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Der Wille, etwas Neues zu tun

20.06.2001 - (idw) Leibniz-Gemeinschaft

Leibniz-Präsident Hans-Olaf Henkel feierlich in sein Amt eingeführt - Anerkennung für den Vorgänger Frank Pobell - Warnung vor den Folgen der Berliner Haushaltskrise

Berlin. Hans-Olaf Henkel tritt am 1. Juli sein Amt als Präsident der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz an. Er wurde am gestrigen Dienstag vor rund 80-köpfiger bundes- und landespolitischer Prominenz sowie Vertretern aus Wissenschaft und Forschung feierlich in seine neue Funktion eingeführt. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik leitet ein führender Industrievertreter eine große deutsche Forschungsorganisation. Henkel, bis Ende des vergangenen Jahres Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und seit 1998 bereits Senator der Leibniz-Gemeinschaft, sagte, er werde sich in erster Linie für die Interessen der Mitgliedseinrichtungen einsetzen: "Das ist meine Aufgabe, und dafür wurde ich gewählt." Daneben wolle er sich aber auch als Anwalt der Forschung zu übergreifenden Fragen von Bildung und Wissenschaft zu Wort melden. Bereits in den vergangenen Jahren hatte sich Henkel intensiv mit bildungs- und forschungspolitischen Fragen beschäftigt.
Henkel warnte davor, den in die Schieflage geratenen Berliner Landeshaushalt durch Sparen am falschen Ende zu sanieren. "Die Zuwendungen für die ohnehin unterfinanzierten Berliner Forschungseinrichtungen dürfen nicht weiter gekürzt werden", forderte Henkel. Stattdessen könnten Infrastrukturprojekte verschoben werden. "Es müssen nicht gleich alle Gehwege am Wissenschaftsstandort Berlin-Adlershof geplastert werden", meinte Henkel.
Sachsens Wissenschaftsminister Hans Joachim Meyer würdigte die Verdienste des scheidenden Präsidenten. Die Laufbahn Frank Pobells als Wissenschaftler, Forschungsmanager und schließlich Präsident sei stets bestimmt gewesen durch den "Willen, etwas Neues zu tun." Zwei Memoranden, die unter der Federführung Pobells erarbeitet wurden, bildeten "Meilensteine auf dem Weg zu klaren Vorstellungen über die Aufgaben und die Rolle der Leibniz-Gemeinschaft im deutschen Forschungssystem". Meyer machte sich eine Aussage Frank Pobells vom November 2000 zu eigen, wonach die Leibniz-Gemeinschaft "in einer Zeit die größte Beweglichkeit gezeigt hat, in der die Kritik an der angeblichen Unbeweglichkeit der deutschen Wissenschaft Gemeinplatz geworden ist."
Frank Pobell zog ein positives Fazit seiner zweieinhalb Jahre im Amt und stellte fest: "Die Leibniz-Gemeinschaft ist erwachsen geworden." Durch das Wirken Hans-Olaf Henkels erhoffe er sich für die Organisation nun einen weiteren Zuwachs an Statur und neue Ideen für die erfolgreiche Teilnahme am wissenschaftlichen Wettbewerb.


Zur Person:

Hans Olaf Henkel
- 1940 geb. in Hamburg, nach kaufmännischer Lehre Studium an der Hochschule für Wirtschaft und Politik Hamburg
- 1962 Eintritt in die IBM Deutschland. Verschiedene Linien- und Stabsfunktionen in den USA, Ostasien und der europäischen Zentrale in Paris. 1987 Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland, 1993 Chef der IBM Europa, Mittlerer Osten und Afrika
- 1.1.1995 bis 31.12.2000 Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, seit 1.1.2001 Vizepräsident
- 1992 erhielt Henkel die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Dresden und wurde vom Worldwide Fund for Nature (WWF) zum "Ökomanager des Jahres 1992" gewählt
- Senator der Leibniz-Gemeinschaft (seit 1998) und der Max-Planck-Gesellschaft, Mitglied der Aufsichtsräte der IBM Deutschland GmbH, Berlin, AUDI AG, Ingolstadt, Continental AG, Hannover, European Aeronautics and Defense Systems AG, München, SMS Demag AG, Düsseldorf und der Deutschen Industriebank AG (IKB), Düsseldorf sowie der Schweizer Unternehmen Ringier AG, Zofingen und ETF, Lugano, der Merill Lynch International, London
- seit November 2000 Honorarprofessor an der Universität Mannheim, Fakultät für Betriebswirtschaftslehre
- Bücher "Jetzt oder nie. Ein Bündnis für Nachhaltigkeit in der Politik" (1998) und "Die Macht der Freiheit. Erinnerungen" (2000)

Frank Pobell
- 1937 geboren in Berlin, Physikstudium an der Universität München, 1965 Promotion an der Technischen Hochschule München, dort 1969 Habilitation
- nach mehrjährigem Forschungsaufenthalt an der Cornell University, Ithaca (USA) von 1971 bis 1983 Tätigkeit an der Kernforschungsanlage Jülich (1975 Direktor am Institut für Festkörperforschung, 7 Jahre Aufsichtsrat)
- 1975 bis 1983 Ordentlicher Professor an der Universität Köln, 1983 bis 1996 Lehrstuhlinhaber für Experimentalphysik, Universität Bayreuth
- seit 1996 Wissenschaftlicher Direktor des Forschungszentrums Rossendorf, Dresden
- seit 1997 Professor für Festkörperphysik bei tiefen Temperaturen an der Technischen Universität Dresden
- November 1998 bis Juni 2001 Präsident der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz
- Senator der Helmholtz-Gemeinschaft, nationale und internationale Forschungspreise, zahlreiche Gastprofessuren an ausländischen Universitäten, wichtige Gutachter- und Beiratstätigkeiten, über 200 wissenschaftliche Publikationen, ein Buch (Matter and Methods at Low Temperatures, 1992)


Zur Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. gehören 78 außeruniversitäre Forschungs- und Serviceeinrichtungen für die Forschung. Das Spektrum der Leibniz-Institute ist breit und reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften und Museen mit angeschlossener Forschungsabteilung. Die Institute arbeiten nachfrageorientiert und interdisziplinär. Sie sind von überregionaler Bedeutung, betreiben Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse und werden deshalb von Bund und Ländern nach dem Modell der Blauen Liste gemeinsam gefördert. Die Einrichtungen beschäftigen 12.000 Mitarbeiter, davon rund 4.200 Wissenschaftler. Das Gesamtbudget beträgt 2000 mit Drittmitteln von 300 Millionen Mark rund 1,6 Milliarden Mark. Die Leibniz-Gemeinschaft führt Instrumente der wissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Qualitätssicherung ein und ist darin bundesweit führend.

Mehr zur Leibniz-Gemeinschaft: http://www.wgl.de.

Weitere Informationen: Dr. Frank Stäudner, Tel. 0228/308-15210, Fax -15255, E-Mail wgl@wgl.de

Die Reden können im Wortlaut angefordert werden unter Tel. 0228/308-15210.
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