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Esser-Preise 2001: Flughunde und Delphine, Professorinnen und indische Mythen

19.10.2001 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Fünf junge Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sind kürzlich mit den Wilhelm und Günter Esser-Preisen 2001/2002 ausgezeichnet worden. Für den sorgenfreien Abschluss ihrer Promotionsarbeiten erhalten sie zwischen vier und zehn Monate lang ein monatliches Stipendium von 1250 DM.


v.l.: Der Rektor der RUB Prof. Dietmar Petzina, der Vorsitzende der GdF Fritz Bahlo, die Preisträger Jochen Reiter, Cigdem Gür und Claudia Preckel, Prorektor Prof. Gerhard Wager. Bochum, 19.10.2001
Nr. 211

Flughunde und Delphine, Professorinnen und indische Mythen
Fünf junge RUB-Forscher ausgezeichnet
Esser-Preise fördern den Abschluss der Promotion

Fünf junge Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sind kürzlich mit den Wilhelm und Günter Esser-Preisen 2001/2002 ausgezeichnet worden. Für den sorgenfreien Abschluss ihrer Promotionsarbeiten erhalten sie zwischen vier und zehn Monate lang ein monatliches Stipendium von 1250 DM. Die Urkunden überreichte der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde der RUB Fritz Bahlo bei einer Feierstunde im Haus der Freunde.

Flughunde auf den Philippinen

Viel exotisches berichteten die jungen Forscher den Mitgliedern der GdF und des Rektorats der RUB über den Stand ihrer Untersuchungen: Dipl.-Biologe Jochen Reiter führte seine Promotion auf die Philippinen, wo er Flughunde mit Radiosendern ausstattet und sie nächtelang verfolgte um ihr Verhalten und ihre Aufenthaltsorte zu ermitteln. Besonderes Augenmerk legt er dabei auf die Wechselbeziehungen zwischen der Tierart und dem Wald, in dem sie lebt. Dadurch, dass manche der Tiere ausschließlich in Baumhöhlen des Primärwaldes schlafen, ist ihr Überleben bedroht. Der Wald wird auf den Philippinen illegal abgeholzt oder brandgerodet. Die Bedrohung der Tiere wiederum wirkt sich auf den Restwald aus, denn sie verbreiten den Samen der Feigenfrüchte, die sie fressen.

Wie Delphine denken

Dipl.-Biologin Sevgi Yamann befasst sich in Spanien mit Delphinen. Durch vergleichende Verhaltensforschung an großen Tümmlern will sie biologische Grundprinzipien der Arbeit des Gehirns verstehen und auch Rückschlüsse auf den Menschen ziehen. Sie überprüft z. B., ob Delphine durch die Beobachtung von Artgenossen lernen, ob sie visuell Mengen unterscheiden können, und ob ihre Gehirnhälfte wie beim Menschen und bei vielen Landtieren unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen (Lateralisation).

Wahre Gestalten hinter dem Mythos

In die Geschichte Indiens blickt die Islamwissenschaftlerin Claudia Preckel. Sie verfolgt die Spur von Muhammed Siddiq Hasan Han (1832-1890), dem Ehemann einer der weiblichen Herrscherinnen des islamischen Fürstenstaates Bhopal. Er veröffentlichte als Gelehrter viele Bücher und unterhielt Kontakte zu Gelehrten weit über die Grenzen Indiens hinaus; seine Ansichten missfielen jedoch den Kolonialbehörden. So wurde er instrumentalisiert und aller seiner Ämter enthoben. Seine wahre Gestalt verschwindet hinter einem schillernden Mythos. Claudia Preckel vollzieht z.B. seine Kontakte zu anderen Gelehrten im In- und Ausland nach und rekonstruiert so sein wahres Leben und Wirken.

Türkische Professorinnen

Die Pädagogin Cigdem Gür erforscht Frauenkarrieren an Hochschulen im Vergleich zwischen Deutschland und der Türkei. 20 Prozent der Professoren in den großen türkischen Universitäten sind Frauen - hierzulande sind es gerade 7 Prozent - der Anteil an Lehrstuhlinhaberinnen ist in der Türkei weltweit am höchsten. Anhand von historischen Daten aus der Türkei zwischen 1900 und 2000 und etwa 450 Lebensläufen türkischer Professorinnen versucht sie, die Ursachen für diesen Unterschied zu ergründen.

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