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Sterilitätsbehandlung und Hormonersatztherapie

23.11.2001 - (idw) Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Gestern begann in Magdeburg eine Fachtagung zu aktuellen Themen der Gynäkologie und Reproduktionsmedizin. Hormone sind wahre Tausendsassas. Direkt oder indirekt beeinflussen sie alle Körperfunktionen inklusive der Fortpflanzung. In den vergangenen 20 Jahren lernten die Wissenschaftler die hormonellen Regulationen immer besser verstehen und gezielt in sie einzugreifen. Einige neue Ergebnisse der Behandlung der weiblichen Unfruchtbarkeit und der Beschwerden als Folge der Wechseljahre wurden am ersten Veranstaltungstag des 15. Jahrestreffens der Deutschen IVF-Zentren und des 2. Symposiums für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin in Magdeburg vorgestellt (*).

Tagungsleiter Professor Dr. Jürgen Kleinstein, Direktor der Magdeburger Universitätsklinik für Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie konnte zur Tagung, die erstmals in den neuen Bundesländern stattfindet, rund 300 Mediziner aus Belgien, Deutschland, Israel, Österreich, der Schweiz und den USA in der Elbestadt begrüßen.

Zum Auftakt des wissenschaftlichen Programms berichtete Prof. Dr. Paul Devroey vom Centre for Reproductive Medicine der Freien Universität Brüssel ­ einem der führenden Zentren für Reproduktionsmedizin in Europa ­ über Erfahrungen bei der medikamentösen Sterilitätsbehandlung. Eine besondere Rolle spielen dabei das Gonadotropin-Releasing Hormon (GnRH), das von bestimmten Nervenzellen im Gehirn (Hypothalamus) schubförmig gebildet wird. Es veranlasst die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) zur Produktion von zwei Gonadotropin-Hormonen (luteinisierende Hormon LH und das follikelstimulierende Hormon FSG), die ihrerseits die Reifung eines Eibläschens (Follikel) in den Eierstöcken fördern. Für eine künstliche Befruchtung (In-vitro Fertilisation = IVF) wird allerdings mehr als eine reife Eizelle benötigt. Damit für die Reagenzglasbefruchtung mehrere Eizellen zur Verfügung stehen, greifen die Medizinier zu Substanzen, die wie das natürliche Gonadotropin-Releasing Hormon wirken. Sie verhindern die Ausschüttung der körpereigenen Gonadotropine, so dass der Arzt den Zyklus vor einer künstlichen Befruchtung kontrollieren kann. Schließlich geht es darum, den Eisprung zum falschen Zeitpunkt zu verhindern, da das zu schlechter Eizellqualität und dem Scheitern des Zyklus führen könnte. Am besten gelingt die Kontrolle mit genannten GnRH-Antagonisten, stellte Professor Devroey dar. Diese Substanzen sind erst seit kurzem in der klinischen Anwendung. Sie blockieren die Produktion von Gonadotropin-Hormonen innerhalb weniger Stunden statt wie bisher erst nach mehreren Tagen. Für die Frauen bedeutet das neue Therapieschema eine kürzere medikamentöse Behandlungzeit und weniger menopausale Beschwerden durch die Hormontherapie.

Um hormonelle Therapien in den Wechseljahren ging es in einem Vortrag von Professor Dr. Thomas von Holst von der Frauenklinik des Heidelberger Universitätsklinikums. In Übereinstimmung mit den Stellungnahmen der Fachgesellschaften für Gynäkologie und Endokrinologie sprach er über die Vorteile, die eine Hormonersatztherapie (HRT) für Frauen im Klimakterium und in der Postmenopause hat. Etwa zwei Drittel aller Frauen durchlebt die Wechseljahre nicht beschwerdenfrei. 15 bis 20 Prozent bezeichnen die Symptome wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Herzrhythmusstörungen, Stimmungsschwankungen und Schlaflosigkeit als unerträglich. Die hormonellen Umstellungen führen oft auch zu einem Abbau an Knochenmasse (Osteoporose) und Veränderungen im Herz-Kreislauf-System. Deshalb steigt das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko für Frauen jenseits der Menopause deutlich an. All das versuchen Mediziner seit langen durch eine Hormonersatztherapie in den Griff zu bekommen. Prof. von Holst zeigte Studienergebnisse, die für Behandlungen mit Östrogenen und Gestagenen sprechen. Seiner Meinung nach kann von keiner merklich erhöhten Brustkrebsgefahr durch die HRT ausgegangen werden. Die Hormontherapie führt allenfalls zu zwei zusätzlichen Erkrankungen pro tausend Frauen bei fünfjähriger Hormoneinnahme, stellt der Gynäkologe fest. Beim Darmkrebs konnte sogar ein Rückgang der Zahlen unter HRT festgestellt werden. Auch die Folgen für das Herzkreislaufsystem sind ­ mit Ausnahme von Frauen unmittelbar nach einem Infarkt ­ unbedenklich. Gänzlich anders beurteilte Prof. Dr. Eberhard Greiser vom Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin die bisherigen Forschungsergebnisse zu den Vor- und Nachteilen der HRT. Er wies darauf hin, dass die Diskussion um die Hormonersatztherapien von vielen Mythen bestimmt ist. In einer Studie seines Instituts und des Wissenschaftlichen Instituts der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) konstatiert Prof. Greiser ein deutlich höheres Brustkrebsrisiko als es die Fachgesellschaften in Deutschland angeben. Die anschließende Diskussion wurde deshalb auch kontrovers und emotional geführt. Versöhnlich stimmte, dass Professor Greiser eine neue Studie in Deutschland plant, die auch die Gynäkologen und Endokrinologen unterstützen wollen.

(*) Zu der Veranstaltung hatten die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin, der Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren und die Arbeitsgemeinschaft Reproduktionsbiologie des Menschen geladen.

Die zahlreichen Referenten und Moderatoren stehen den Medien auch während der Pausen für Informationen zur Verfügung (Kongress-Telefon 0391/8508 751 oder 8508-0).

Tagungsprogramm unter: http://www.aa-kongress.de/html/ivf.html

Weitere Auskünfte über die Tagung erteilen das Sekretariat der Klinik für Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg unter der Telefon-Nr. 0391/67 17 390.

Autor des Beitrages: Uwe Seidenfaden

(seidenf@t-online.de, Tel. 0391/253 8339)
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