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Holocaust-Gedenkstätte ehrt Göttinger Ehrenbürger für sein Engagement

08.06.2001 - (idw) Georg-August-Universität Göttingen

Konrat F. Ziegler - "Gerechter unter den Völkern"

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem verleiht dem 1974 gestorbenen Göttinger Altphilologen Konrat Fürchtegott Ziegler heute in Berlin den Ehrentitel "Gerechter unter den Völkern". Im Rahmen einer Feierstunde in der Israelischen Botschaft wird der Familie Zieglers um 11 Uhr offiziell die Ehrenmedaille übergeben. Dieser Ehrentitel ist die höchste Auszeichnung, die der Staat Israel Nicht-Juden verleiht. Er schließt die Verewigung Zieglers Namen auf der Gedenkmauer im Garten der Gerechten in Yad Vashem ein. "Ziegler war Zeit seines Lebens ein Streiter für Demokratie, Menschenrechte und Menschenwürde", erläutert der israelische Botschafter Shimon Stein. Er werde für die Hilfe und den Schutz geehrt, den er jüdischen Menschen in der Zeit des Naziregimes geboten habe.
In den Jahren der Weimarer Republik lehrte Ziegler an der Universität Greifswald. 1926/27 war er Dekan der Philosophischen Fakultät. Im darauf folgenden Jahr leitete Ziegler als Rektor die Greifswalder Universität. Er engagierte sich politisch als führendes Mitglied in der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und war im Vorstand des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Ziegler 1933 aus dem Dienst entlassen - Begründung: "nationale Unzuverlässigkeit".
Im Herbst 1938 versuchte Konrat Ziegler dann eine jüdische Bankiersfamilie vor der "Arisierung" ihres Vermögens zu bewahren. Er half ihnen bei der Verschleierung des Transportes der Wertsachen nach Holland, wurde aber gefasst. In einem Prozess im Jahr 1939 wurde er deswegen zu 18 Monaten Haft verurteilt. Bald nach der Haftentlassung zwang die Bombardierung Berlins Ziegler, der 1934 nach Berlin umgesiedelt war, 1943 erneut umzuziehen.

In Osterode im Harz versteckte er dann 1945 den verfolgten jüdischen Kollegen Kurt Latte, mit dem er einige Jahre in Greifswald zusammengearbeitet hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich Latte illegal und ohne Papiere in Düsseldorf aufgehalten.

Nach Kriegende - im Jahr 1946 - nahm Ziegler in Göttingen einen Lehrauftrag für klassische Philologie an. 1950 schließlich wurde er zum Honorarprofessor ernannt. Er lehrte an der Göttinger Universität bis 1958. Noch zu Lebzeiten wurde der 1884 Geborene reich geehrt. Als man ihm zu seinem Achtzigsten Geburtstag das Bundesverdienstkreuz antrug, lehnte er ab. Kurz vor ihm war Adenauers Staatssekretär Globke, der Verfasser des Kommentars zu den "Nürnberger Gesetzen" damit geehrt worden. Von 1948 bis 1964 war Ziegler Abgeordneter der SPD im Rat der Stadt, die Kommune verlieh ihm 1969 in Anerkennung seines sozialen und politischen Engagements die Ehrenbürgerschaft. Die heute 400 Mitglieder zählende Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit wählte Ziegler bei ihrer Gründungsversammlung im Dezember 1958 zu ihrem ersten Vorsitzenden. Er hatte das Amt zehn Jahre inne.

Weitere Informationen:

Professor (em.) Dr. Carl Joachim Classen
Seminar für klassische Philologie
Telefon: (0551) 39 4724

Büro Yad Vashem
z.H. Frau Gisela Kuck
Rautenstrauchstr. 56
53757 Sankt Augustein
Telefon: (02241) 33 33 56
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