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Augenklinik der Universität Erlangen-Nürnberg entwickelt 3D-Atlas

31.08.2001 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

"Schau mir in die Augen, Doc!"

Michaela blickt konzentriert durch ihre Shutterbrille. Ruhig liegt die rechte Hand auf der Maus. Mit Präzision bewegt sie den Cursor über den Monitor. Nur das Klicken der Maus ist zu hören, wenn Michaela und ihre beiden Kommilitonen von der Faszination der Bilder gefangen sind. Wie das Computerspiel wohl heißen mag, das die drei Medizinstudenten in der Universität spielen? Aber der Schein trügt. Die angehenden Augenärzte sind vertieft in einen datenbankgestützten ophthalmologischen Internetatlas unter www.trizax.com, der von Dr. Antonio Bergua und Folkert Horn an der Augenklinik der Universität Erlangen-Nürnberg (Prof. Dr. Gottfried O.H. Naumann) entwickelt wurde. Die Weltneuheit daran: dank modernster Computertechnik kann das Auge erstmals auch dreidimensional in der Tiefe erfasst werden.

Es gibt eine Vielzahl von gedruckten und Online-Augenatlanten. Auf denersten Blick ist auch unter www.trizax.com alles wie gehabt. In einerOnline-Datenbank sind makroskopische Aufnahmen aus anonymisiertenklinischen Befunden von Patienten der Erlanger Augenklinik gesammelt.Sie können zu Studien- und Fortbildungszwecken bequem im Internetaufgerufen werden. Doch mit der richtigen Technik erheben sich aus derzweidimensionalen Glasscheibe des Monitors Bilder mit ausgeprägterräumlicher Wirkung. "Niedergelassene Augenärzte, andere Fachkollegenoder Medizinstudenten können sich so ein realitätsnahes Bild vontypischen Augenerkrankungen machen", erläutert Bergua. Die Vorteileder 3D-Abbildung liegen seiner Meinung nach auf der Hand:"Augenkrankheiten manifestieren sich häufig in Veränderungen derfeinen anatomischen Augenstrukturen, die nur wenige Millimeterbetragen. Sie lassen sich in der dreidimensionalen Abbildung leichterkennen und einordnen." Eine Schwellung des Sehnervenkopfes im Augescheint förmlich aus dem Bildschirm herauszuspringen. Bei einerAushöhlung im Sehnervenkopf eines Patienten mit grünem Star hingegenwird man gewissermaßen vom Sog des Bildes mit in die Tiefe gezogen.

Die verwendete Technik geht dabei von bereits vorhandenen Komponentenaus. Zur dreidimensionalen Abbildung wird eine handelsübliche Softwareverwendet, die "das Editieren und Betrachten stereoskopischer Bildersehr einfach macht", so Dipl.-Ing. Folkert Horn, der das Systemgemeinsam mit Dr. Bergua entwickelt hat. Für die gewünschteRaumwirkung braucht man nur noch eine so genannte Shutterbrille, wiesie jeder ambitionierte Computerspieler zuhause hat. In Kooperationmit der deutschen Herstellerfirma Elsa in Aachen wurde die Darstellungder Bilder so weit optimiert, dass diese durch die Erhöhung derWiederholungsfrequenz auf 120 Hz flackerfrei wahrgenommen werdenkönnen. Bergua: "Obwohl die Brille für 3D-Computerspiele entwickeltwurde, ist mit ihr auch die Betrachtung klinischer Befunde für Lehreund Forschung möglich."

Mit der räumlichen Darstellung, so hoffen die Erlanger Augenärzte,wird das Verständnis um die Pathogenese vieler Augenerkrankungenerheblich verbessert. Morphologische Befunde können so schnellererkannt und anatomisch korrekt eingeordnet werden - und zwar weltweit.Dementsprechend sind die Erläuterungstexte zu den bisher rund fünfzigBildern auf Englisch gehalten. Versionen in Deutsch und Spanischsollen folgen.

Und auch sonst setzen die Entwickler Bergua und Horn aufWeiterentwicklung. Neben der kontinuierlichen Erweiterung desAugenatlasses arbeiten die beiden fieberhaft an anderen medizinischenund naturwissenschaftlichen Bildatlanten.

Weitere Informationen:

Dr. Antonio Bergua, Augenklinik der Universität Erlangen-Nürnberg, Schwabachanlage 6, 91054 Erlangen

Tel.: 09131/ 85 -34433, Fax: 09131/85 -34436
E-mail: antonio.bergua@augen.imed.uni-erlangen.de
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