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Produktionsverlagerungen ins Ausland erstmals rückläufig

14.10.2002 - (idw) Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung

Quote der Firmen, die Produktion verlagern, sinkt auf 21 Prozent / Steuern nachrangiges Motiv / Betriebe mit Auslandsproduktion schaffen Arbeitsplätze in Deutschland


Beschäftigungsentwicklung bei unterschiedlichen Formen der Auslandsproduktion. Gemessen an der Zahl der Betriebe weisen Firmen des Typs 4, die eine Produktion im Ausland vorweisen können und ebenso Produktion ins Ausland transferieren, die günstigste
Motive für den Aufbau von Produktionsstätten im Ausland (Mehrfachnennungen). Kosteneinspa-rungen stehen noch immer im Vordergrund, dicht gefolgt von der Erschließung des ausländischen Marktes. Die Welle der Produktionsverlagerung deutscher Firmen ins Ausland scheint sich abzuflauen. Erstmals seit 1995 verzeichnet das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, hier einen Rückgang, und zwar von 30 auf 21 Prozent. Gleichzeitig bleibt die Quote der Firmen, die Produktion aus dem Ausland nach Deutschland wieder zurück verlagern, mit 7 Prozent stabil. Das Verhältnis von Verlagerern zu Heimkehrern sank damit seit 1997 kontinuierlich und beträgt nunmehr rund drei zu eins.

Das ergibt eine repräsentative Umfrage des Fraunhofer ISI unter 1.630 Betrieben aus dem Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland. Demnach verfügt ein Drittel aller befragten Unternehmen über zumindest einen ausländischen Produktionsstandort. Zwei Drittel der Firmen produzieren ausschließlich in Deutschland.

Erwartungsgemäß handelt es sich bei dem Drittel der Betriebe, das bereits eine Produktion im Ausland aufgebaut hat, vorzugsweise um Großunternehmen: Die Quote der zusätzlich zu ihrem deutschen Standort auch im Ausland produzierenden Firmen reicht von 85 Prozent bei den großen Betrieben über rund 50 Prozent bei den mittleren bis hin zu 16 Prozent bei den kleinen.

Nach Analysen der Fraunhofer-Forscher geht der Aufbau einer Aus-landsproduktion aber keineswegs zu Lasten der Beschäftigung im Inland. Im Gegenteil: Betriebe, die sowohl über Produktionsstandorte im Ausland verfügen als auch Produktionskapazitäten dorthin transferieren, weisen einen deutlich positiven Beschäftigungssaldo auf. Sie repräsentieren 16 Prozent der befragten Unternehmen und schafften in den Jahren 1999 und 2000 übertragen auf das gesamte Verarbeitende Gewerbe über 80 000 zusätzliche Arbeitsstellen pro Jahr. Relativ zur Anzahl der Betriebe ist das der Spitzenwert. Aus der Verbindung von inländischen und ausländischen Produktionsstätten ergeben sich also durchaus Marktchancen.

Westeuropa genießt als Standort für eine Auslandsproduktion die höchste Wertschätzung. Die Hälfte der deutschen Betriebe mit ausländischer Produktion hat sich hier ein Standbein aufgebaut. Osteuropa sowie Mittel- und Nordamerika liegen mit 45 Prozent in der Bedeutung knapp zurück. In Asien engagiert sich ein Drittel der Firmen mit Produk-tionsniederlassungen. Dieser Raum gewinnt an Bedeutung. Demgegenüber spielt Südamerika eine untergeordnete Rolle.

Für Kleinbetriebe mit weniger als 100 Beschäftigten ist Osteuropa der bevorzugte Standort. Neben dem Kostenvorteil spielen hier vor allem die geografische Nähe sowie das niedrigere Lohnniveau und die geringere kulturelle Distanz eine Rolle.

Geht man der Frage nach, welche Motive für den Aufbau einer ausländischen Produktion maßgeblich sind, so liegen die Kosten und die Markterschließung als Gründe gleich auf. Steuern, Abgaben und Subventionen zählen dagegen nicht zu den wichtigsten Beweggründen. Für Produktionsstandorte in Osteuropa spielt die Kostenreduktion als Motiv eine überragende Rolle (85 Prozent). Für die Errichtung von Produktionsstätten in Asien, Nord- oder Mittelamerika sowie in Westeuropa ist die Markterschließung hingegen das primär treibende Motiv. Die Technologieerschließung ist nur in Westeuropa sowie in Nord- und Mittelamerika von einer gewissen, wenn auch untergeordneten Bedeutung (10 Prozent).

Die Quote der Rückverlagerungen ist nach den Analysen der Fraunhofer-Forscher bei den großen Firmen mit 500 und mehr Beschäftigten seit 1997 stetig steigend: von damals 14 Prozent auf nunmehr 23 Prozent. Damit kommt bei Großbetrieben auf jeden zweiten Verlagerer heute schon ein Betrieb, der seine Produktion wieder nach Deutschland zurückgeholt hat.

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationspolitik.

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