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Ehrendoktor für Patrick Cousot

15.06.2001 - (idw) Universität des Saarlandes

29. Juni 2001, 16 Uhr, Hörsaal 002, Geb. 45, Campus Saarbrücken

Die Naturwissenschaftlich-Technische Fakultät I der Universität des Saarlandes verleiht am Freitag, den 29. Juni 2001 erstmals die Würde eines Ehrendoktors. Der Titel geht an Patrick Cousot, Professor an der École Normale Supérieur, Paris.

Der Verleihung erfolgt in Anerkennung seiner außerordentlichen Leistungen in Forschung und Lehre und seiner Verdienste um die über 20-jährige Zusammenarbeit mit seinen Saarbrücker Fachkollegen.


Näheres zum Lebenslauf, den Forschungsschwerpunkten und den Bezug zur Saar-Uni von Prof. Cousot finden Sie in der Anlage.


Anlage

Würdigung
von Patrick Cousot,
Professor an der Ecole Normale Supérieure, Paris


1
Das Arbeitsgebiet: Die statische Analyse von Programmen

Die statische Analyse von dynamischen Eigenschaften von Programmen ist eine wichtige Komponente von Softwareentwicklungssystemen. .Übersetzer von Programmiersprachen verwenden sie, um Möglichkeiten für effizienzsteigernde Transformationen zu finden. Verifikationswerkzeuge benutzen sie, um Sicherheitseigenschaften von Programmen zu untersuchen. Die Verwendung in Übersetzern geschah schon zu "historischen Zeiten", also in frühen Fortran-Übersetzern der 50er Jahre, allerdings ohne gesicherte semantische Grundlage und damit ohne die Möglichkeit, die Korrektheit der Transformationen zu zeigen und ohne eine Systematik bei der Herleitung von Analysen.
Die dazu notwendige Theorie hat Patrick Cousot zusammen mit seiner Frau Radhia in der zweiten Hälfte der 70er Jahre entwickelt. Die von ihnen entwickelte Abstrakte Interpretation umfasste die aus dem Übersetzerbau bekannten Analysen, stellte sie auf gesunde theoretische Grundlagen, half Fehler in existierenden Analysen zu erklären und korrigieren und bot systematische Wege zu korrekten Analysen an. Auf dieser theoretischen Grundlage wurde auch die Konstruktion von Werkzeugen möglich, wie etwa der am Lehrstuhl Wilhelm realisierte Programmanalysegenerator, PAG.

2
Anwendungen statischer Programmanalyse

Anwendungen der abstrakten Interpretation haben sich immer weitere Gebiete erschlossen. Alle Programmiersprachenparadigmen wurden erfolgreich behandelt. Weiterhin wurde der Bereich untersuchter Systeme auf Grammatiken, Termersetzungssysteme und sogar Architekturbeschreibungen ausgedehnt. Die Parallelisierung von Programmen basiert auf der Analyse von Programmabhängigkeiten. Speicherbereinigung zur Übersetzungszeit, Verbesserung der Speicherdarstellung von Objekten und die Analyse der Gestalt von Datenstrukturen beschäftigen sich mit der Verbesserung der Speichereffizienz von Programmen.
Die Untersuchung von Sicherheitseigenschaften (safety properties) versucht festzustellen, welche (angenehmen) Eigenschaften auf allen Ausführungspfaden gelten. Mit seinem ersten Doktoranden, Nicholas Halbwachs, hat Patrick Cousot z.B. eine Intervallanalyse entwickelt, die approximativ Intervalle für die Werte der Programmvariablen vom Typ integer berechnet. Mithilfe der berechneten Intervalle kann ein großer Teil der Tests auf Indexgrenzenüberschreitung aus Programmen eliminiert werden. Nichtentdeckte Fehler dieser Art, meist in der Form von Pufferüberläufen, sind der häuffigste Einstiegspunkt für Attacken auf Rechnersysteme. Weitere Analysen auf Sicherheitseigenschaften betreffen kryptografische Protokolle, nebenläufige und mobile Berechnungen, Echtzeit- und reaktive Systeme.
Patrick Cousot steht somit für die systematische Erschließung eines gewichtigen Gebiets der Softwareentwicklung. Er, seine Frau Radhia und sein Doktoranden haben zudem in vielen der oben aufgelisteten Anwendungsbereiche wichtige Beiträge geleistet. Das Gewicht des Gebietes kann man etwa daran ablesen, dass die drei letzten Programmkommiteevorsitzenden der im Bereich Programmiersprachen wichtigsten Konferenz, des ACM SIGACT-SIGPLAN Symposiums on Principles of Programming Languages, alle in dem Bereich Programmanalyse arbeiten. Ein signifikanter Anteil der zu dieser und anderen einschlägigen Konferenzen eingereichten und auf ihnen präsentierten Artikel stammt aus diesem Gebiet, und fast alle zitieren Arbeiten von Patrick und Radhia Cousot. Das Static Analysis Symposium ist sogar ausschlie¡lich der statischen Programmanalyse gewidmet.

