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Gibt der Rezeptor ein Kochbuch heraus?

13.09.2001 - (idw) Wissenschaft im Dialog

Spielerisch entdecken Schüler im Berliner Wissenschaftssommer die
Lebenswissenschaften

Berlin, 13. September. Was ist ein Rezeptor? Der Herausgeber eines Kochbuchs? Und wie viele Zellarten gibt es im Körper? Die 16-jährige Silke weiß es nicht genau. Ihr Freund hilft - er hat die richtige Zahl zuvor aufgeschnappt. Gemeinsam schaffen sie auch die schwierigste Stufe im Zellenquiz. Ein Tipp mit dem Finger auf den berührungsempfindlichen Bildschirm, und als Belohnung spuckt der Drucker einen kleinen Gutschein von der Größe eines Kassenzettels aus: "Herzlichen Glückwunsch - Sie dürfen sich klonen lassen." Wer sich davon nicht ins Bockshorn jagen lässt, erhält am Informationsstand der "virtuellen Zelle" im Deutschen Technikmuseum in Berlin eine kleine Belohnung.

Drei Schwierigkeitsstufen gilt es zu meistern, beginnend mit "Verona": "Was ist ein Antikörper?" Vier Antworten stehen jeweils zur Auswahl, etwa die: "Eine Person, die gegen FKK-Strände ist" - aber natürlich auch die richtige: ein Abwehrmolekül des Immunsystems.

Die Stufe "Boris" ist unwesentlich schwieriger, aber bei "Albert" wird es richtig anspruchsvoll. Wie lang ist die DNA einer menschlichen Zelle? Die Lösung, etwa zwei Meter, liefert der Computer auch. Allerdings muss man dazu vor der Quizseite die Informationen über die Zelle anklicken und lesen.

Schulklasse um Schulklasse wird im Halbstundentakt durch die Ausstellung geschleust. Im Rahmen des Berliner Wissenschaftssommers" versucht die Max-Planck-Gesellschaft, spielerisch Einblicke in die ansonsten verborgenen Vorgänge in einer Zelle zu gewähren. Die Schüler nehmen das Angebot dankbar an, Wissenschaft einmal anders zu erleben - hautnah präsentiert von vorwiegend jungen Forschern, die für eine Woche dem Labor den Rücken gekehrt haben.

Chromosomenschach mit großen Metallfiguren: Ein Molekularbiologe in Jeans und T-Shirt erklärt einer 10. Klasse die Spielregeln. Die linke Gruppe darf aus den Erbanlagen des Vaters eine auswählen und ein Feld vorrücken, gegenüber stehen ausgewählte Chromosomen der Mutter. Als je vier Figuren sich am Ziel auf einem Podest gegenüberstehen erläutert der Spielleiter das Ergebnis: Das Kind wird braune Augen haben - das entsprechende Chromosom der Mutter dominiert über die blauen Augen des Vaters. Je ein x-Chromosom von beiden Eltern, was bedeutet das? Patrik weiß die richtige Antwort: ein Mädchen. Und Sanja wird wohl nicht so schnell vergessen, dass die Anlage für glatte Haare jener für krause Haare unterlegen ist. "So macht Biologie mehr Spaß als in der Schule", lautet ihr Fazit.

Nebenan sieht aus wie in einem richtigen Labor: kleine Plastikgefäße, Pipetten, ein Mikroskop, Computer. Mit einem Wattestäbchen streift Nadine ein paar Zellen der Mundschleimhaut aus der Innenseite ihrer Wange. Auf einem Glasstreifen kommt ein Tropfen einer fluoreszierenden Farbstofflösung hinzu, nun leuchten unter dem Mikroskop zwei Zellen in geheimnisvollem Blau. Auf Knopfdruck spuckt der Drucker das persönliche Zellenbild als farbige Scheckkarte aus. Noch ein Souvenir: In einem kleinen Plastikgefäß darf Nadine ihre DNA in einem winzigen Plastiknäpfchen mitnehmen.

Nun will sie auch noch ihre persönliche "Genkarte": Eine biochemische Reaktion vervielfältigt ganz bestimmte Abschnitte auf dem Chromosom 1 aus ihren Mundschleimhautzellen. Das Ergebnis ist ein Strichmuster. Ganz nebenbei hat ihr die Betreuerin erzählt, dass genau dieses Verfahren bei Vaterschaftsnachweisen eingesetzt wird: Ein Strich stammt von der Mutter, einer vom Vater - und bei Vergleichsproben sollten die Striche mit denen der Eltern auf gleicher Höhe liegen.

Einen Stock tiefer im Technikmuseum malt eine Schülerin mit einem bedrohlich wirkenden Stachelpiercing unter der Lippe mit schwarzem Filzstift. In der Ausstellung "Wirtschaft macht Forschung" präsentieren Wissenschaftler ein Kinderlabor. Sorgfältig entsteht ein Herz auf einem Stück Filterpapier. Ein paar Tropfen einer klaren Flüssigkeit in die Mitte, und der sich ausbreitende Fleck zieht die schwarze Linie auseinander zu einem Fächer verschiedenster Farben. So trennt man auch in der Pharmaforschung Substanzgemische, das Verfahren heißt Chromatografie.

Im Naturkundemuseum der Berliner Humboldt-Universität geht es um Wattwürmer und Wasser. Der Biologe Birger Neuhaus hat mit Berliner Kindern an der Nordsee das Wattenmeer untersucht und Proben mitgebracht, die nun in der Ausstellung unter dem Mikroskop betrachtet werden können. Angela hat einen Ruderflusskrebs mit Eisäckchen im Visier. "Da drin sind die Babys", erklärt Neuhaus. Eine Station weiter ist eine Schnecke zu sehen, die mit ihrer Raspelzunge Algen abweidet, unter ihr zappelt ein Borstenwurm.

Schon die Kleinsten dürfen im verregneten Wissenschaftssommer Hand anlegen: Nebenan lecken Vier- und Fünfjährige aus einer Kindergartengruppe an verschiedenen Pulvern. Was ist das? Salz? Zucker? Kakao? Zitrone? Und dann die schwierigere Frage: "Wonach schmeckt dieses Gemisch?" Im Spiegel studiert Hanna ihre Zunge. "Da sitzen die Geschmacksknospen", erklärt die Betreuerin. "1,2,3, ... 5 Sinne" heißt die Ausstellung, die Neugier und Interesse an Alltagsphänomenen wecken soll.

Neles Hände verschwinden durch enge Löcher in einem Kasten. Welche Formen gibt es dort zu ertasten? Danach heißt es Probesitzen. "Auch mit dem Po kann man fühlen", lautet die Erklärung: Eine Bank ist hart, die andere weich. Was hat ihr am Besten gefallen? Nele grinst schüchtern: "Alles!"

(Der Berliner Wissenschaftssommer geht noch bis Montag, 17. September.)

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