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Warum schwere Schiffe schwimmen

21.11.2001 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster


Grundschüler lernen Naturwissenschaft spielend. Warum geht ein großes, schwer beladenes Schiff aus Eisen nicht unter, wohl aber eine Stecknadel? Diese knifflige Frage können schon Grundschulkinder beantworten, wenn sie einen entsprechenden naturwissenschaftlichen Unterricht erhalten haben. Untersuchungen des Seminars für Didaktik des Sachunterrichts der Universität Münster zeigen, dass bei einer angemessenen und kindgemäßen Unterrichtsgestaltung verstehendes und interessiertes Lernen im Vorfeld der Naturwissenschaften auch schon im Grundschulalter möglich und sinnvoll ist.

Erste Ergebnisse des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts "Bildungsqualität von Schule: Fachliches und fächerübergreifendes Lernen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht in Abhängigkeit von schulischen und außerschulischen Kontexten" stellten Prof. Dr. Kornelia Möller und ihre Mitarbeiterinnen Angela Jonen und Eva Blumberg am Mittwoch, 21. November 2001, in Münster vor. Anlass war die erste Lehrerfortbildung zu diesem Forschungsprojekt, an der 12 Lehrerinnen von münsterschen Grundschulen teilnahmen.

In dem Projekt wird die Frage untersucht, wie Unterricht in der Grundschule beschaffen sein sollte, um ein Verständnis für physikalische Zusammenhänge aufzubauen. Dafür wurde in sechs Grundschulklassen des dritten Schuljahres über acht Doppelstunden ein Unterricht zum Thema "Wie kommt es, dass ein schweres Schiff aus Eisen nicht untergeht?" durchgeführt. Die etwa neun Jahre alten Schülerinnen und Schüler erhielten dabei Gelegenheit, selber Ideen zu entwickeln, diese in Versuchen zu überprüfen und auszuwerten. Dabei war die eigene Aktivität der Schüler im Handeln und Denken das wichtigste Unterrichtsprinzip.

Während in drei Klassen der Unterricht in Form einer offenen "Lernwerkstatt", in der die Schüler individuelle Fragen mit Hilfe selbst entwickelter Versuche beantworten konnten, durchgeführt wurde, war der Unterricht in den anderen drei Klassen stärker strukturiert: Die Kinder arbeiteten hier an weitgehend vorgegebenen Lernstationen, wobei die Lehrerin die Aktivitäten
und Denkprozesse der Kinder gezielt unterstützte. Es zeigte sich, dass die Kinder in beiden Unterrichtsformen einen deutlichen Lerngewinn hatten. Allerdings waren die Klassen mit einem stärker strukturierten Unterricht den "Lernwerkstatt-Klassen" überlegen. Vor allem lernschwächere Kinder profitierten von dem strukturierten Unterricht. Die bisherigen Ergebnisse des Projekts zeigen nach Ansicht von Prof. Möller auch, dass Mädchen schon in der Grundschule im Bereich der Naturwissenschaften geringere Vorkenntnisse haben als die Jungen. Bei entsprechenden Unterrichtsangeboten konnten die Mädchen dieses Wissensdefizit aber schnell ausgleichen.

Insgesamt fühlt sich die Wissenschaftlerin in ihrer Auffassung bestätigt "dass schon Kinder im dritten Schuljahr in der Lage sind, komplexe physikalische Fragestellungen sehr eigenständig zu bearbeiten und mit ihren eigenen Worten Erklärungen zu entwickeln, die den physikalischen Begriffen sehr nahe kommen".
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