfica (CCG) in Guimarães und Coimbra (Portugal).

Innerhalb des Netzverbundes sind an den sechs Standorten über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie rund 560
wissenschaftliche Hilfskräfte beschäftigt. Bei einem Haushalt von über 41 Millionen EURO bildet das INI-GraphicsNet weltweit den größten Forschungsverbund auf dem Gebiet der Graphischen Datenverarbeitung.
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