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RUB-Publikation: Solidarität zwischen Selbstlosigkeit und Selbstinszenierung

20.07.2001 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Die verschiedenen Ausprägungen des Begriffs "Solidarität" in Erziehung, Alltagshandeln und Politik sind Thema eines Buches, das die Bochumer Sozialpsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Bierhoff (RUB) und Dr. Detlef Fetchenhauer (früher RUB, heute Universität Groningen) soeben herausgegeben haben: "Solidarität - Konflikt, Umwelt und Dritte Welt".

Bochum, 20.07.2001
Nr. 211

Zwischen Ehrenamt und Steuerhinterziehung ...
... oder zwischen Selbstlosigkeit und Selbstinszenierung
RUB-Publikation: "Solidarität - Konflikt, Umwelt und Dritte Welt"


Wie entsteht Gemeinsinn? Warum engagieren sich Menschen für andere und bringen dafür Zeit und Geld auf? Ist es verdeckter Egoismus, oder ist der Mensch von Natur aus kooperativ? Die verschiedenen Ausprägungen des Begriffs "Solidarität" in Erziehung, Alltagshandeln und Politik sind Thema eines Buches, das die Bochumer Sozialpsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Bierhoff (RUB) und Dr. Detlef Fetchenhauer (früher RUB, heute Universität Groningen) soeben herausgegeben haben: "Solidarität - Konflikt, Umwelt und Dritte Welt". In zwölf Beiträgen unter den Kapiteln "Phänomene der Solidarität" und "Erklärungen für Solidarität" befassen sich Wissenschaftler aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz u. a. mit sozialem Engagement, Zivilcourage und Menschenrechten ebenso wie mit der Frage, ob Steuerhinterziehung mit fehlender Solidarität erklärt werden kann.

Solidarität ist erlernbar

"Zwei Kinder werden Opfer von Sexualtätern. Am hellichten Tag, auf offener Straße. Und niemand hilft." Mit einem Zitat aus der Münchener Abendzeitung bringen Prof. Dr. Dieter Frey, Renate Neumann und Mechthild Schäfer das Problem auf den Punkt, warum erschreckend vielen Menschen gerade dann die Zivilcourage fehlt, wenn sie dringend nötig ist. Die Autoren analysieren die Gründe dafür, das niemand hilft. Ist Zivilcourage erlernbar? Die Autoren sagen: Ja. Teilnehmer von Sicherheitstrainings lernen, wie sie in Gefahrensituationen reagieren sollen - die Erhöhung des Kompetenzgefühls steigert die Zivilcourage. Wovon hängt es ab, ob ein Mensch militärische Einsätze ablehnt oder befürwortet, deren Ziel die Beendigung von Menschenrechtsverletzungen ist? Darüber räsonieren Fetchenhauer und Bierhoff. In weiteren Beiträgen zum Thema "Phänomene der Solidarität" geht es u.a. um "Solidarität mit der Dritten Welt", "Solidarität am Arbeitsplatz", "Ehrenamtliches Engagement" und "Fehlende Solidarität: Zur Erklärung von Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit und (Sozial-) Versicherungsbetrug".

Scheckbuchsolidarität

Dient solidarisches Engagement etwa der Selbstinszenierung? Prof. Dr. Sigrid Baringhorst setzt sich in ihrem Beitrag kritisch mit der Motivation zu solidarischem Handeln in zeitgenössischen Gesellschaften auseinander. Sie stellt dabei einen zunehmenden Trend zur "Scheckbuchsolidarität" fest: Solidarisches Handeln erschöpfe sich häufig in der Zahlung von Spenden an Organisationen wie amnesty international oder Greenpeace. Solidaritätsaktionen können vor allem dann viele Teilnehmer mobilisieren, wenn sie sowohl das Bedürfnis nach Moralität als auch das Bedürfnis nach Erlebnis befriedigten. Andere Autoren suchen nach weiteren Erklärungsansätzen für das Auftreten von Solidarität: "Solidarität aus sozialpsychologischer Sicht" - wie wirkt sich das subjektive Gefühl der Gruppenzugehörigkeit auf Solidarität aus? Ist Solidarität eine Frage der Persönlichkeit?

Titelaufnahme

Hans-Werner Bierhoff, Detlef Fetchenhauer (Hrsg.): Solidarität - Konflikt, Umwelt und Dritte Welt, Leske + Budrich 2001, DM 49,80 ISBN 3-8100-3088-0

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans W. Bierhoff, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Psychologie, Tel.: 0234/32 23 170 bzw. 32 28 170, Fax: 0234/32 14 002, e-mail: hans-werner-bierhoff@ruhr-uni-bochum.de

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