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Religion auf neuen Wegen

28.11.2001 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Sabine ist 18. Sie glaubt nicht an Gott, aber an eine "Höhere Macht", die sie beschützt und leitet. Die Kirche als Institution lehnt sie ab. Dafür schätzt sie das Kirchengebäude als einen Raum, in dem sie ruhig werden und zu sich selber finden kann. Trotz aller Skepsis gegenüber der Kirche will sie ihre Kinder später taufen lassen.

Sabine ist kein Einzelfall. Die Würzburger Religionspädagogen Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Ziebertz, Dr. Stefan Heil und Diplom-Theologe Andreas Prokopf haben in empirischen Studien herausgefunden, dass sich die meisten jungen Menschen nicht mehr ausschließlich an einer Religion und ihren Bräuchen ausrichten, sondern Elemente aus religiösen Traditionen herausnehmen und sie neu zusammensetzen.

Mit diesem Phänomen und mit seinen Folgen für den Religionsunterricht befasst sich von Mittwoch bis Freitag, 5. bis 7. Dezember, eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte internationale Tagung am Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts der Universität Würzburg. Teilnehmen werden 20 Experten aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen.

Hauptthema sind neue Formen individueller Religiosität in der heutigen Gesellschaft, die jedoch nicht unabhängig von religiösen Traditionen zu sehen sind: Jugendliche verwenden in Mitteleuropa kirchlich vermittelte Traditionen, aber auf ihre eigene Art und Weise. Der oft gebrauchte Gegensatz "Jugendliche hier - Kirche dort" stimme also nicht, so die Würzburger Forscher. Das Thema Religion habe sich für Jugendliche keineswegs erledigt; es sei weder ein Abbruch noch eine völlig neue Religiosität zu erkennen. Vielmehr zeige sich eine Veränderung von Religion.

Die Expertentagung will hier aber nicht bei der Analyse stehenbleiben, sondern fragen, wie der Religionsunterricht mit solchen neuen religiösen Formen umgehen kann. Dabei ist einerseits zu beachten, dass Religion ein Lernthema ist: Laut Lehrplan sind Geschichten, Gebräuche, Riten, Glaubenssätze und andere Inhalte des Christentums zu vermitteln. Andererseits ist Religion gerade bei Jugendlichen etwas sehr Persönliches und Individuelles. Daher stehen Religionslehrer vor der Aufgabe, religiöse Ausdrucksformen wahrzunehmen und daran religiöse Inhalte anzuknüpfen.

Die Würzburger Wissenschaftler schlagen vor, besonders auf die Sprache der Schüler zu achten, da sich in der individuellen Religiosität Spuren der zu lehrenden christlichen Tradition finden lassen, an die angeschlossen werden kann. Ohne diese "Erdung" bleibe die zu lernende Religion letztlich ein Fremdkörper. Neue religiöse Ausdrucksformen und alte religiöse Tradition seien keine Gegensätze, sondern zueinander gehörende Bestandteile des Religionsunterrichtes.

Bei der Tagung, die im St. Burkardus-Haus am Bruderhof 1 stattfindet, sollen auch Strategien zur Lösung der genannten Probleme entwickelt werden. Die Teilnehmer wollen die Bedeutung von Religion und Religionsunterricht in der heutigen Gesellschaft neu bestimmen.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Ziebertz, T (0931) 888-4839, Fax (0931) 888-4840, E-Mail und Internet:
hg.ziebertz@mail.uni-wuerzburg.de
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