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Teilnehmer bewerten ersten virtuellen Grünen-Parteitag positiv

22.11.2001 - (idw) Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg

Internet als Barometer für die Stimmung an der Basis

Virtuelle Parteitage können reale Parteiveranstaltungen zwar nicht völlig ersetzen, aber gerade bei kontroversen Grundsatzdebatten wirkungsvoll ergänzen, etwa auch in der aktuellen Diskussion um die Beteiligung der Bundeswehr an Kriegseinsätzen. Das ist das Ergebnis einer Befragung der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg (TA-Akademie) zum ersten virtuellen Parteitag überhaupt in Deutschland, den der baden-württembergische Landesverband Bündnis 90/Die Grünen vom 24. November bis 3. Dezember 2000 veranstaltet hat. ,,Virtuelle Parteitage sind ein gutes Mittel, um die Stimmung an der Basis zu erkunden und um Entscheidungen vorzustrukturieren'', so Gerhard Fuchs, Leiter des Projektes Electronic Government an der TA-Akademie. Sie eigneten sich besonders als niederschwelliges Angebot für Mitglieder, die aufgrund anderer Verpflichtungen (Familie, Beruf) nicht an einem Parteitag teilnehmen könnten, aber dennoch an politischer Aktivität interessiert seien. So verfolgten die Diskussionsforen im Internet deutlich mehr einfache Mitglieder als einen normalen Parteitag, an dem sonst vor allem Delegierte teilnehmen. Insgesamt haben am ersten deutschen Internet-Parteitag überdurchschnittlich viele junge Mitglieder unter 30 Jahren teilgenommen und die Veranstaltung als sehr positiv bewertet. Ältere Mitglieder waren hingegen unterrepräsentiert und bewerteten den Parteitag deutlich negativer. Auch der Bildungsabschluss der Teilnehmer war außergewöhnlich hoch. Fast 90 Prozent hatten Abitur, 67 Prozent einen Hochschulabschluss. Fuchs: ,,Es haben sich vor allem diejenigen Mitglieder beteiligt, die ohnehin viel im Internet surfen.'' Eine weitere aktuelle Studie der TA-Akademie zeigt, dass dies vor allem jüngere Männer mit hohem Bildungsabschluss sind.**
Über 90 Prozent der 303 offiziellen Teilnehmer am virtuellen Grünen-Parteitag bemängelten das Fehlen echter persönlicher Kontakte im Vergleich zu realen Parteitagen. ,,Wenn ich diskutiere, möchte ich mein Gegenüber sehen und spüren,'' so eine der Aussagen auf den Fragebogen der TA-Akademie. ,,Parteitage sind normalerweise Orte der persönlichen und informellen politischen Kommunikation par excellence'', so Fuchs. Der ,,Live''-Charakter der Veranstaltung, etwa eine mitreißende Rede, seien in ihrer Bedeutung für Parteimitglieder nicht zu unterschätzen. Sollten virtuelle Parteitage eine Zukunft haben, müsse deshalb über eine intelligente Verschränkung zwischen virtuellen und realen Veranstaltungen nachgedacht werden. So wurden begleitende Treffen vor Ort sehr positiv bewertet, etwa ein gemeinsames Frühstück im Internet-Café.
Ansprechpartner: Dr. Gerhard Fuchs, Tel: 0711/9063-199
E-Mail: gerhard.fuchs@ta-akademie.de
Bernhard Bubeck, Tel: 0711/9063-194
E-Mail: bernhard.bubeck@ta-akademie.de

*Bernhard Bubeck, Gerhard Fuchs: Auf dem Weg in die digitale Politik: Ergebnisse einer Untersuchung zum Experiment ,,Virtueller Parteitag'', Arbeitsbericht Nr. 198, November 2001, Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg.

**Michael Schenk, Malthe Wolf: Nutzung und Akzeptanz von E-Commerce. Arbeitsbericht Nr. 209, November 2001, TA-Akademie. Bestellbar unter Fax. Nr. 0711/9063-286, oder als Download im Internet unter www.ta-akademie.de
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