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Fachbereich Gestaltung verabschiedet Professor Gottfried Jäger und Professorin Friedlinde Burkhardt

18.10.2002 - (idw) Fachhochschule Bielefeld

Zum Wintersemester 2002/03 endete der aktive Hochschuldienst der Professoren Gottfried Jäger und Friedlinde Burkhardt am Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule (FH) Bielefeld. In einer Feierstunde am Dienstag, 22. Oktober 2002 würdigt der Fachbereich vor geladenen Gästen das persönliche Engagement, die Arbeit und Verdienste der beiden Hochschullehrer. Der Festakt beginnt um 17:00 Uhr im Fachbereich Gestaltung, Videostudio, Lampingstraße 3 in Bielefeld.

Professor Gottfried Jäger lehrte über 40 Jahre in Bielefeld Fotografie: Zuerst seit 1960 als technischer Lehrer an der Städtischen Werkkunstschule, ab 1973 als Professor für Künstlerische Grundlagen der Fotografie und Fotografik/Generative Bildsysteme am Fachbereich Gestaltung. In der Selbstverwaltung engagierte sich Professor Jäger von 1974-1977, 1991-1993 und von 1997-2001 als Dekan des Fachbereichs Gestaltung und von 1993-1997 als Prorektor für Forschung und Entwicklung an der FH Bielefeld.

Gottfried Jäger wurde 1937 in Burg bei Magdeburg geboren. Er folgte den Fußstapfen seines Vaters und absolvierte 1957 eine fotografische Ausbildung in Bielefeld. Nach einem Jahr Berufspraxis nahm Jäger sein Studium an der Staatlichen Höheren Fachschule für Photographie in Köln auf, das er 1960 mit der Meisterprüfung im Fotografenhandwerk und als graduierter Ingenieur abschloss. Der "Kunstingenieur" ist Mitbegründer der Studienrichtung Foto-/Film-Design am Fachbereich Gestaltung (ehemals Design). In seiner Lehrtätigkeit legte er besonderen Wert darauf, seinen Studierenden die künstlerischen Grundlagen der Fotografie und Fotografik zu vermitteln. Durch seine Arbeit und Arbeiten hat Jäger entscheidend dazu beigetragen, dass die Fotografie gleichrangig mit den Künsten Malerei und Bildhauerei genannt wird. Den Anspruch der Fotografie als Kunstform prägte er bereits 1968 mit dem Bergriff "Generative Fotografie", der für eine systematisch konstruktive Richtung in der künstlerischen Fotografie steht.

Über seine Emeritierung hinaus bleibt Professor Jäger Sprecher des Forschungs- und Entwicklungsschwerpunktes Fotografie und Medien an der FH Bielefeld, den er 1984 mitinitiierte. Das Programm richtet sich besonders auf die Behandlung wissenschaftlicher Einzelfragen und erweiterte visuelle Studien im Zusammenhang mit künstlerischen Entwicklungsvorhaben: Die Erprobung und Anwendung neuer Bildsprachen für Print- und Netzmedien und die Untersuchung ihrer kommunikativen Funktionen in Publizistik, Design und Kunst. Über den FuE-Schwerpunkt wird das international anerkannte alljährlich stattfindende "Bielefelder Symposium über Fotografie und Medien" ausgerichtet, das Jäger 1979 mit aus der Taufe gehoben hat.

Für seine besonderen Verdienste um die Fotografie wurde Gottfried Jäger 1992 von der Kodak AG Deutschland mit der George-Eastman-Medaille und 1996 von der Deutschen Fotografischen Akademie mit der David-Octavius-Hill-Medaille ausgezeichnet. Zahlreiche internationale Einzel- und Gruppenausstellungen, Publikationen, Bilder in öffentlichen und privaten Sammlungen kennzeichnen sein Wirken.

