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Universität Heidelberg höchst erfreut über zwei Wolfgang Paul-Preise

07.11.2001 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Höher dotiert als der Nobelpreis - Dr. Hilmar Bading erhielt 3,5 Millionen Mark, Prof. Dr. Joachim Herz 2,8 Millionen Mark von der Alexander von Humboldt-Stiftung - Rektor Prof. Dr. Peter Hommelhoff: "Höchste Exzellenz im internationalen Vergleich"

Die Alexander von Humboldt-Stiftung verlieh am 6. November 2001 den höchst dotierten Preis der deutschen Wissenschaftsgeschichte, und die Universität Heidelberg hat den größten Grund zur Freude. Mit 3,5 Millionen Mark ausgezeichnet wird einer der Träger des Wolfgang Paul-Preises, Dr. Hilmar Bading, der in diesen Tagen einen Ruf an das Interdisziplinäre Zentrum für Neurowissenschaften der Universität Heidelberg angenommen hat. Prof. Dr. Joachim Herz aus den USA, mit 2,8 Millionen Mark ausgezeichnet, soll in Kürze ebenfalls in Heidelberg forschen und lehren - am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg und am Heidelberger Institut für Pflanzenwissenschaften. "Wir freuen uns außergewöhnlich, Spitzenforscher an die Ruprecht-Karls-Universität zu holen, denen die Humboldt-Stiftung soeben höchste Exzellenz im internationalen Vergleich bescheinigte", kommentiert Rektor Prof. Dr. Peter Hommelhoff. "Die Wolfgang Paul-Preise stellen auch eine Herausforderung an die Universität Heidelberg dar, den Preisträgern ein motivierendes Umfeld höchster wissenschaftlicher Güte zu sichern", sagt der Heidelberger Rektor.

Spitzenforscher aus dem Ausland erhalten Top-Konditionen in Deutschland

Während die Nobel-Stiftung den zurzeit bekanntesten Wissenschaftspreis der Welt mit zwei Millionen Mark dotiert, vergibt die Alexander von Humboldt-Stiftung den Wolfgang Paul-Preis mit einer höheren Dotierung. In diesem Jahr erhielten 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Spitzenklasse aus dem Ausland einmalig bis zu jeweils 4,5 Millionen Mark - und damit Top-Forschungskonditionen an deutschen Forschungsinstituten. Gestiftet wurde der Preis vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die Mittel stammen aus dem Zukunftsinvestitionsprogramm der Bundesregierung (ZIP).

Insgesamt wurden 70 Wissenschaftler aus 23 Ländern von deutschen Forschungsstätten für den Wolfgang Paul-Preis nominiert. Ziel des Wolfgang Paul-Programmes ist es, den Preisträgern die bestmöglichen Arbeitsbedingungen an einer Forschungseinrichtung in Deutschland zu bieten. "So können die besten Köpfe aus dem Ausland frei von administrativen Zwängen ihre Forschungsprojekte vorantreiben - und auch in Deutschland eigene Arbeitsgruppen mit hoch qualifizierten jüngeren Wissenschaftlern aufbauen", sagt Professor Wolfgang Frühwald, Präsident der Humboldt-Stiftung.

Dr. Bading zuletzt in Cambridge (Großbritannien) tätig

Dr. Hilmar Bading, 42 Jahre alt, war zuletzt am Medical Research Council des Laboratory of Molecular Biology in Cambridge (Großbritannien) tätig. Der Molekularbiologe wird nun am Interdisziplinären Zentrum für Neurowissenschaften der Universität Heidelberg und am Heidelberger Institut für Pflanzenwissenschaften forschen und lehren.

Hilmar Bading studierte an der Universität Heidelberg und wurde dort 1984 promoviert. Seine wissenschaftlichen Stationen in den Folgejahren waren das Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin, die Harvard Medical School (USA) und zuletzt das Laboratory of Molecular Biology in Cambridge. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit der Erforschung der molekularen Grundlagen von Lern- und Gedächtnisvorgängen.

Das Gehirn besteht aus einer schier unvorstellbar großen Anzahl von Nervenzellen, die wie das Bahnnetz der Bundesbahn über ein gigantisches Kabelnetz miteinander verbunden sind. Schon lange ist bekannt, dass Informationen, kodiert in Form von elektrischen Signalen, von einer Nervenzelle zur nächsten weitergereicht werden können. Informationsverarbeitung findet jedoch auch im Inneren von Nervenzellen statt. Dr. Badings Arbeiten führten zur Identifizierung von Kommunikationsschienen, über die elektrische Signale, die sich an der Zelloberfläche abspielen, in die Kommandozentrale der Nervenzelle, den im Herzen der Zelle angesiedelten Zellkern, weitergeleitet werden.

