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Empfehlungen zur Selbstmedikation bei Spannungskopfschmerzen und Migräne

15.10.2002 - (idw) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Erstmals hat jetzt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft Evidenz-basierte Empfehlungen für Patienten zur Selbstmedikation bei Spannungskopfschmerzen und Migräne veröffentlicht. Die Experten haben aufgelistet, welche Medikamente sinnvoll sind und geben Hinweise zum richtigen Umgang mit Schmerzmitteln. Patienten können sich die Empfehlungen auf der Homepage der DMKG unter www.dmkg.de herunterladen. Dort steht auch eine umfangreiche Version der Empfehlungen zur Verfügung.

Viele Patienten, die unter Kopfschmerzen leiden, behandeln diese mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln selbst. Mehr als 90 Prozent der Betroffenen haben Migräne, Spannungskopfschmerzen oder eine Kombination dieser beiden Formen. Bei diesen häufigen Kopfschmerzarten spricht aus Sicht der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft grundsätzlich nichts gegen eine Selbstmedikation, wenn die Patienten mit dieser Selbstbehandlung gut zurecht kommen.

Entscheidend wichtig ist jedoch ein bestimmungsgemäßer Gebrauch der Medikamente. Werden Schmerz- und Migränemittel zu häufig eingenommen, wächst das Risiko, dass Kopfschmerzpatienten einen medikamentenbedingten Kopfschmerz entwickeln. "Dieses Risiko", betonen die DMKG-Experten, "besteht unabhängig davon, welcher Wirkstoff enthalten ist und ob es sich um ein Präparat mit nur einem oder mehreren Wirkstoffen handelt." Wichtiger als die Zusammensetzung der Präparate ist die Häufigkeit ihrer Einnahme.

Deshalb empfiehlt die DMKG grundsätzlich alle Kopfschmerz- und Migränepräparate nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat anzuwenden. Ebenso hat die DMKG in den neuen Empfehlungen zusammengestellt, wann Kopfschmerz-Patienten unbedingt einen Arzt konsultieren sollten.

Die Empfehlungen der DMKG zur Selbstbehandlung mit bestimmten Wirkstoffen sind Evidenz-basiert, d.h. sie beruhen auf einer Auswertung wissenschaftlicher Studien. Aufgrund der Vielzahl der in Deutschland auf dem Markt befindlichen Arzneimittel wurden nur solche Medikamente in die Beurteilung einbezogen, die zusammen etwa 80 Prozent des Selbstmedikationsmarktes in Deutschland ausmachen.

Allerdings war es nicht einfach, die Empfehlungen auf eine wissenschaftlich gesicherte Basis zu stellen. "In Anbetracht des weltweit häufigen Gebrauchs von Analgetika ist die geringe Zahl gut kontrollierter klinischer Studien auffallend", kritisieren die Experten. Die geringe Anzahl der als "klinisch relevant" identifizierten Therapiestudien stehe in deutlichem Gegensatz zur großen Zahl an publizierten Überichtsarbeiten und Empfehlungen zu diesem Themengebiet.

Selbstbehandlung bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp:

Medikament der 1. Wahl ist:

Einzeldosis mit 2 Tabl. der fixen Kombination aus 500 Milligramm Acetylsalicylsäure + 400 Milligramm Paracetamol + 100 mg Coffein (z.B. Thomapyrin, HA-Tabletten)

Medikamente der 2. Wahl sind:

Einzeldosis mit 1000 Milligramm Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin; ASS-Hexal)
Einzeldosis mit 400 Milligramm Ibuprofen (z.B. Aktren; Ibuprofen Stada)

Bei allen anderen Wirkstoffen bzw. Wirkstoffkombinationen gibt es keine oder nur mangelhafte Hinweise für ihre Wirksamkeit.

Selbstbehandlung akuter Migräneattacken:

Medikamente der 1. Wahl sind:

Einzeldosis mit 1000 Milligramm Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin; ASS-Hexal)
Einzeldosis mit 400 Milligramm Ibuprofen (z.B. Aktren; Ibuprofen Stada)
Einzeldosis mit 1000 Milligramm Paracetamol (z.B. Benuron; Paracetamol-Ratiopharm)
Einzeldosis mit 2 Tabl. der fixen Kombination aus 500 Milligramm Acetylsalicylsäure + 400 Milligramm Paracetamol + 100 mg Coffein (z.B. Thomapyrin, HA-Tabletten)

Bei allen anderen Wirkstoffen bzw. Wirkstoffkombinationen gibt es keine oder nur mangelhafte Hinweise für ihre Wirksamkeit.

