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Dr. Heide-Marie Lauterer mit Kellner-Preis ausgezeichnet

07.11.2001 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

"Lebenswege, politisches Selbstverständnis und Handeln von Parlamentarierinnen in Deutschland 1918-1953" - Geschichte der Parlamentarierinnen, erzählt am Beispiel von zwölf weiblichen Reichstagsabgeordneten aller Parteien

Dr. Heide-Marie Lauterer, derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Max-Weber-Edition, erhielt für ihre Arbeit "...Über Gegensätze hinweg in eine neue Zukunft". Lebenswege, politisches Selbstverständnis und Handeln von Parlamentarierinnen in Deutschland 1918-1953" den Preis der Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnis-stiftung. Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg finanziell unterstützt und von Prof. Dr. Hartmut Soell fachlich begleitet.

Der mit 4000 Mark dotierte Preis, der die Förderung wissenschaftlicher Arbeiten über den Liberalismus zum Ziel hat, wurde anlässlich eines Kolloquiums und einer Gedenkveranstaltung der Friedrich Naumann Stiftung zum 50. Jahrestag der Hinrichtung des Liberaldemokraten Arno Esch in der Aula der Universität Rostock überreicht. In seiner Laudatio würdigte der Vorsitzende des Kuratoriums der Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnisstiftung die Studie Lauteres als einen "wertvollen Beitrag zur Erforschung und Darstellung von Grundlagen, Geschichte und Politik des Liberalismus."

Die Studie geht dabei über die Darstellung liberaler Politik weit hinaus. Es handelt sich um eine Geschichte der deutschen Demokratie seit 1919, die bisher vor allem als Geschichte der männlichen Politiker, ihrer Politik und Institutionen geschrieben worden ist. In Lauterers Studie stehen erstmals die Parlamentarierinnen im Mittelpunkt. Die Geschichte der Parlamentarierinnen, die hier am Beispiel von zwölf weiblichen Reichstagsabgeordneten aller Parteien erzählt wird, kann von heute aus betrachtet als Erfolgsgeschichte gelesen werden.

Nach einer Statistik der Vereinten Nationen von 1995 stand Deutschland weltweit mit einem Frauenanteil im Parlament von 25,5 % an 4. Stelle. Mit der Wahl zum 14. Bundestag 1998, die einen Frauenanteil von 30,9 % brachte, hat sich Deutschlands Position international sogar noch verbessert. An der Jahrhundertwende näherte sich der Frauenanteil im deutschen Parlament der Marge von 30-35 %, die in einer UN-Studie als "kritische Masse" im Hinblick auf eine Veränderung der Geschlechterrollen im Parlament angesehen wird.

Gerade deshalb drängt sich die Frage auf, warum sich die parlamentarische Demokratie, die auf eine über 80-jährige Geschichte zurückblickt, so lange resistent gegen eine numerisch gleiche Teilhabe von Frauen an der parlamentarischen, politischen und gesellschaftlichen Macht zeigen konnte? Es muss aber auch gefragt werden, ob und inwiefern eine rein quantitative Repräsentanz von Frauen im Parlament zu einer Veränderung der Geschlechterrollen in der Politik und damit - vielleicht - auch zu einer Veränderung von Politik überhaupt führen kann?

Im Mittelpunkt dieser Pionierstudie stehen zwölf prominente Berufspolitikerinnen, die als Abgeordnete ihrer Parteien in die Nationalversammlung und in den Reichstag gewählt wurden. Ihre Lebenswege, ihr politisches Selbstverständnis und ihr politisches Handeln werden über drei Epochen - die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit - verfolgt. Es handelt sich um die drei Sozialdemokratinnen Louise Schroeder, Marie Juchacz, Anna Nemitz; die beiden Kommunistinnen Helene Overlach, Martha Arendsee; die vier Liberalen Marie Elisabeth Lüders, Marie Baum und Gertrud Bäumer, alle drei DDP sowie die DVP-Abgeordnete Katharina v. Kardorff-Oheimb; und die drei Zentrumspolitikerinnen Helene Weber, Christine Teusch und Helene Wessel.

Die Wahl dieses Untersuchungsgegenstandes ermöglicht eine Erweiterung der Perspektive klassischer männerorientierter politikgeschichtlicher Forschung, die in der Einbeziehung der Geschlechterperspektive liegt. Darüber hinaus kommen alltags-, sozial- und kulturgeschichtliche Fragen in den Horizont der Parlamentsgeschichte. Sie lenken den Blick über die politischen Ereignisse hinaus auf das System von Normen, Werten und Vorstellungen von Politik, die meist unhinterfragt und selbstverständlich politisches Verhalten formen.

Rückfragen bitte an:

Heide_Marie.Lauterer@urz.uni-heidelberg.de
Tel. 06221 400139

allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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