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Wie Laien Leben retten können

03.09.2001 - (idw) Universitätsklinikum Benjamin Franklin

Veranstaltung im UKBF:
Hilfe gegen den plötzlichen Herztod
UKBF-Mediendienst Nr. 141 (Mit Termin)

Der schnellstmögliche Einsatz eines Defibrillators - eines Gerätes zur "Elektroschock-behandlung" - rettet viele Menschen nach Herzstillstand. Die Herzspezialisten am Universitätsklinikum Benjamin Franklin (UKBF) waren treibende Kraft bei der Einführung der Frühdefibrillation durch die Rettungswagen in Berlin. Inzwischen stehen halbautomatische Geräte zur Verfügung, die auch von Nicht-Medizinern bedient werden können. Die UKBF-Ärzte wollen nun dafür sorgen, dass ein solches Eingreifen durch Laien auch in Berlin in Bereichen erprobt wird, in denen ein professioneller Rettungsdienst nicht schnell genug zur Verfügung steht. Erfahrungen zum Beispiel in den USA und in den Niederlanden haben nämlich gezeigt, dass dadurch deutlich mehr Menschen einen plötzlichen Herzstillstand überleben können.
Aus diesem Grund veranstalten die Kliniken für Kardiologie und für Intensivmedizin eine Tagung.

Titel:
Defibrillation durch jeden - Elektroschockbehandlung durch Laien
Ort:
UKBF, Hörsaal Ost, Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin
Datum: Sonnabend, 29. September 2001
Teil 1: Für Ärzte, Fachpersonal und Fachjournalisten:
9.00 bis 11.00 Uhr, Vorträge:
° Novel Technologies in Defibrillation (Dr. Fred W. Chapmann, Redmont/USA)
° First Responder Defibrillation by Police Officers (Frau Dr. A.P. Alen, Amsterdam)
° First-Responder-Projekte in Deutschland (Dr. K.-Georg Kanz, München)
Teil 2: Für alle Interessierten:
Die Situation in Berlin
11.30 bis 13.00 Uhr, Einführungsvortrag, danach Podiumdiskussion mit:
° Dr. K.-G. Kanz, Uniklinikum München
° Dr. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin
° Albrecht Brömme, Chef der Berliner Feuerwehr
° PD Dr. H.-Richard Arntz, UKBF
° Vertreter des Polizeipräsidenten, der BVG, der Krankenkassen, des KaDeWe und des Landessportbundes
Moderation: Eckart Schibber (SFB)

Täglich erliegen in Deutschland 250 Menschen dem plötzlichen Herztod, weit überwiegend aufgrund von Herz-Kammerflimmern. Kammerflimmern bedeutet elektrisches Chaos am Herzen mit sofortigem Herzstillstand. Wenn nicht sofort Wiederbelebungsmaßnahmen (Herzdruckmassage und Beatmung) ergriffen werden, führt der Kreislaufstillstand in wenigen Minuten zum endgültigen Tod. Diese Wiederbelebungsmaßnahmen beheben aber nicht die Ursache - das Kammerflimmern -, sondern können nur die Zeit bis zur ursächlichen Behandlung überbrücken. Das Flimmern kann nur durch Elektroschockbehandlung beseitigt werden. Die Defibrillation muss so früh wie möglich erfolgen.
Die Diagnose des Kammerflimmerns und die Defibrillation sind zwar grundsätzlich ärztliche Aufgaben. Allerdings ist es gelungen, automatisierte Defibrillatoren zu entwickeln, die in der Lage sind, selbstständig Kammerflimmern zu erkennen. Das Gerät stellt die erforderliche Energie zur Verfügung, und der Anwender muss nur noch per Knopfdruck den Zeitpunkt des Schocks bestimmen. Diese halbautomatischen Defibrillatoren ermöglichen auch Laien die Behandlung des Kammerflimmerns, noch lange bevor ein Arzt den Notfallort erreicht.
Halbautomatische Defibrillatoren wurden schon in Bereichen erprobt, in denen der professionelle Rettungsdienst nicht zur Verfügung steht, so etwa in Verkehrsflugzeugen. Als erste Fluglinie setzte die australische Fluggesellschaft Quantas die Geräte durch entsprechend trainiertes Bordpersonal erfolgreich ein. Die Ergebnisse wurden auf andere Situationen übertragen, wie Defibrillation durch Polizei in Regionen mit langen Anfahrtszeiten des Rettungsdienstes. Auch Wachpersonal in Spielkasinos mit Videoüberwachung wendete die "First Responder Defibrillation" erfolgreich an.
In Deutschland gibt es erste Ansätze, die "First Responder Defibrillation" einzuführen. So stattet die Lufthansa ihre Überseeflüge mit automatisierten Defibrillatoren aus und schult das Kabinenpersonal in der Anwendung. Einzelne andere Unternehmen haben für ihre Mitarbeiter, aber auch für Kunden und Besucher Geräte angeschafft.

Die Veranstaltung am Fachbereich Humanmedizin der Freien Universität stellt die heutigen technischen Möglichkeiten sowie beispielhafte Projekte und Erfahrungen innerhalb und außerhalb Deutschlands dar.
Ziel der Tagung ist es, mit allen Beteiligten eine Übereinkunft über die notwendige Ausbildung von "Laien-Rettern" und über Anwendungskriterien zu erzielen. Der professionelle Rettungsdienst soll dadurch nicht ersetzt, sondern zum Nutzen der Berliner ergänzt werden.

Veranstalter:

Prof. Dr. med. H.-Peter Schultheiss, Direktor der Med. Klinik II
Dr. med. Jan Breckwoldt, Oberarzt, Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin
PD Dr. med. H.-R. Arntz, Oberarzt, Med. Klinik II, Kardiopulmologie
Ansprechpartner:
Dr. Breckwoldt und Dr. Arntz
UKBF, Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin
Tel.: (030) 8445-2640 (Sekretariat und AB)
E-Mail: breckwoldt@medizin.fu-berlin.de

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