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Neue Formen der Unternehmungstätigkeit und betriebswirtschaftliche Theoriebildung

26.06.2001 - (idw) Universität Augsburg

Workshop der Kommission Wissenschaftstheorie im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaftslehre am 29./30. Juni an der Universität Augsburg -

Verschiedene Märkte und die auf ihnen tätigen Unternehmungen sind seit geraumer Zeit radikalen Umbrüchen ausgesetzt, die die Betriebswirtschaftslehre mit der Frage konfrontieren, ob und in welchem Umfang ihre eigenen Ansätze die gewandelten Realitäten noch zu erfassen vermögen. Diese Frage ist Gegenstand eines Workshops über "Neue Formen der Unternehmungstätigkeit: Herausforderungen für die betriebswirtschaftliche Theoriebildung und Forschungsmethoden", zu dem Prof. Dr. Mark Ebers - seit dem vorigen Jahr Vorsitzender der Kommission Wissenschaftstheorie im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e. V. - am 29. und 30. Juni an die Universität Augsburg eingeladen hat.

Globalisierung des Wettbewerbs, turbulente Umwelten, technische Diskontinuitäten, die Ausbreitung von E-Business und andere marktliche Entwicklungen sind Grund und Folge grundlegend veränderter Formen der Unternehmungstätigkeit. Hierzu zählen etwa rasant zunehmende Allianzbildung, Wertschöpfungsnetzwerke, flexible Organisationsformen, neue Beschäftigungsformen, Intrapreneurship, verbreitete Kapital- und Ergebnisbeteiligungen von Führungskräften. Wenn sich folglich ihr Erkenntnisobjekt ändert, ist die Betriebswirtschaftslehre aufgefordert zu fragen, ob und inwieweit ihre bisherigen Konzepte, Annahmen, Theorien und Methoden der veränderten Realität noch angemessen sind und welche neuen konzeptuellen, theoretischen und methodischen Wege ggf. fruchtbarer sein könnten als die überkommenen.

Der Augsburger Workshop zielt dementsprechend darauf, die wissenschaftstheoretischen Herausforderungen zu identifizieren und anzunehmen, die aus den sich aktuell vollziehenden, grundlegenden Umbrüchen der Formen der Unternehmungstätigkeit für die Grundbegriffe, die Theoriebildung und das methodische Instrumentarium der betriebswirtschaftlichen Forschung resultieren.

Die zentrale Fragestellung des Workshops soll die folgende sein: Wie können Merkmale der neuen Formen der Unternehmungstätigkeit begrifflich, theoretisch und methodisch angemessenen reflektiert werden? Aus dieser übergeordneten Problemstellung ergibt sich für den Workshop eine Fülle verschiedener Themenfelder und Einzelfragen, darunter:
o Welche Ebenen und Einheiten der Analyse müssen theoretisch wie berücksichtigt und konzeptualisiert werden, wenn Unternehmungen immer mehr kooperieren, wenn sie als strategische Gruppen den Wettbewerb aufnehmen, wenn sich die Grenzen der Unternehmung verwischen, wenn Unternehmungen in Netzwerke und besondere institutionelle Umwelten eingebettet operieren und wenn sich die Interessenlagen zentraler stakeholder durch neue Anreizsysteme und Beschäftigungsformen verschoben haben?
o Welche theoretischen Erklärungsfiguren sind geeignet, Ko-evolutionsprozesse von Unternehmungen und ihren Umwelten zu erklären (z. B. intentionale Adaptation versus Selektion versus ungerichtete Ko-evolution)?
o Welche Struktur und Zielsetzung sollen Aussagessysteme angesichts der neuen Formen der Unternehmungstätigkeit haben (z. B. Formulierung Raum-/Zeit-invarianter Regelmäßigkeiten über statische Zusammenhänge, grounded theory, punktuelle Gleichgewichtssysteme, dynamische Prozesstheorien)?
o Welche Konzepte, theoretischen Ansätze und Methoden können helfen, diskontinuierliche Entwicklungen, Entwicklungsdynamiken und komplexe Feedback-Prozesse in den Formen der Unternehmungstätigkeit zu analysieren (z. B. evolutionäre Ansätze, Komplexitätstheorie)?
o Welches methodische Instrumentarium ist geeignet, Diskontinuitäten und innovative Sonderfälle aufzudecken, komplexe Interaktionsprozesse von Einflussfaktoren auf unterschiedlichen Ebenen abzubilden oder eventuell bestehende Pfadabhängigkeiten Unternehmungsentwicklungen zu analysieren?

Ein Themen-ungebundenes Forum bietet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops Gelegenheit, auch Beiträge zur betriebswirtschaftlichen Theorie einzubringen, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem hier umrissenen inhaltlichen Schwerpunkt stehen. Neben den Mitgliedern der Kommission Wissenschaftstheorie beteiligen sich auch Vertreterinnen und Vertreter anderer Disziplinen und Fachrichtungen - insbesondere aus den Bereichen Organisation, internationales Management, Wirtschaftsinformatik, Marketing, Technologie- und Innovationsmanagement sowie Personalwesen an diesem Augsburger Workshop.

Die eingereichten Hauptbeiträge der Tagung, die ein anonymisiertes Begutachtungs- und Auswahlverfahren durchlaufen haben und durch Koreferate und Kurzvorträge ergänzt werden, sind:
o Unternehmensnetzwerke, Cluster und Innovationssysteme: Herausforderungen für Forschung und Theorieentwicklung (Udo Staber, Universität Augsburg)
oUnternehmernsnetzwerke: Ein Grundlagenstreit - Rekonstruktion und methodische Neuorientierung - (Elmar Gerum, Universität Marburg)
o Einige Gründe für eine Wiederbelebung der Wissenschaftstheorie (Ulrich Frank, Universität Koblenz)
oKomplexe dynamische Systeme in Natur und Gesellschaft - Grundlagen und Perspektiven der Wissenschaftstheorie (Klaus Mainzer, Universität Augsburg)
o Zur empirischen Erforschung von Selbstorganisation (Gerd Walger, Franz Schencking, Ralf Neise, Universität Witten/Herdecke)
o Kann implizites Wissen Wissen sein? (Georg Schreyögg, Daniel Geiger, FU Berlin)
o Welches Kapital verwerten Betriebe im "digitalen Kapitalismus"? Ein Forschungsprogramm (Manfred Moldaschl, TU München)
o Rents and Resources in the Theory of the Firm (Josef Windsperger, Universität Wien)

o Neue Arbeits- und Beschäftigungsformen: Einige wissenschaftstheoretische und methodologische Implikationen (Sonja Sackmann, Universität der Bundeswehr München)

WEITERE INFORMATIONEN (UND HAUPTBEITRÄGE ALS PDF-FILES):

http://www.lst-uo.wiso.uni-augsburg.de/Wissenschaftstheorie/index.htm

KONTAKT UND ANMELDUNG:

Kenan Arkan, c/o Lehrstuhl für BWL/Unternehmensführung und Organisation (Prof. Dr. Mark Ebers) Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Augsburg, 86135 Augsburg, Telefon: 0821-4166 oder -4164, Telefax: -4228, e-mail: kenan.arkan@wiso.uni-augsburg.de
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