Der Medienphilosoph Vilém Flusser (1920 -1991) schrieb in seiner Rezension zu Jägers 1988 erschienenen Buches "Bildgebende Fotografie" in der amerikanischen Kunstzeitschrift LEONARDO: "Jägers Arbeit und seine theoretischen Betrachtungen sind wichtige Schritte auf dem Weg zu einer neu entstehenden Kultur von Bildern, die durch Apparate erzeugt werden." Diesen Weg hat Professor Gottfried Jäger in den darauf folgenden Jahren konsequent und erfolgreich weiterbeschritten.
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Frielinde Burkhardt folgte 1972 dem Ruf an die FH Bielefeld für den Lehrauftrag für "Plastik und Objekt" am Fachbereich Gestaltung. 1977 erhielt sie die Professur für das Lehrgebiet Gestaltungslehre und Künstlerische Gestaltung. Im weiteren Verlauf ihres Wirkens umfasste ihr Schaffen neben der Malerei die Themen Teppich-, Schmuck-, Keramik-Stahl-Design.

Friedlinde Burkhardt wurde 1937 in Singen geboren. Sie begann ihre akademische Laufbahn mit einem Pädagogikstudium am Pädagogischen Institut in Weingarten, das sie 1959 mit dem Staatsexamen beendete. Von 1960 bis 1971 studierte Burkhardt an der Kunstgewerbeschule in Zürich, Freie Malerei in der Klasse Max Kaus an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, Konkrete Malerei in der Klasse Almir Mavignier und Plastik an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg sowie als Stipendiatin Kunstgeschichte und Ästhetik am Warburg Institut in London.

In den Jahren von 1964 bis 1988 entstanden die meisten ihrer Bilder. Während des Studiums in Hamburg wandte sich Friedlinde Burkhardt von der Malerei dem Environment zu. Die Ästhetik-Philosophie ihrer Lehrer Max Bense und Bazon Brock haben Burkhardt während ihrer Studienjahre in der Hansestadt entscheidend geprägt. Zusammen mit ihrem Mann François Burkhardt gründete sie 1970 die Gruppe "Urbanes Design", Kristallisationspunkte für Nahkontakte, für die sie verschiedene Großprojekte entwarf und realisierte. Im Auftrag von Städten wie Hamburg und Berlin zeigte sich Burkhardt für die Konzeption und

Durchführung von einer Reihe von Ausstellungen verantwortlich, z.B. "Ene mene muh, und wie wohnst Du? - eine Exposition zum Jahr des Kindes in der Berliner Kongresshalle. Für den Sender RIAS Berlin war Friedlinde Burkhardt jahrelang als freie Mitarbeiterin im Ressort Kultur tätig.

Teppich-, Schmuck-, Keramik-Stahl-Design sind weitere Arbeitsinhalte der vielseitigen Künstlerin. Teppich- und Teppichbodenentwürfe fertigte sie an für das Pariser Unternehmen Toulemond-Borchart, für Vorwerk in Hameln und für die in Mailand ansässige Firma Driade. Ebenso hat sich Burkhardt dem Keramik- und Keramik-Stahl-Design verschrieben. Seit 1996 erstellt sie für Driade Keramik-Kollektionen. In deren Auftrag erarbeitete sie eine Ausstellung von 80 keramischen Einzelstücken, die im November/Dezember 2001 in Mailand gezeigt wurden. Erfolgreich experimentiert hat Professorin Burkhardt mit der Materialkombination Keramik-Stahl. Dazu hat sie sich in einem Praxissemester bei dem italienischen Unternehmen Alessi (Inbegriff für Design und Innovation) zuerst einmal mit der Stahlverarbeitung vertraut gemacht - herausgekommen ist dabei die keramische Vasen-Linie "Leo und Lea", die mit einem Stahluntersatz in Form einer Wasserlache ausgerüstet sind, um Wasserflecken auf Möbeln zu verhindern. In einem Forschungsfreisemester, ebenfalls bei Alessi, kreierte sie weitere Objekte aus diesem Materialmix, die sich heute im hauseigenen Museum des Unternehmens befinden und in zahlreichen Veröffentlichungen vorgestellt wurden. Alessi präsentierte ihre Keramik-Stahl-Objekte 2001 in Mailand zum "Salone del Mobile" und im September 2002 auf der Ausstellung "100% Design" in London.

Die leidenschaftliche Theater- und Kinobesucherin Professorin Friedlinde Burkhardt setzt nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Hochschuldienst ihr gestalterisches und künstlerisches Arbeiten in Deutschland und Italien fort.

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