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Mehrheit der Bewohner von Dortmund und Holzwickede akzeptiert verspätete Landungen

19.11.2001 - (idw) Universität Dortmund

Die Bewohner von Dortmund und Holzwickede befürworten mehrheitlich eine Ausnahmeregelung für verspätet landende Flüge auf dem Flughafen Dortmund. In Unna sagt die Mehrheit Nein. Das ist eines der Ergebnisse einer Repräsentativ-Umfrage "Luftverkehr in Dortmund", die jetzt vom Statistischen Beratungs- und Analysezentrum (SBAZ) der Universität Dortmund durchgeführt wurde. Der Auftrag wurde von der Flughafen Dortmund GmbH erteilt, die im Mai 2001 einen Antrag auf eine Ausnahmeregelung für verspätet landende Flüge gestellt hat.

Beim Flughafen Dortmund sind zur Zeit Starts und Landungen in der Zeit zwischen 6 und 22 Uhr möglich. Ob Maschinen, die sich verspäten und erst nach 22 Uhr in Dortmund eintreffen würden, auch künftig zu benachbarten Flugpisten umgeleitet werden müssen, wird zur Zeit geprüft.

Von den 1124 Menschen in Dortmund, 75 in Holzwickede und 300 in Unna, deren Meinungen ausgewertet wurden, sprachen sich 55,8 Prozent für die Zulassung einer Ausnahmeregelung für verspätete Landungen aus (58,7 Prozent in Dortmund, 50,7 Prozent in Holzwickede, jedoch nur 35,3 Prozent in Unna, wo mit 61,0 Prozent die Zahl der Ablehnung klar überwog.
Bei der Zusatzfrage, die nur den Befürwortern von Ausnahmeregelungen vorgelegt wurde, verweigerten viele Befragte eine konkrete Festlegung. In Dortmund wollten 21,6 Prozent der Befragten eine Ausnahme vom Nachtflugverbot bis Mitternacht zulassen. Für 24,7 Prozent soll um 23 Uhr Ruhe herrschen, 11,1 Prozent wollten gar nur 30 Minuten Verspätung zubilligen. In Holzwickede stimmten 12,0 Prozent der 24-Uhr-Grenze zu, 22,7 Prozent der 23-Uhr-Grenze und 16,0 Prozent der 22:30-Uhr-Grenze. In Unna votieren 4 Prozent für 24 Uhr, 17,7 Prozent für 23 Uhr, 13,7 Prozent für 22:30 Uhr.
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Spielraum für Politik

Die statistischen Werte sorgten in der Pressekonferenz am heutigen Nachmittag (19.11.01, 14:00 Uhr) für Zündstoff. Einerseits stellte Prof. Dr. Claus Weihs fest, dass mit 55, 8 Prozent in Gebiet der drei Kommunen eine Mehrheit der Bewohner eine Ausnahmeregelung befürwortet. Da aber im gleichen Großraum 11,6 Prozent maximal einer Überschreitung der Flugzeit um "höchstens 30 Minuten" zuzustimmen bereit ist, scheint die von der Flughafenleitung angepeilte Ausnahmezeit von einer oder gar zwei Stunden nicht von der Mehrheit akzeptiert: Für eine längere Ausnahme-Flugzeit bleiben, so Weihs, nur noch gut 44 Prozent. Flughafen-Chef Heinz A. Nunkesser insistierte, dass unter den Befürwortern einer Ausnahmeregelung die Stunden- und Zweistunden-Regelung jeweils mehr Befürworter finden als die knappen 30 Minuten.

Professor Weihs: "Aus unserer Sicht lässt sich die Entscheidung für oder gegen eine Regelung fü1r verspätete Landungen ... nicht mit ausschließlich statistischen Argumenten treffen, insbesondere da die Zustimmung für eine derartige Regelung bei Personen, die im Bereich der An- und Abflugstrecken wohnen, deutlich geringer ist. Unserer Meinung nach ist hier eine politische Abwägung zwischen den Interessen der Mehrheit der in Dortmund, Holzwickede und Unna lebenden Bevölkerung und den Interessen der in Flughafennähe lebenden Bevölkerung vorzunehmen."
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In Unna sieht und hört man es anders

Auffällig ist, das sich die Bevölkerung in Unna deutlich mehr vom Fluglärm gestört fühlt (25,7 Prozent stark, 19,7 Prozent relativ stark, 21,3 Prozent mittel, 14,3 Prozent selten, 16,3 Prozent gar nicht) als in Dortmund (7,6 Prozent stark, 3,3 Prozent relativ stark, 11,9 Prozent mittel, 17,8 Prozent selten und 58,4 Prozent gar nicht) und in Holzwickede (5,3 Prozent stark, 1,3 Prozent relativ stark, 13,3 Prozent mittel, 10,7 Prozent selten und 69,3 Prozent gar nicht). Offenkundig wirkt sich hier die geographische Lage der Ein- und Abflugschneise aus.

Die Umfrage offenbart auch, dass Bürger aus Dortmund, Holzwickede und Unna in unterschiedlichem Ausmaß das Fliegen und den Dortmunder Flughafen zu schätzen wissen. 94,7 der in Holzwickede befragten sind selbst schon geflogen, davon 48,0 Prozent auch ab Dortmund. Dortmunder haben mit 84,7 Prozent generell und davon 29,4 Prozent ab Flughafen Dortmund weniger Flugerfahrung. In Unna sind nur 72,3 Prozent der Bevölkerung flugerfahren, davon 23,0 Prozent ab Dortmund.
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Information und Sympathiewerbung mit Lücken

Viele Antworten der Umfrage lassen die Wichtigkeit des Dortmunder Flughafens für die Anbindung in Europa, die wirtschaftliche Entwicklung der Region und die touristische Attraktivität des Flugplatzes deutlich werden. Gleichwohl stößt die Flughafen Dortmund GmbH in ihrer Informationspolitik und Sympathiewerbung auf keine hohe Akzeptanz. Die Zustimmung zur sachlichen Information (Insgesamt: 38,2 Prozent, 38,4 Prozent in Dortmund, 50,7 Prozent in Holzwickede und 33,0 Prozent in Unna) rangiert nur im kleinen Holzwickede vor der Meinung, nicht sachlich über den Flughafen informiert zu werden (Insgesamt: 41,4 Prozent, 40,7 Prozent in Dortmund, 25,3 Prozent in Holzwickede und 50,3 Prozent in Unna).

Auch der Sympathie-Wert des Flughafens in der Öffentlichkeit lässt vor allem in Unna zu wünschen übrig. Das Auftreten des Flughafen wird vor allem in Dortmund, der Kommune, die der Piste den Namen gibt, als sympathisch empfunden (Insgesamt: 44,7 Prozent, 47,3 Prozent in Dortmund, 46,7 Prozent in Holzwickede und 24,7 Prozent in Unna). Negativ äußerten sich hier deutlich weniger Befragte (Insgesamt: 21,6 Prozent, 18,8 Prozent in Dortmund, 22,7 Prozent in Holzwickede und 44,0 Prozent in Unna).

Weitere Details der Umfrage stehen in der Gesamtauswertung zur Verfügung. Die Datei "01-377 - Umfrage Luftverkehr Dortmund.pdf" kann angefordert werden.

Weitere Auskunft:

Prof. Dr. Claus Weihs, Fachbereich Statistik der Universität Dortmund, Ruf 0231-755-4363, E-Mail claus.weihs@t-online,de
Dr. Andreas Christmann, Hochschulrechenzentrum, SBAZ), Ruf 0231-755-2763, E-Mail a.christmann@hrz.uni-dortmund.de
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