Symposion: "Musik jenseits der Grenze der Sprache"19.06.2001 - (idw) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
Symposion: "Musik jenseits der Grenze der Sprache" Vom 28.-30. Juni 2001 veranstaltet das Musikwissenschaftliche Seminar der Universität Freiburg das Symposion "Musik jenseits der Grenze der Sprache". Tagungsort ist der Vortragssaal im Haus "Zur Lieben Hand", Löwenstr. 16 in Freiburg. Der Eintritt ist frei. Die Musikwissenschaft ist immer auf Sprache angewiesen. Andererseits redet sie über Musik, die selbst eine Form der Mitteilung darstellt, sich jedoch vornehmlich dem Zugriff durch die Sprache entzieht. Bislang wurden dabei eher die verwandtschaftlichen Beziehungen von Musik und Sprache betrachtet. Alte, auf die Antike zurückreichende Traditionen wurden dabei von neuzeitlichem Gedankengut überlagert. So ergibt sich für das Mittelalter eine neue Perspektive, wenn man berücksichtigt, dass die Aufgabe der Musiklehre vor allem darin bestand, Abstrakta und Proportionsregeln einzuüben. Dann wird auch deutlich, wie vorsichtig die damaligen Autoren das Verhältnis von Musik und Sprache formulierten, ging es doch zunächst nur um das ganz Elementare, das Grundelement der Musik, das diese Kommunikationsform ebenso wie die Sprache selbst besitzen muss. Von einer ganz anderen Seite her trägt die aktuelle Hirnforschung zu einem neuen Bild bei, wie Musik überhaupt wirkt. So verfügt Musik über eine eigene Logik, in der es keine Verneinung gibt. Mit sprachlichen Mitteln lässt sich dies kaum adäquat nachzeichnen. Ebenso unfassbar erscheinen zunächst neue Ergebnisse der Informationstechnologie, die auch die Musikwissenschaften nicht unberührt lassen können. Immer aber sind es grundlegende musikalische Sachverhalte, die mit Hilfe unterschiedlichster Methoden in den Blick genommen werden. Und es ist die Aufgabe der Musikwissenschaft, die Historizität dieser Zugangsweisen bewusst zu machen, um dann zu versuchen, andere Mittel auszuprobieren und so Informationen nachzuspüren, die gerade unter "Umgehung von Sprache" vermittelt werden. Die Referate und Gespräche dieser Tagung mit Teilnehmern aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz und den Vereinigten Staaten sollen dazu beitragen, solche Ergebnisse zu bündeln und darüber hinaus versuchen, Wege über die Grenzen der Sprache hinaus zu ermitteln. Denn gerade der Musikwissenschaftler leidet darunter, dass die Grenzen seiner Sprache immer auch die Grenzen seiner Welt zu sein scheinen (Wittgenstein), Grenzen, die von der Musik notwendigerweise überschritten werden. Kontakt:
Prof. Dr. Christian Berger Musikwissenschaftliches Seminar Universität Freiburg Werthmannplatz 79098 Freiburg im Breisgau Tel: 0761-2033090 Fax: 0761-2033091 Internet: http://www.ruf.uni-freiburg.de/MuWi e-Mail: muwi@uni-freiburg.de ---- Programm: Ort: Haus "Zur Lieben Hand", Löwenstr. 17, Freiburg Donnerstag, 28. Juni 2001 15 c.t.-18.30 Uhr
Begrüßung Prof. Dr. Gretel Schwörer-Kohl, Halle Musik als Kommunikationsform mit dem Jenseits am Beispiel von Mundorgelkompositionen der Hmong in Nordthailand Prof. Dr. Max Haas, Basel Musik und formale Grammatik Prof. Dr. Adolf Nowak, Frankfurt Musikalische Logik 20 Uhr c.t. Konzert an der Praetorius-Orgel Jean-Claude Zehnder
Freitag, 29. Juni 2001 9 c.t.-12.30 Uhr
Dr. Silvia Wälli, Freiburg Musikalische Analyse und 'Natürliche Erkenntnis'. Ein Beitrag zum Verständnis von "Alto consilio" Dr. Simone Mahrenholz, Berlin Das Verhältnis von Analogie und Analogik in der Musik Prof. Dr. Philippe Vendrix, Tours Musique et mathématique pendant la Renaissance Freitag, 29. Juni 2001 15 c.t.-18.30 Uhr
Dr. Berthold Hoeckner, Chicago Der Moment und das Moment: Zur Hermeneutik des Augenblicks in der Musik Prof. Dr. Günther Schnitzler, Freiburg Hölderlin und Brahms' Schicksalslied Christopher Wintle, London Dr. Oliver Huck, Florenz Musik und Sprache in und zu Richard Wagners Tristan und Isolde Prof. Dr. Christian Berger, Freiburg Leitmotive in den harmonischen Kraftfeldern von Wagners Rheingold Samstag,30. Juni 2001 9 c.t.-13 Uhr Prof. Dr. Wilfried Gruhn, Freiburg Musik-Analyse ohne Sprache
Dr. Sabine Sanio, Berlin Verschriftlichung jenseits der Sprache. Neue musikalische Interpretationsmodelle in der Musik des 20. Jahrhunderts PD Dr. Peter Niklas Wilson, Hamburg Sprechen über Improvisation Schlussdiskussion
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