Grundsätzlich empfiehlt die DMKG allen Patienten, die häufiger unter Kopfschmerzen leiden, zusätzlich nicht-medikamentöse Strategien einzusetzen, um Häufigkeit und Stärke der Beschwerden zu beeinflussen. Wichtig ist beispielsweise regelmäßiger Ausdauersport, etwa Joggen oder Radfahren. Hilfreich ist auch die progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Bei psychologischen Schmerztherapeuten können Patienten darüber hinaus Methoden zur Stress- und Schmerzbewältigung, kognitive Techniken sowie Biofeedback-Methoden erlernen.

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Daran erkennen Sie die Migräne:

Die Kopfschmerzattacke dauert 4 bis 72 Stunden. Der Schmerz ist meist einseitig, sein Charakter klopfend, pochend oder pulsierend und von mäßiger bis starker Intensität. Er wird bei körperlicher Aktivität stärker. Übliche Alltagsaktivitäten sind erschwert oder unmöglich. Typische Begleiterscheinungen sind Übelkeit und/ oder Erbrechen sowie Geräusch-, Licht- und Geruchsempfindlichkeit.
Etwa 15 Prozent der Patienten leiden unter einer Migräne mit Aura. Sehstörungen, halbseitige Sensibilitätsstörungen, Sprachstörungen und sogar Lähmungserscheinungen gehen in diesem Fall der Kopfschmerzattacke voraus.

Daran erkennen Sie den Spannungskopfschmerz:

Der Spannungskopfschmerz ist üblicherweise drückend bis ziehend, in der Intensität leicht bis mäßig, beidseitig und wird durch körperliche Aktivität nicht verstärkt. Übelkeit, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit können vorkommen, sind aber zumeist schwächer ausgeprägt als bei einer Migräne. Experten unterscheiden zwischen einem gelegentlichen (episodischen) und einem chronischen Spannungskopfschmerz. Treten die Beschwerden an wenigstens 15 Tagen pro Monat auf, handelt es sich um die chronische Form. Diese chronische Form wird nicht mit Schmerzmitteln, sondern mit anderen Medikamenten behandelt. Darum ist ein Arztbesuch nötig.

Daran erkennen Sie den Medikamenten-Kopfschmerz:

Bei dieser Kopfschmerz-Form handelt es sich um einen eher diffusen, dumpf drückenden Dauerkopf-schmerz ohne Attacken-Charakter. Ebenso fehlen die typischen Begleitsymptome einer Migräne. Verursacht wird dieser Kopfschmerz durch die tägliche oder fast tägliche Einnahme von Schmerz- oder Migränemitteln. Eine Umstellung auf andere Medikamente ist erfolglos. Nötig ist in solchen Fällen ein ambulanter oder stationärer Entzug.

Wann Kopfschmerz-Patienten einen Arzt konsultieren sollten

Ein Arztbesuch ist erforderlich, wenn Kopfschmerzen

- täglich oder fast täglich auftreten
- mit weiteren Symptomen wie Lähmungen, Gefühls-, Seh-, Gleichgewichtsstörungen, Augentränen oder starkem Schwindel einhergehen
- mit psychischen Veränderungen wie Störungen des Kurzzeitgedächtnisses oder Störungen der Orientierung zu Zeit, Ort und Person einhergehen

- erstmals im Alter von über 40 Jahren auftreten
- in ihrer Intensität, Dauer und/ oder Ort unüblich sind
- erstmals während oder nach körperlicher Anstrengung auftreten, sehr stark sind und in den Nacken ausstrahlen
- von hohem Fieber begleitet sind
- nach einer Kopfverletzung, etwa einem Sturz auftreten
- trotz Behandlung an Häufigkeit, Stärke und Dauer zunehmen
- zusammen mit einem epileptischen Anfall und Bewusstlosigkeit auftreten
- nicht mehr auf die bisher wirksamen Medikamente ansprechen

Pressestelle:
Barbara Ritzert
ProScientia GmbH
Andechser Weg 17; 82343 Pöcking
Tel.: (08157) 93 97-0, Fax: (08157) 93 97-97
e-mail: ritzert@proscientia.de
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