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Therapie bei Netzhautdegeneration

29.08.2001 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Degenerative Erkrankungen der Netzhaut, die eine Erblindung oder schwere Sehbehinderung zur Folge haben, sind in ihrem klinischen Bild schon seit mehr als 100 Jahren bekannt. Bis in die jüngste Gegenwart hinein konnten solche Erkrankungen jedoch nicht behandelt werden. Innerhalb weniger Jahre hat sich diese Situation nun grundlegend geändert. Über die Entwicklung hoffnungsvoller Therapieansätze bei Netzhauterkrankungen informiert am 8. September 2001 ein Symposium in Münster. Über 400 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet werden zu dieser von der Augenklinik des Universitätsklinikums Münster (UKM) und der Selbsthilfeorganisation Pro Retina Deutschland e.V. ausgerichteten Tagung im Schloss zu Münster erwartet.

Ziel des Symposiums zum Thema "Von der Grundlagenforschung zur Therapie von Netzhautdegenerationen - Perspektive 2001" ist es, die aufgrund medizinischer, zellbiologischer und technologischer Fortschritte ermöglichten neuen Behandlungsstrategien vorzustellen und über erste klinische Erfahrungen zu berichten. Im Gegensatz zu sonstigen wissenschaftlichen Tagungen richtet sich die Veranstaltung in Münster bewusst nicht nur an Ärzte, sondern gleichermaßen an Betroffene und informierten Laien.

Nach einem Übersichtsreferat von Prof. Dr. Andreas Gal aus Hamburg über bekannte Gendefekte, deren diagnostische Nutzbarkeit sowie die gegenwärtige und zukünftige Entwicklung von gentherapeutischen Verfahren zur Behandlung von Netzhauterkrankungen wird sich als Schwerpunkt des Programms eine Reihe von Vorträgen mit der Entwicklung mikroelektronischer Netzhautimplantate beschäftigen. Mit Hilfe solcher Implantate sollen Patienten mit einer irreversiblen Degeneration der Netzhaut eine Sehorientierung wiedererlangen. Ansatzpunkt dieser Entwicklung ist die Möglichkeit, visuelle Information auf überlebende Nervenzellen der Netzhaut zu übertragen, die aufgrund des Untergangs von Photorezeptoren keine Bildinformation mehr vermittelt bekommen. Neben anderen Referenten wird der Begründer der deutschen Retina Implant-Forschung, Prof. Dr.-Ing. R. Eckmiller aus Bonn, über technologische Aspekte dieser Entwicklung berichten. Wichtige biomedizinische Aspekte dieser Entwicklung beleuchtet Prof. Dr. Heinrich Gerding von der Augenklinik des UKM.

Ein weiteres Thema wird die Therapie der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) mit der Photodynamischen Therapie (PDT) sein. Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurt von der Universitäts-Augenklinik Lübeck wird über die Möglichkeiten und Grenzen dieser innovativen Therapie, die in Deutschland seit dem 1. August 2001 bei der Behandlung spezieller Formen der feuchten AMD von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird, referieren.

Über aktuelle Entwicklungen und erste klinische Erfahrung der Transplantation von Netzhautzellen wird Prof. Dr. Gisbert Richard aus Hamburg berichten. Das Referat von Prof. Dr. Katrin Engelmann aus Hamburg wird die derzeit vielbeachteten Entwicklungen der Stammzellforschung und deren mögliche Anwendung in der klinischen Netzhautforschung zum Gegenstand haben. Verfügbare neuentwickelte technische Sehhilfen, die schon jetzt einen wertvollen Beitrag zur Rehabilitation und Lebenshilfe Sehbehinderter und Erblindeter leisten können, werden von Prof. Dr. Hans-Kunibert Krause von der Augenklinik des UKM und Prof. Dr. Klaus Rohrschneider aus Heidelberg vorgestellt.

Aufgrund der großen Nachfrage ist das Symposium bereits ausgebucht. Die Pro Retina Deutschland und die Universitäts-Augenklinik Münster planen bereits die Durchführung eines weiteren Symposiums dieser Art. Inhaltliche Zusammenfassungen des Programms werden in einem Bericht in "Retina-aktuell" nach dem Symposium durch die Pro Retina Deutschland verfügbar gemacht werden.

Nähere Informationen bei:

Prof. Dr. Heinrich Gerding

Universitätsklinikum Münster
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Domagkstr. 15
48129 Münster
Tel.: 0251-835 6010
FAX: 0251-835 6003
Email: gerdinh@uni-muenster.de
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