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Kämpferin für den Frieden

24.07.2001 - (idw) Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Klara Marie Faßbinder war eine der ersten Frauen an der Bonner Universität. Von einer tiefen Abneigung gegenüber dem "lasterhaften Frankreich", wandelte sie sich zu einer der großen Mittlerinnen zwischen Frankreich und Deutschland.

Schon als Kind wird Klara Marie Faßbinder durch den patriotistischen Chauvinismus des Kaiserreichs geprägt. Aus ihm erwächst in ihr eine tief empfundene Ablehnung gegenüber dem "Erzfeind" Frankreich. 1913 immatrikuliert sie sich an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn für Französisch, Deutsch und Geschichte. Doch all ihre erworbene Kenntnis über die französische Sprache und Kultur ändern nichts an ihrem Gefühl der moralischen Überlegenheit Deutschlands gegenüber Frankreich. Im April 1918 meldet sie sich zur Organisation kultureller Veranstaltungen für die kämpfende Truppe an die Westfront. Durch persönliche Begegnungen mit der französischen Bevölkerung wandelt sich ihr Frankreich-Bild von Grund auf. "Das Wort vom 'Erbfeind', das meine Kindheit und Jugend beherrscht hatte, war wie weggeblasen."

Die Geläuterte wird 1919 summa cum laude an der Philosophischen Fakultät in Bonn promoviert. Die ihr angebotene wissenschaftliche Karriere schlägt sie aus. Statt dessen widmet sie ihre ganze Kraft der Verständigung zwischen Franzosen und Deutschen. In der Weimarer Republik erwirbt sich die unerschütterliche Pazifistin einen Namen als Teilnehmerin an Friedenskongressen und deutsch-französischen Gesprächen, macht sich jedoch in nationalen und erst recht in nationalsozialistischen Kreisen verhasst. Unter dem Nazi-Regime erhält die Geschäftsführerin des Saarländischen Bühnenvolksbundes Berufsverbot. In dieser Zeit beginnt sie mit der Übersetzung der Werke des französischen Dichters Paul Claudel.

Nach dem 2. Weltkrieg erhält Klara Marie Faßbinder eine Professur an der Pädagogischen Akademie in Bonn. Als sie jedoch 1951 erfährt, daß Adenauer die Bundesrepublik bewaffnen will, erwacht der alte Kampfgeist. Nun setzt sie ihre ganze Energie für die Aussöhnung mit dem Osten ein, und auch damit macht sie sich in manchen Kreisen erneut unbeliebt. 1953 wird sie als vermeintliche Kommunistin zwangspensioniert. Trotz späterer Rehabilitation bleibt sie bis zum Erreichen der Altersgrenze beurlaubt. Ihrer engagierten Friedensarbeit tut das keinen Abbruch. Sie konferiert mit zahlreichen Delegierten der UNO, sie spricht mit Chruschtschow und mit Papst Johannes XXIII. In Deutschland jedoch nennt man sie spöttisch "Friedensklärchen".

1967 verleiht ihr der französische Staat in Anerkennung ihrer Verdienste um die Verbreitung der französischen Kultur den Orden "Les Palmes Académiques". Bundespräsident Heinrich Lübke aber verbietet die Annahme des Ordens. Erst der Sieg der sozial-liberalen Koalition unter Willy Brandt bringt ihr die Rehabilitation. Die Universität Bonn, die ihr noch 1967 ihre Hörsäle für einen Vortrag versperrt hat, rühmt sie in der Urkunde zu ihrem goldenen Doktorjubiläum 1970 wegen ihrer Claudel-Übersetzungen und ihrer Bemühungen um die deutsch-französische Verständigung. In ihrer 1967 erschienenen Autobiographie "Begegnungen und Entscheidungen" deutet sie ihr Leben als den Weg einer "miles pacis", einer Kämpferin für den Frieden.
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