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Bund der Freunde der TUM zeichnet aus: Hervorragende Promotionen

08.06.2001 - (idw) Technische Universität München

Wie jedes Jahr ehrt der Verein der Freunde der Technischen Universität München e.V. herausragende Dissertationen mit einem Förderpreis. Die Arbeiten, allesamt mit der Note 1,0 beurteilt, stammen aus den verschiedensten Forschungsbereichen der TUM und spiegeln die Vielfalt der Hochschule an ihren Hauptstandorten München, Garching und Freising-Weihenstephan wider. Der Förderpreis ist mit jeweils 3.000 Mark dotiert und geht in diesem Jahr an die folgenden Promoventen:

Dr.rer.nat. Tammo Diercks (32 Jahre); Lehrstuhl für Organische Chemie 2 (Prof.Dr. Horst Kessler); Thema: NMR - spektroskopische Untersuchung der Struktur und Dynamik von Proteinen.
Dr. Diercks untersuchte in seiner Promotion umfassend drei verschiedene Proteine mittels NMR-Spektroskopie. Aus den hochaufgelösten Bildern ihrer molekularen Struktur und Beweglichkeit konnte er wesentliche Erkenntnisse über die Funktionsmechanismen der Proteine ableiten. So erhellen zum Beispiel die Arbeiten am humanen neutrophilen Lipocalin (HNL) erstmals die strukturelle Dynamik eines typischen Vertreters dieser Familie extrazellulärer Transportproteine.

Dr.med. Florian Dirisamer (25 Jahre); Betreuung durch Prof. Andreas Imhoff, Promotion an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck; Thema: Klinische und Biomechanische Untersuchung zum posterioren Femurcondylentransfer am Kniegelenk.
1990 entwickelte Prof. Andreas Imhoff eine Methode zur Therapie von großen Knochen-/Knorpeldefekten am Kniegelenk mittels körpereigenem Spendergewebe. Dabei wird ein gesunder - aber für alltägliche Belastungen entbehrlicher - Gelenkteil (der posteriore Femurcondylus) als Transplantat gewonnen und in das Defektbett implantiert. Dr. Dirisamer ermittelte für eine derartige Methode erstmals in einem aufwendigen Versuchsaufbau die unvermeidbaren biomechanischen Auswirkungen auf das Kniegelenk. Die Ergebnisse zeigen, dass der posteriore Femurcondylentransfer eine sehr gute Methode zur Therapie von großen osteochondralen Defekten am Kniegelenk, insbesondere bei jungen Patienten, ist.

Dr. rer.-nat. Andreas Johann (31 Jahre); Lehrstuhl für Höhere Mathematik und Analytische Mechanik (Prof.Dr. Jürgen Scheurle); Thema: Zur Dynamik des klassischen Ising-Modells auf einem eindimensionalen Gitter.
Dr. Johann befasste sich mit der Analyse von "Gitter-Differentialgleichungen" und entwickelte neue mathematische Methoden für die Behandlung dieses Typs von Gleichungen. Es dreht sich dabei vor allem um die Bestimmung von Wellenlösungen und um die Untersuchung von deren Stabilitätsverhalten. Derartige Systeme treten beispielsweise in der Festkörperphysik auf und beschreiben das Verhalten von effektiv eindimensionalen magnetischen Substanzen.

Dr.-Ing. Werner Lang (40 Jahre); Lehrstuhl für Gebäudetechnologie (Prof.Dr. Thomas Herzog); Thema: Typologische Klassifikation von Doppelfassaden und experimentelle Untersuchung von dort eingebauten Lamellensystemen aus Holz zur Steuerung des Energiehaushaltes hoher Häuser unter besonderer Berücksichtigung der Nutzung von Solarenergie.
Um den Energieverbrauch von Verwaltungsgebäuden zu minimieren und den Komfort im Rauminneren zu maximieren, verwendet man mehrschalige Glasfassadensysteme. Im Zwischenraum der beiden Verglasungsebenen können Sonnen- und Wärmeschutzsysteme wetter-geschützt eingesetzt werden, was das Spektrum möglicher Materialien und Komponenten deutlich erweitert. Ziel der Arbeit von Dr. Lang war es zu untersuchen, inwieweit Sonnen- und Wärmeschutzsysteme auf der Basis nachwachsender Rohstoffe den Herstellungs- und Betriebs-energieaufwand von Gebäuden mit Zweite-Haut-Fassaden reduzieren können. Entwickelt wurde ein Lamellensystem aus Holz, das es aufgrund der einfachen Regelungstechnik erlaubt, den Komfort im Rauminneren problemlos auf verschiedene Witterungsbedingungen einzustellen. Die Verwendung von Holz bedeutet eine Verbesserung der funktionalen und ökologischen Eigenschaften von Lamellensystemen, die bisher aus Aluminium gefertigt werden. Die experimentellen Untersuchungen zeigten, dass sich durch die Holzlamellen die Wärmeverluste der Testfassade auf die Hälfte reduzieren lassen.

