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Jahrestagung der Gesellschaft für Technikgeschichte in Chemnitz zum Thema "Technik und Spiel"

07.06.2001 - (idw) Technische Universität Chemnitz

Technik und Spiel
Jahrestagung der Gesellschaft für Technikgeschichte in Chemnitz

Die Zeit zum Spielen gewann in den letzten Jahrzehnten gegenüber der Arbeitszeit immer mehr an Bedeutung. Heute spricht man immer häufiger von einer "Freizeitgesellschaft". Die Gesellschaft für Technikgeschichte (GTG) widmet sich deshalb vom 15. bis 17. Juni 2001 auf ihre Chemnitzer Jahrestagung dem Thema "Technik und Spiel". Das Tagungsprogramm ist unter http://www.zigt.ze.tu-muenchen.de/gtgtga.html#chemnitz abrufbar.

Der Chemnitzer Experte für Technikgeschichte Prof. Dr. Friedrich Naumann erläutert den Hintergrund der Tagung: Das Spiel folgt eigenen, gegenüber anderen Verhaltensbereichen abgegrenzten Regeln; es vollzieht sich im Idealfall frei von äußeren Zwängen. Damit erschließt es dem Menschen einen Bereich der Freiheit und der Offenheit des individuellen Handelns. Spiel bedarf eines Freiraumes, anders formuliert der Gelegenheit zur Muße, und findet dementsprechend vornehmlich in der Freizeit statt. So wird Spiel zu einer Gegenwelt des Alltags. Gerade das Interesse an dieser Gegenwelt mit ihren Freiräumen und den dennoch vorhandenen einschränkenden Rahmenbedingungen ließ Spiel und Freizeit zu einem Forschungsthema mehrerer wissenschaftlicher Disziplinen werden. Allerdings wurden dabei die Technik und die Einflüsse ihrer Entwicklung bisher kaum thematisiert.

Die technische Entwicklung hat unser Leben in den letzten 150 Jahren entscheidend geprägt. Dass dies auch für den Bereich von Spiel und Freizeit gilt, verdeutlichen Begriffe wie "Freizeitindustrie", "Spielautomat" oder "Computerspiel". Ein Blick in einen Spielzeugladen oder ein Sportgeschäft bestätigt dies ebenso wie die Betrachtung von Kultur- oder Sportereignissen. Musik wird heute vielfach am Computer komponiert und mit Hilfe von Elektronik aufgeführt, ein Feuerwerk basiert auf Erfahrung im Umgang mit Pyrotechnik, und der Sieg in einem sportlichen Wettkampf wird nicht nur durch Kraft und Geschick, sondern durch die Auswahl des geeigneten technischen Equipment (wie Fahrrad und Skier) bestimmt.

Für wen ist was (technisches) Spiel? Lassen sich Charakteristika für die Arten von Technik formulieren, die zu Spielzwecken verwendet werden? Wie veränderten sich die Rahmenbedingungen von Spiel und Freizeit durch die technische Entwicklung, und welche Grenzen respektive welche neuen Freiräume entstanden? Lässt sich eine langfristige Tendenz weg von kreativen Spielformen hin zu konsumierenden technogenen Freizeitbeschäftigungen ausmachen? Welche Verbindungen bestehen zwischen Spiel und Arbeit? Wird durch Spiel ein Interesse an Technik geweckt, das den Freiraum des Spielerischen benötigt und in ernsteren Situationen - wie dem Berufsalltag - nicht entstehen würde? Wie wirkt sich der spielerische Umgang mit Technik auf deren Akzeptanz aus? Über diese und weitere Fragen werden namhafte Philosophen und Sprachwissenschaftler, Medienexperten, Sport- und Sozialhistoriker sowie Vertreter der Technikgeschichte diskutieren.

Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Friedrich Naumann, Tel. (03 71) 5 31 - 40 61.
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