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5. Hettner-Lecture mit Prof. David Livingstone (Belfast): Wo und wie wird Wissen produziert?

17.06.2001 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Geographie (DGfG)

Vom 25. bis 30. Juni 2001 findet in Heidelberg die fünfte Hettner-Lecture statt, die sich in den vergangenen Jahren zu einer der international begehrtesten wissenschaftlichen Auszeichnungen im Bereich der Humangeographie entwickelt hat. Veranstaltet wird diese Vorlesungsreihe, die an den einflussreichen Heidelberger Geographen Alfred Hettner (1859-1941) erinnert, vom Geographischen Institut der Universität Heidelberg und der Klaus Tschira Stiftung. Im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen wird die Frage stehen, inwieweit räumliche Umfelder sich auf die Produktion von Wissen auswirken und welche Ursachen und Folgen räumliche Unterschiede in der Produktion wissenschaftlicher Erkenntnisse haben. Diesjähriger Hettner-Lecturer ist Professor David N. Livingstone von der Queens University in Belfast (Nordirland), der sich mit diesen Fragen aus einer historisch-geographischen Perspektive auseinandersetzen wird.

Schauplätze der Wissensproduktion
In seinem ersten öffentlichen Vortrag am Montag, 25. Juni, über "Knowledge, Space, and the Geographies of Science" befasst sich Professor Livingstone mit lokalen Schauplätzen der Wissenschaftsproduktion und daraus resultierenden räumlichen Unterschieden in Hinblick auf die Produktion von Wissen und auf verschiedene Wissenschaftsstile. Nicht nur die Organisation wissenschaftlicher Forschung und der Austausch zwischen Forschern unterschiedlicher Disziplinen haben, so Livingstone, einen ausgeprägten Raumbezug. Auch die Inhalte wissenschaftlicher Erkenntnisse hängen zum Teil von den lokalen Gegebenheiten, der Forschungsinfrastruktur und dem jeweiligen "kreativen Milieu" ab.

Konstruktion wissenschaftlicher Weltbilder
In seinem zweiten öffentlichen Vortrag zum Thema "Tropical Hermeneutics and the Climatic Imagination" wird sich Professor Livingstone am Dienstag, 26. Juni, mit den Konstruktionsbedingungen und der historisch-kulturellen Bedingtheit wissenschaftlicher Konzepte am Beispiel des Begriffs der Tropen auseinandersetzen. Aus einer historisch-geographischen Perspektive legt Livingstone dar, wie sich in einem hermeneutischen Prozess der Interpretation und Re-Interpretation geographischer Unterschiede unsere heutigen Vorstellungen über die als "Tropen" bezeichnete Region entwickelt haben.

Im Zeitalter des Imperialismus unterstützte das Zur-Schau-Stellen "exotischer" Pflanzen und "wilder" Tiere in europäischen Museen und Zoos die Vorstellung der menschlichen Vorherrschaft über die Natur und den Anspruch europäischer Kolonialreiche, außereuropäischen Zivilisationen überlegen zu sein. Bis heute wirken diese Wertungen in unseren Vorstellungen über "die Tropen" mit. Indem Livingstone die Konstruktion des Konzepts "Tropen" als hermeneutischen Interpretationsprozess begreift, überträgt er die Überlegungen des Heidelberger Philosophen Hans-Georg Gadamer auf die Konfrontation mit Räumen und regionalen Unterschieden.

Vom 27. bis 30. Juni 2001 wird David Livingstone in der Villa Bosch der Klaus Tschira Stiftung mit in- und ausländischen Nachwuchswissenschaftlern weitere Themen über den Zusammenhang zwischen Wissen, Macht und Raum diskutieren.

Ihr Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter Meusburger
Geographisches Institut, Universität Heidelberg
Telefon: 06221 - 54 4573, Fax: 06221 - 54 5556
E-Mail: peter.meusburger@urz.uni-heidelberg.de
oder privat: peter.meusburger@t-online.de

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