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"Positive Streitkultur" - Entwicklungswerkstatt für Betriebsräte

26.11.2001 - (idw) Institut Arbeit und Technik

"Zwischen den Stühlen" - Wenn Betriebsräte es keiner Seite recht machen können - Entwicklungswerkstatt am Institut Arbeit und Technik schulte Betriebsräte im "produktivem Umgang mit Konflikten"

"Positive Streitkultur" und den "produktiven Umgang mit Konflikten" übten jetzt 25 Betriebs- und Personalräte "spielend" in einer Entwicklungswerkstatt am Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen). Fragestellungen und kritische Situationen aus dem eigenen Arbeitsalltag standen auf dem Programm - von Überlastung und zu viel Kaffee im Betriebsratsbüro über harte Fronten im Streit mit dem Chef bis zu Problemen der betrieblichen Interessenvertreter mit ihren "Interessenten" selbst.

Das IAT organisierte die Entwicklungswerkstatt in Kooperation mit dem Bistum Essen, dem Industrie- und Sozialpfarramt Gelsenkirchen und dem Institut für Kirche und Gesellschaft. Die Veranstaltung machte deutlich, dass sich die Probleme der betrieblichen Interessenvertreter und -vertreterinnen - aus dem Einzelhandel wie vom Maschinenbau, aus universitären Einrichtungen bis zu den Personalräten in den Rathäusern - stark ähneln. Oft fühlen sich Betriebs- und Personalräte "zwischen den Stühlen". In ihrer Position zwischen Arbeitgebern und der Belegschaft haben sie das Gefühl, es keinem recht machen zu können. Sie fragen sich oft: Was will ich eigentlich selbst? Was will ich als Betriebs-/Personalrat erreichen, wofür will ich mich einsetzen, wie verstehe ich meinen Auftrag und was ist meine Rolle?

Im betrieblichen Alltag werden die Betriebs- und Personalräte in vielen Rollen gefordert: Moderatoren, Kümmerer, Puffer, Alleswisser, Rechtsvertreter, Übersetzer, Freund und Kumpel und Co-Manager. Wie bewältigen Betriebs- und Personalräte diese verschiedenen Rollen, können sie ihnen gerecht werden? Welche Konflikte ergeben sich durch einander widersprechende Anforderungen? Diese Thematik stand im Mittelpunkt der Entwicklungswerkstatt. Die TeilnehmerInnen standen mit ihren eigenen Erfahrungen im Vordergrund. Unter der Regie von zwei Prozesstrainern wurden die vielfältigen Konfliktsituationen gesammelt und Beispiele nachgespielt, diskutiert und - wenn möglich - sogar gelöst.

Erstes Thema auf der Bühne die Überlastungssituation: Im Betriebsratsbüro kommt am Vormittag eine Fülle von Anfragen auf den Tisch, alle möglichst sofort zu erledigen: Überprüfung der Arbeitssicherheit, Anfragen zu Lohn und Gehalt, zur Arbeitszeit, Aufgaben aus den Ausschüssen, die Betreuung von einzelnen Beschäftigten in Problemfällen. Die Belegschaft weiß nicht, wieviel Zeit die Bearbeitung der einzelnen Aufgaben in Anspruch nimmt und meint: "Die da oben im Betriebsrat-Büro trinken nur den ganzen Tag Kaffee". Die Betriebsräte befragen ihr Gewissen - im Rollenspiel ein Engel: "Sag mal, August, was hast Du heute eigentlich gemacht. Wolltest Du Dich nicht auf die nächste Sitzung vorbereiten? Wolltest Du nicht längst die Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit auf den Weg gebracht haben? Was hast Du gemacht? Kaffee getrunken??? Und was ist mit Herrn Meier, den vertröstest Du schon seit Wochen!" Nach einem Feed-Back aus dem Publikum wurde die Situation noch einmal gespielt: Die Anfragen an den Betriebsrat werden gleich weiter verteilt. Hier ist der Betriebsrat ein arbeitsfähiges Gremium mit geklärten Verantwortlichkeiten. Die Arbeit hängt nicht nur an einer Person, sondern ist arbeitsteilig organisiert. Im Gremium gibt man sich untereinander einen starken Rückhalt.

Eine zweite Situation: Weil Ämter oder auch Unternehmenseinheiten überregional neu zusammengefasst werden, sollen einige Mitarbeiter "umgesetzt" werden. Aus persönlichen Gründen können einige Mitarbeiter keine langen Anfahrtswege zur Arbeit auf sich nehmen. Die Geschäftsleitung zeigt kein Entgegenkommen. Der Konflikt ist ein Nullsummenspiel: Es gibt nur Verlierer und Gewinner. Durch das Gesprächsverhalten der Teilnehmer - Geschäftsleitung, Personalrat und Mitarbeiter - landete die Kommunikation in der Sackgasse. In der erneut gespielten Situation gingen Personalrat und Mitarbeiter mit verschiedenen Kompromissangeboten in das Gespräch. Es entstand eine Verhandlungssituation, aus der beide Seiten unter Wahrung ihres Gesichtes hervorgingen.

Fazit: die Erfahrung, dass andere in dieser Funktion mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind, stimmte ermutigend. Zudem wurde man sich auch der schönen Seiten der Arbeit bewusst, die schließlich sehr vielschichtig und damit sehr anspruchsvoll, interessant und abwechslungsreich ist. Damit verbunden war die Erkenntnis, dass es oft nicht am eigenen Verhalten liegt, wenn nicht alle Aufgaben erfolgreich bewältigt werden können, was häufig zu Unzufriedenheit und Unsicherheit führt. Die Funktion als Betriebs- und Personalrat bringt es mit sich, oft zwischen den Stühlen zu stehen. Es kommt darauf an, sich der unterschiedlichen Rollen bewusst zu werden und bewusst mit ihnen umzugehen. Das gleiche gilt für Konflikte. Den Charakter eines Konfliktes gilt es zu erkennen und sein Handeln daran strategisch auszurichten.

Für weitere Fragen steht

Ihnen zur Verfügung:
Dorothea Voss-Dahm
Durchwahl: 0209/1707-284

Pressereferentin
Claudia Braczko

Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen

Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iatge.de
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