Werden diese Signalübertragungswege aktiviert, was zum Beispiel während Lernvorgängen der Fall ist, kommt es zu Modifizierungen des im Zellkern befindlichen genetischen Bauplans. Derartige Veränderungen des genetischen Make-ups von Nervenzellen bilden vermutlich die Grundlage für ein Langzeitgedächtnis. Als zentraler Regulator dieser Signalwege wurde von Dr. Bading das Metallion Kalzium identifiziert. Kalzium, das über winzige Kanäle in die Nervenzelle eintreten kann, fungiert nicht nur als Anschalter von Signalübertragungswegen, es ist selbst ein Botenstoff, der in den Zellkern eindringen kann. Der Bote Kalzium bringt aber nicht nur gute Nachrichten.

Werden Nervenzellen überaktiviert, wie zum Beispiel bei epileptischen Anfällen oder als Folge eines Schlaganfalls, kann der genetische Fahrplan der Zelle durcheinander gebracht werden, was Nervenzelldegenerationen und Zelltod zur Folge haben kann. Welches Schicksal die Nervenzelle erwartet, hängt von der Gestalt des Kalziumsignals ab. Diesen Kalzium-Code zu entschlüsseln, ist das Ziel zukünftiger Arbeiten von Dr. Bading.

Prof. Herz kommt aus den USA nach Heidelberg zurück

Prof. Dr. Joachim Herz, 43 Jahre alt, wird am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg (ZMBH) und am Heidelberger Institut für Pflanzenwissenschaften arbeiten. Herz studierte an der Universität Heidelberg und wurde dort 1983 in Pharmakologie und 1985 in Medizin promoviert. Seitdem arbeitete er am European Molecular Laboratory in Heidelberg und später an der University of Texas, Department of Molecular Genetics (USA).

Als Molekularmediziner erforscht Prof. Dr. med. Herz eine Familie von Oberflächenmolekülen auf Nervenzellen, die sowohl bei der Entwicklung des Gehirns als auch beim Entstehen der Alzheimer-Krankheit eine zentrale Rolle spielen. Diese Genfamilie, zu der auch der LDL-Rezeptor gehört, bindet Apolipoprotein (Apo) E, ein Protein, das am Cholesterintransport maßgeblich beteiligt und genetisch eng mit der Alzheimer-Entstehung gekoppelt ist.

Das Ziel der Arbeiten von Prof. Herz ist es, die molekularen Mechanismen zu ergründen, durch die Apo E zur Entstehung der Erkrankung führt, und die Rolle der ApoE- Rezeptoren dabei zu erforschen. So haben die bisherigen Arbeiten von Herz bereits gezeigt, dass diese Genfamilie maßgeblich an der Entwicklung des Gehirns beteiligt ist und dabei insbesondere die Wanderung von neugeborenen Nervenzellen in der Hirnrinde steuert. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten werden Aufschluss darüber geben, wie ApoE-Rezeptoren die Fähigkeit des Gehirns zur Regeneration beeinflussen. Dies könnte die Basis für eine neue Klasse von Medikamenten schaffen, die das Gehirn gezielt vor Alterungseinflüssen schützen und die Folgeschäden von Unfällen oder Schlaganfällen vermindern.

Wer war Wolfgang Paul?

Der Namenspatron des Programms, Wolfgang Paul (1913 - 1993), gilt als Pionier auf dem Gebiet der Teilchenphysik. Der Physiker wurde 1939 in Berlin promoviert und habilitierte sich 1944 an der Universität Göttingen. 1952 wurde Paul Direktor des Physikalischen Instituts an der Universität Bonn. Für die Entwicklung einer "Ionen-Falle", mit deren Hilfe Atomkerne "eingefangen" werden können, erhielten Wolfgang Paul und der Humboldt-Forschungspreisträger Hans G. Dehmelt zusammen mit Norman F. Ramsey den Nobelpreis für Physik 1989. 1979 wurde Paul zum dritten Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung gewählt und hatte dies Amt zehn Jahre lang inne.

Weitere Infos unter http://www.humboldt-foundation.de

Rückfragen bitte an:

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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