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Hans Thomae erhält Preis für das wissenschaftliche Lebenswerk

17.07.2001 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)

Jena/Bonn (17.07.01) Mit dem Preis für das wissenschaftliche Lebenswerk zeichnet die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) den Bonner Psychologen Prof. Dr. phil. Dr. h. c. mult. Hans Thomae aus. Thomae, 1915 in Winkl/Bayern geboren, zählt zu den Mitbegründern der Gerontologie als interdiziplinärer Alternsforschung und hat sich darüber hinaus um die Etablierung einer die gesamte Lebensspanne umfassenden modernen Entwicklungspsychologie verdient gemacht, begründet DGPs-Präsident Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen (Jena) die Auszeichnung. Der Preis, den die deutschsprachige Psychologen-Fachgesellschaft erst zum dritten Mal verleiht, wird heute (17.07.) um 15 Uhr im Universitätsclub der Universität Bonn (Konviktstr. 9) überreicht.

Als bahnbrechend bewertet Silbereisen Hans Thomaes Studien zur Persönlichkeitsentwicklung, welche vor allem die aktive Auseinandersetzung mit den wechselnden Lebensanforderungen in den Mittelpunkt stellt. Bereits 1953 begann der Bonner Wissenschaftler eine Längsschnittuntersuchung über deutsche Nachkriegskinder und stellte fest, wie erstaunlich gut viele von ihnen mit den harten Lebensbedingung in zerbombten Städten mit provisorischen Behausungen und bei schlechter Versorgungslage fertig wurden. Entscheidend für diese Resilienz genannte Eigenschaft sind neben glücklichen Umständen auch besondere persönliche Stärken, wie beispielsweise ein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Aufrechterhaltung der Selbstachtung.

Als ebenso bedeutsam wird die 1965 begonnene Bonner Gerontologische Längsschnittstudie bewertet, in der Thomae den letzten Lebensabschnitt von Männern und Frauen bis ins hochbetagte Alter untersuchte. In zahlreichen Büchern, u. a. gemeinsam mit der späteren Bundesfamilienministerin Prof. Dr. Ursula Lehr ("Formen des Alterns"), dokumentierte er seine Erkenntnisse. "Hans Thomae hat die internationale Psychologie darauf aufmerksam gemacht, welche großen Unterschiede zwischen Menschen gleichen Alters in allen Aspekten der Leistungsfähigkeit und psychischen Verfassung bestehen, abhängig von Persönlichkeit und Umwelt.

Zugleich eröffnete seine Forschung Wege, um durch die Änderung solcher Bedingungen mehr Menschen ein Altern in Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit zu ermöglichen", urteilt Silbereisen. "Letztlich gründen auf solchen Arbeiten viele der praktischen Ansätze, die heute in der Altenbetreuung zum Standard gehören." Wie wichtig und nachhaltig Thomaes Forschung für das gesellschaftliche Zusammenleben in der Bundesrepublik sei, so Silbereisen, könne man angesichts des wachsenden Anteils alter und sehr alter Menschen in der Bevölkerung leicht ermessen. Wissenschaftlich ebenso wichtig sei der Impuls für die gesamte Psychologie, die Wandelbarkeit der Persönlichkeitsentwicklung über die gesamte Lebensspanne zu erkennen, einschließlich ihrer Grenzen insbesondere im hohen Alter.

Hans Thomae hat sich besonders für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses eingesetzt. Er gründete und inspirierte Forschungsnetzwerke, die nach der Isolation in der unmittelbaren Nachkriegszeit der deutschen Psychologie wieder den internationalen fachlichen Austausch, insbesondere mit den Ländern Europas und Nordameriks, sicherte. Als Gründer der Zeitschrift "Vita Humana" (heute: "Human Development") und der International Society of Behavioral Development (ISSBD) schuf er dazu geeignete Foren, die bis heute existieren. Dabei behielt er nicht zuletzt interdisziplinäre Ansätze in der Zusammenarbeit mit Medizinern, Biologen und Neurowissenschaftlern, Soziologen und Pädagogen im Blickfeld. Thomae prägte mehrere Generationen von Gerontopsychologen, die heute an führenden deutschen und ausländischen Universitäten lehren und forschen.

Hans Thomae selbst hat in schwierigen Zeiten Psychologie, Philosophie und Geschichte in Berlin und Bonn studiert, wo er 1940 - als 25-jähriger -auch promovierte. Zwei Jahre später habilitierte er sich in Leipzig und arbeitete nach dem Krieg, ab 1950, zunächst in Bonn als Privatdozent. Eine erste Professur führte ihn 1954 nach Erlangen, bevor er 1960 wieder nach Bonn zurückkehrte, wo er bis zu seiner Emeritierung 1984 auch Direktor des Psychologischen Instituts war. Seine wissenschaftliche Arbeit fand vielfache Anerkennung, darunter die Verleihung von Ehrendoktor-Titeln der Universitäten Leuven (Belgien), Leipzig und Moskau.

Deutsche Gesellschaft für Psychologie

Der Vorstand
Präsident: Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen
Tel.: 03641/945201, Fax: 945202
E-Mail: Rainer.Silbereisen@uni-jena.de
Internet: www.dgps.de

Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Wolfgang Hirsch
Tel.: 03641/931031, Fax: 931032
E-Mail: roe@uni-jena.de
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