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EU-Projekt InfoCitizen: Europas Verwaltungen sollen zusammenwachsen

15.10.2001 - (idw) Universität des Saarlandes

Beim EU-Projekt InfoCitizen arbeiten Partner aus fünf europäischen Nationen unter Federführung des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Saar-Uni (Prof. August-Wilhelm Scheer ) an den Voraussetzungen, um Europas Verwaltung zu vernetzen.
EU fördert das Vorhaben mit über 3 Millionen Euro.


Europa wächst mehr und mehr zusammen: Ein Prozess, der auch das tägliche Leben erleichtert; EU-Bürger fahren ohne Grenzkontrollen von Norwegen nach Portugal, und demnächst sorgt die gemeinsame Währung dafür, dass man nicht einmal mehr Geld zu tauschen oder Preise umzurechnen braucht.
Komplizierter ist es jedoch nach wie vor, wenn man es mit Verwaltungsbehörden zu tun hat. Ob Umzug oder geplante Arbeitsaufnahme in einem anderen EU-Mitgliedsland: Bürokratische und administrative Regelungen verlangen dem Bürger nach wie vor einiges ab. Die zahlreich anstehenden Behördengänge und Formulare sind zum einen Folge der noch stark papiergebundenen Arbeitsweise der Behörden, zum anderen sind die Datennetze der Computer zumeist lokal auf das jeweilige Zuständigkeitsgebiet begrenzt.
An diesem Punkt setzt das europäische Forschungs- und Entwicklungsprojekt "InfoCitizen" an: Informationstechnisch sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, die Verwaltungen europaweit zu vernetzen, und zwar über die nationalen Grenzen wie auch die vertikalen Verwaltungs-Ebenen (kommunal, regional, national) hinweg.

Unter Federführung des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Saar-Universität, das von Professor August Wilhelm Scheer geleitet wird, arbeiten insgesamt fünf europäische Nationen in einem elf Organisationen starken Konsortium zusammen: Ihr Ziel ist die Erforschung und Entwicklung einer Softwarelösung, die eine sichere und zuverlässige Interaktion der Behörden gewährleistet. Auf diese Weise soll es möglich werden, die bis dato örtlich verteilten Verwaltungsprozesse, die die Mobilität der EU-Bürger mit sich bringt, informationstechnisch zu verbinden.
Die Europäische Union finanziert dieses Projekt, das auf zwei Jahre angelegt ist, mit insgesamt über 3 Millionen Euro.

Forschungspartner sind das Institut für Wirtschaftsinformatik, die Universität von Minho (Portugal) sowie das Informatics and Telematics Institute (Griechenland). Daneben ist eine griechische Tochterorganisation der Vereinten Nationen, das United Nations Thessaloniki Centre for Public Service an der Forschungsarbeit beteiligt und mit der Verbreitung der in diesem Projekt gewonnenen Erkenntnisse auch über die Grenzen der EU hinaus beauftragt. Die Entwicklungssicht wird vertreten durch drei Industriepartner, die Software-Unternehmen Engineering (Italien), Ibermatica (Spanien) und Unisoft (Griechenland).
Die Interessen der europäischen Behörden repräsentieren vier öffentliche Verwaltungen: Die Gemeinden Colleferro (Italien), Tres Cantos (Spanien) und Schmelz (Deutschland) sowie die Präfektur von Thessaloniki (Griechenland).

Diese vier Verwaltungen dienen im Rahmen des Projekts als Modelle der europäischen Behörden; exemplarisch stehen das Meldewesen, das Arbeitswesen, das Sozialwesen und Dienstleistungsangebote wie Anmietung von Räumlichkeiten im Mittelpunkt. In der ersten Projektphase werden diese Arbeitsprozesse genau untersucht und die Vorgänge vereinfacht beschrieben, also "modelliert". - Das Vorhaben der Vernetzung der Behörden steht vor allem vor dem Problem, dass in allen Ländern der EU für diese Aufgaben unterschiedliche Verwaltungsvorschriften gelten und für dieselbe Sache andere Behörden zuständig sind. Was auf den ersten Blick das Unterfangen vor große Hindernisse stellt, wollen die Projektpartner zunächst "auf einen Nenner" bringen: Allen Vorschriften und Zuständigkeitsregelungen liegen immer Bedürfnisse zugrunde, die an allen Orten gleich sind, ob man sich nun als Mitglied der Gemeinde an- oder abmeldet, eine geplante Heirat mitteilt oder eine Arbeitserlaubnis einholt. Die Vorgänge werden auf Gemeinsamkeiten hin abgeklopft und ihre so gefundene vereinfachte Darstellung zugrundegelegt. In weiteren Schritten werden die Dienstleistungen der vier Gemeinden unter anderem soweit wie nötig standardisiert und die Datenverarbeitung der Behörden harmonisiert.
Kernstück der Vernetzung wird eine speziell zu entwickelnde, sichere Software sein: Kleine autonome Programme, so genannte Agenten, sollen - so das Vorhaben - die Datennetze der Verwaltungen verbinden. Wird dann etwa an Ort A in Deutschland mitgeteilt, dass eine Ummeldung nach Ort B in Spanien erfolgt, ist in B kein Behördenweg und kein Formular mehr nötig.
Auf dem Weg, dass dies irgendwann Realität werden kann, wird nun mit InfoCitizen der erste Schritt getan. In zwei Jahren soll der Prototyp der Software vorliegen.

Unterstützt wird die aufwendige Koordination und Organisation des europäischen Großprojekts durch die Firma EURICE (European Research and Project Office GmbH), ein Spin-off-Unternehmen aus der Saar-Universität. Dieses Dienstleistungsunternehmen für Forschungs- und Projektmanagement bietet bei EU-Projekten Betreuung und umfassende Unterstützung während der gesamten Dauer des Vorhabens und ist zentrale Koordinierungsstelle für alle organisatorischen Fragen von EU-Forschungsförderung.


Sie haben Fragen? Dann setzen Sie sich bitte in Verbindung mit Stephanie Hans oder Dirk Werth. Die akademischen Mitarbeiter von Prof. Scheer sind am Institut für Wirtschaftsinformatik für das EU-Projekt InfoCitizen zuständig:
Tel: 0681/302-5336 bzw. 0681/302-5236
email: hans@iwi.uni-sb.de bzw. werth@iwi.uni-sb.de
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