3
Wissenschaftlicher Lebenslauf

Patrick Cousot ist 1948 geboren. Er hat in Nancy studiert und dort 1971 den Grad eines Ingénieur civil de mines erworben. 1974 hat er an der Universität Grenoble zum Docteur ingénieur en Informatique promoviert. Ebenfalls an dieser Universität hat er 1978 den Docteur d'état des sciences mathématiques erhalten.
Von 1979 bis 1984 war er Professor an der Universität Metz. Von dort wurde er 1984 an die Ecole Polytechnique berufen. Hier blieb er bis 1991 als Vollzeitprofessor, bis 1997 als Teilzeitprofessor. Von 1991 bis heute ist er Professor an der Ecole Normale Supérieure in Paris. An all seinen Wirkungsorten, Metz, Nancy, Ecole Polytechnique wie Ecole Normale Supérieure hat er Aufbauarbeit geleistet, und zwar sowohl Forschungsgruppen und -labors aufgebaut als auch Studiengänge eingerichtet.

4
Ehrungen

Patrick Cousot ist Chevalier dans l'ordre des Palmes Académiques pour services rendus à l'Education nationale (1990) und Chevalier dans l'ordre National du Mérite (1993). 1999 erhielt er als einer von 15 Preisträgern quer über alle Wissenschaftsgebiete die Silbermedaille der CNRS. Dieser Preis wird vergeben an Wissenschaftler "reconnu sur le plan national et international pour l'originalité, la qualité et l'importance de leurs travaux."

5
Publikationen

Patrick Cousot hat mit seiner Frau und seinen Doktoranden zahlreiche Arbeiten veröffentlicht, darunter Zeitschriftenartikel, Buchbeiträge und Konferenzartikel. Zum Beispiel hat er in der oben erwähnten Konferenzserie ACM SIGACT SIGPLAN Symposium on Principles of Programming Languages, welches typischerweise eine Akzeptanzrate von 1 aus 6 hat, fünf Arbeiten veröffentlicht.

6
Beziehungen zur Universität des Saarlandes

Mit der Arbeitsgruppe Wilhelm bestehen Beziehungen seit Ende der 70er Jahre, als Patrick Cousot noch Professor an der Universität Metz war. In dieser Arbeitsgruppe wurde und wird erfolgreich mit den Methoden, die Patrick Cousot entwickelt hat, gearbeitet. Interessante Anwendungen wurden realisiert, die in den letzten Jahren zur Bewilligung eines Transferbereichs der DFG und zweier EU-Projekte, zur Entwicklung industriell einsetzbarer Werkzeuge und zur Gründung der Firma AbsInt Angewandte Informatik GmbH geführt haben. Auf mehr theoretischem Gebiet kooperiert seit einigen Jahren die Arbeitsgruppe Ganzinger am Max Planck-Institut für Informatik mit Patrick Cousot.

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