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Biotechnologie verständlich: "Niedersächsische Gen-Welten", 15.06.01, Opernplatz Hannover

11.06.2001 - (idw) Universität Hannover

Beiträge der Universität Hannover zum "Jahr der Lebenswissenschaften"

Am 15. Juni stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hannover einen Querschnitt ihrer bio- und gentechnologischen Forschungsaktivitäten bei den "Niedersächsischen Gen-Welten" vor. Diese Veranstaltung findet aus Anlaß des "Jahres der Lebenswissenschaften" statt, das vom BMBF ausgerufen wurde. Das Ziel ist, Wissenschaft und Öffentlichkeit in den Dialog zu aktuellen Fragen der Forschung zu bringen. An den "Gen-Welten" werden auch Vertreter weiterer niedersächsischer Hochschulen, außeruniversitärer Forschungseinrichtungen sowie Biotechnologie-Unternehmen teilnehmen.

Die Veranstaltung wird um 10:00 Uhr in Zelt A durch Frau Bundesministerin Edelgard Bulmahn und den Schirmherr, Ministerpräsident Sigmar Gabriel, eröffnet. Im Anschluß daran werden Studierende ein Interview zur Haltung der Politik gegenüber Fragen der Bio- und Gentechnik führen.

Die Expertenrunde der nachmittags stattfindenden Podiumsdiskussion zur grünen (Agrar-) Biotechnologie wird von einem Vertreter aus der Industrie sowie Herrn Prof. Dr. Hans-Jörg Jacobsen (Lehrgebiet Molekulargenetik) und Herrn Prof. Dr. Ralf Günter Berger (Inst. für Lebensmittelchemie), Universität Hannover, gebildet.
Im Rahmen des Podiums zur roten (medizinischen) Biotechnologie diskutieren Herr Prof. Dr. Rudi Balling (Gesellschaft für Biotechnologische Forschung, Braunschweig), Herr Prof. Dr. Burkhard Tümmler (Medizinische Hochschule Hannover) und Frau Prof. Dr. Brigitte Schlegelberger (ebenfalls Medizinische Hochschule Hannover).

Auf der parallel ganztägig stattfindenden Ausstellung der niedersächsischen Forschungsaktivitäten präsentiert sich die Universität Hannover mit sechs Forschungsthemen aus dem Bereichen Bio- und Gentechnik.

1. Impfstoffe ohne Tierversuche: Das Lehrgebiet Molekulargenetik geht der Frage nach, inwieweit gentechnische Verfahren geeignet sind, rekombinante Antikörper, wie sie im tierischen und menschlichen Körper zur Abwehr und Bekämpfung von Infekten benötigt werden, durch Pflanzen produzieren zu lassen. Durch die Synthese dieser Substanzen in entsprechend genetisch veränderten Pflanzen wird es möglich, Impfstoffe ohne Tierversuche herzustellen. Vielfach werden Impfstoffe heutzutage noch durch Aufarbeitung des Tierblutes gewonnen. Diese Verfahren könnten durch den Einsatz entsprechend optimierter transgener Pflanzen bald der Vergangenheit angehören.

2. Virenbekämpfung bei Pflanzen: Das Institut für Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz entwickelt Nachweisverfahren für Pflanzenviren. Pflanzenkrankheiten, die z.B. durch Befall mit Schadpilzen oder Insekten hervorgerufen werden, werden normalerweise leicht erkannt; Viruserkrankungen jedoch häufig übersehen. Letztere führen jedoch gerade bei Nutzpflanzen oder im Obstbau zu beträchtlichen Schäden, weil sie lange unerkannt bleiben und infiziertes Material so leicht weiterverbreitet wird. Molekular-genetische Testverfahren helfen hier bei der Früherkennung von Virenbefall. Das Institut befaßt sich außerdem mit der Bewertung neuartiger Bekämpfungsstrategien, die auf dem Einsatz genetisch veränderter und dadurch virusresistenter Pflanzen basieren.