Dr.med. Thomas Misgeld (29 Jahre); Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie (Prof.Dr. Hermann Wagner); Thema:. Neuronale Kontrolle der MHC-Klasse-II-Expression in Mikrogliazellen.
Dr. Misgelds Dissertation behandelt entzündliche Prozesse im Gehirn und vor allem die Frage, wie diese mit einer Schädigung von Nervenzellen zusammenhängen. Eine Entzündungsreaktion entsteht, wenn Signalmoleküle (MHC) den Immunzellen Bestandteile potentieller Erreger "darreichen". Im gesunden Gehirn fehlen solche MHC-Moleküle weitgehend; erst nach Schädigung des Nervengewebes treten sie auf, vor allem auf "Mikroglia"-Zellen. Ihre Produktion wird vermutlich von Immunbotenstoffen ausgelöst. Dr. Misgeld hat untersucht, ob der Funktionsverlust von Nervenzellen allein Mikroglia-Zellen dazu anregen kann, verstärkt MHC-Moleküle zu bilden. In Gewebekulturen konnte er ein Modell der MHC-Regulation im Gehirn etablieren und die Menge der MHC-Moleküle messen. Wurde die Aktivität von Nervenzellen blockiert, fand er vermehrt MHC-Moleküle. Bemerkenswert: Diese neuro-immune Interaktion wird von Faktoren vermittelt, die das Überleben von Nervenzellen beeinflussen. Das könnte erklären, warum es in einem vorgeschädigten Nervensystem verstärkt zu Entzündungen kommt, und unterstreicht einen direkten Zusammenhang zwischen Degeneration und Entzündung im Nervensystem.

Dr.-Ing. Martin Müller (34 Jahre); Lehrstuhl für Technische Mikrobiologie (Prof.Dr. Rudi Vogel); Thema: Characterization of the microbial ecosystem of cereal fermentations using molecular biological methods.
Dr. Müllers Arbeit befasst sich mit der Identifizierung von Milchsäurebakterien (MSB), die neben den Hefen die mikrobielle Flora von Getreidefermentationen dominieren. Klassischerweise i-dentifiziert man sie über ihren Phänotyp, dies führt jedoch nicht immer zu eindeutigen Ergebnissen. Dr. Müller hat deshalb Methoden entwickelt, die auf den Genotyp abzielen. Hierbei sind die Zielmoleküle Nukleinsäuren; vor allem die 16S-rRNA spielt eine tragende Rolle. Für einen schnellen Nachweis von Sauerteig-Laktobazillen wurde ein PCR-Nachweis entwickelt, der eine schnelle und zuverlässige Identifizierung verschiedener Laktobazillen sowie die Differenzierung verwandter Spezies und anderer Sauerteig-MSB erlaubt. Darüber hinaus wurde das PCR-System mit einer DNA-Extraktion direkt aus dem Sauerteig kombiniert, was einen noch schnel-leren Nachweis ohne Kultivierungsschritt ermöglicht. Eine weitere in dieser Arbeit entstandene PCR-gestützte Technik ist die Erzeugung von DNA-Fingerabdrücken mittels RAPD-PCR.


Dr.agr. Felix von Stetten (33 Jahre); Fachgebiet Mikrobielle Ökologie (Prof.Dr. Siegfried Sche-rer); Thema: Psychrotolerant and mesophilic bacillus cereus group strains: Significance for the food industry, rapid detection by PCR, and thermal habitat ecology.
Psychrotolerante Bakterienstämme der Art Bacillus weihenstephanensis sind wesentlich am Verderb pasteurisierter gekühlter Lebensmittel und Molkereiprodukte beteiligt. Einige dieser Stämme bilden zudem Giftstoffe, die so Lebensmittelvergiftungen verursachen können. Klassi-sche mikrobiologische Nachweismethoden für diese Bakterien beruhen auf einer 14-tägigen Inkubation bei 7 °C. Darum liegt die entsprechende Qualitätsinformation zu einem Produkt erst nach dessen Weiterverarbeitung vor und ist daher nur von geringem Nutzen. Hier setzt die Arbeit Dr. von Stettens ein. Er entwickelte zwei neue PCR-Nachweismethoden, die einen wesentlich schnelleren Nachweis der Bakterien ermöglichen. Sie helfen bei der Vorhersage der Haltbarkeit pasteurisierter gekühlter Lebensmittel und können so dazu beitragen, durch die psychrotoleranten Bakterien hervorgerufenen Lebensmittelvergiftungen vorzubeugen.

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