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Frauen und Kirche

07.09.2001 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster


Prof. Dr. Marie-Theres Wacker Frauen ist der Weg ins Priesteramt der katholischen Kirche nach wie vor versperrt. Ob diese Praxis heute noch theologisch glaubwürdig begründet werden kann, ist eine der vielfältigen Fragen, die das Seminar für theologische Frauenforschung an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster wissenschaftlich untersucht und diskutiert. Seit drei Jahren werden hier unter Leitung der Alttestamentlerin Prof. Dr. Marie-Theres Wacker theologische Themen und kirchliche Praxis aus der Perspektive der Frauen bearbeitet. Mit der Einrichtung eines eigenständigen Seminars hat die Katholisch-Theologische Fakultät ein sichtbares Signal gegeben und verdeutlicht, dass Feminisistische Theologie nicht länger ignoriert werden darf.

Allerdings verstehen die Mitarbeiterinnen des Seminars Frauenforschung nicht als neues theologisches Spezialgebiet, an dem andere theologische Disziplinen ungestört "vorbeiforschen" können. Frauenforschung bedeutet, die kritisch-feministische Fragestellung in allen theologischen Fächern anzuwenden. Deshalb arbeitet das Seminar interdisziplinär, denn Feministische Theologie sei nicht ein weiteres Fach neben anderen, sondern ziele auf eine Revision der gesamten Theologie ab, betont Wacker, die soeben auf der 9. Internationalen Konferenz der Europäischen Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen (ESWTR) in Salzburg zur 1. Vorsitzenden der deutschen Sektion der Gesellschaft gewählt wurde. Dementsprechend vielfältig sind die Forschungsprojekte und Themen der Wissenschaftlerinnen. Dazu gehören unter anderem die Auslegung biblischer Texte mit geschlechterspezifischem Ansatz und religionspädagogische Fragestellungen.

Darüber hinaus betreut das Seminar die Bibliothek "Christlich-Feministische Theologie". Diese Bibliothek wird ständig erweitert und deckt das breite Spektrum der Frauen- und Geschlechterforschung in der Theologie und benachbarten Disziplinen wie Literatur- oder Gesellschaftswissenschaften ab. Zusätzlich wird in Kooperation mit dem Seminar für allgemeine Religionswissenschaft die Bibliothek "Frauen in den Religionen" geführt. Themenschwerpunkte dieser religionswissenschaftlichen
Fachbibliothek sind Frauen in anderen Kulturen und Religionen. Neben der interdisziplinären theologischen Forschung streben die Mitarbeiterinnen des Seminars die Vernetzung und inhaltliche Zusammenarbeit mit anderen Frauen und Institutionen auch über Uni-Grenzen hinweg an.

Die Fakultät begegnete der Arbeit des Seminars von Anfang an mit Offenheit. Wacker und ihre Mitarbeiterinnen konnten sich auf eine gute Infrastruktur stützen und eine ausgezeichnete Bibliothek übernehmen. Die Resonanz bei den Studierenden ist unterschiedlich. Bemerkenswert sei die steigende Tendenz männlicher Interessenten an feministischen Fragestellungen. Insgesamt aber sei dieses Thema bei Studierenden zunehmend weniger gefragt, hat Wacker beobachtet.
Das spiegelt die gesamtgesellschaftliche Situation wider. Zunehmend bläst feministisch engagierten Frauen ein kälterer Wind ins Gesicht. Marie-Theres Wacker verschlägt dies jedoch nicht den Atem. "Ich habe gelernt, in größeren Zeiträumen zu denken", konstatiert die Theologin. Noch vor zehn Jahren hätte sie von einem Seminar für Frauenforschung nicht zu träumen gewagt. Trotz solcher Erfolge sei es entscheidend, sich mit Erreichtem nicht zufrieden zu geben, denn die feministische Forderung einer geschlechtergerechten Gesellschaft, Kultur und Religion verlange noch sehr viel Engagement.

Deshalb hat Wacker unter anderem an der Resolution der ESWTR zu neuen Bibelübersetzungen und zur jüngsten römisch-katholischen Liturgie-Instruktion mitgearbeitet, die sich gegen die Vereinnahmung Gottes durch männliche Sprache richten. In dieser Frage drängen Theologinnen wie Marie-Theres Wacker ebenso auf den Mut zur Veränderung wie im Blick auf die längst fällige Zulassung von Frauen im Amt. Sie tun dies nicht zuletzt im Interesse der Glaubwürdigkeit der Kirche.

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