3. Abwehrstrategien mariner Lebewesen: Das Institut für Technische Chemie stellt zwei Projekte vor. In der Arbeitsgruppe "Marine Biotechnologie und Prozeßanalytik" werden Verfahren entwickelt, natürliche in der Nordsee vorkommende Mikroorganismen auch außerhalb ihres ursprünglichen Lebensraumes zu kultivieren und im technischen Maßstab zu produzieren. Gerade marine Mikroorganismen weisen eine ganze Reihe Besonderheiten auf, die sie für die Anwendung im Pharmabereich besonders attraktiv machen. So sind Meerestiere z.B. viel stärker als Landbewohner Absonderungen oder Krankheitskeimen ausgeliefert, da das allgegenwärtige Wasser diese leicht transportiert. Marine Lebewesen haben daher besondere Abwehrstrategien entwickelt wie z.B. bestimmte chemische Abwehrstoffe, die Krankheitskeime unschädlich machen. Diese Naturstoffe aus dem Meer entfalten auch außerhalb des Wassers ihre Wirkung und gelten als potentiell aussichtsreich für die Behandlung von Krebs, Entzündungen oder Malaria.

4. Schutz von Wandmalereien: Das zweite Projekt betrifft den Bereich der Denkmalpflege: Mit Hilfe enzymatischer Verfahren werden Wandmalereien vor dem Verfall gerettet. Mitte des letzten Jahrhunderts wurden Eiweißüberzüge als Schutzschichten auf Wandmalereien aufgetragen. Da dies Verfahren jedoch nicht entsprechend optimiert worden war, führten diese Schichten langfristig zu extremen Schädigungen. Das Institut für Technische Chemie hat ein Verfahren entwickelt, mit dem die aufgetragenen Schichten mit Hilfe von bestimmten Enzymen wieder entfernt werden können. Die Biotechnologen arbeiten jetzt daran, die benötigten Komponenten zu minimieren, damit die Methode noch flexibler an Wandmalereien eingesetzt werden kann.

5. Alle reden von Genen, aber keiner sieht sie. Doch! Das Institut für Biophysik zeigt in Zusammenarbeit mit dem Industriepartner Veeco-Instruments, wie einzelne biologische Moleküle dreidimensional analysiert und dargestellt werden können. Mit dem ausgestellten Exponat, einem Rasterkraftmikroskop, können Besucher der Ausstellung einzelne DNS-Stränge betrachten. Die DNS ist der Träger der biologischen Baupläne. Für zukünftige Anwendungen der Biotechnologie, wie z.B. bei der Entwicklung von Nanochips, bei denen Informationen auf molekularer Ebene gespeichert werden, bilden die gezeigten Geräte und Verfahren die Grundlage.

6. Verständnis der Gentechnologie: Einen ganz anderen Aspekt der Bio- und Gentechnik präsentiert das Institut für Didaktik der Natur- und Sozialwissenschaften. Was ist überhaupt Gentechnik und was bedeuten alle die Begriffe und Verfahren, über die ständig zwar diskutiert wird, über die aber nur die wenigsten wirklich Bescheid wissen? Hier setzt das Institut für Didaktik mit seinem CD-ROM-Lernprogramm an. Speziell für Schüler konzipiert, werden spielerisch und anschaulich die Wissens-Grundlagen der Bio- und Gentechnik vermittelt. Die Schüler erlernen multimedial und selbständig an Hand von kurzen Texten, Animationen und Übungen, wie beispielsweise Gentechnik in Medizin und Ernährung eingesetzt wird und auch ethische Probleme werden nicht ausgeklammert, wie z.B. die Pro- und Contra-Argumente zur Xenotransplantation.

Hinweis an die Redaktion:

Für weitere Fragen steht Ihnen Frau Dr. Martina Venschott von der Forschungs- und Technologietransferstelle der Universität Hannover unter Tel. (0511) 762- 5727 oder
E-Mail venschott@tt.uni-hannover.de gern zur Verfügung.
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