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Augsburger Juristische Fakultät wird 30 und Professor Peter Lerche ihr Ehrendoktor

29.11.2001 - (idw) Universität Augsburg

Jubiläumsfeier mit umfangreichem und vielfältigem Programm am 30. November -


Mit der geringfügigen Verspätung von acht Wochen feiert die am 8. Oktober 1971 errichtete Juristische Fakultät der Universität Augsburg morgen, am 30. November 2001, ihr 30-jähriges Gründungsjubiläum. Das Programm beginnt bereits um 14.15 Uhr mit der Eröffnung der Ausstellung "Schwäbische Juristen" und mit Vorträgen und Präsentationen, bei denen die Institute und Lehrstühle der Fakultät ihre Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte vorstellen. Zu den Höhepunkten des Tages zählen die Auszeichnung von Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Lerche mit der Ehrendoktorwürde der Augsburger Fakultät und Lerches Festvortrag über "Rechtswissenschaft und Verfassungsgerichtsbarkeit" bei der um 16.00 im Jura-Hörsaal 1001 beginnenden Festveranstaltung.

WERTVOLLE AUFBAUARBEIT FÜR DIE UNIVERSITÄT UND IHRE JURISTISCHE FAKULTÄT GELEISTET

Die Augsburger Ehrendoktorwürde erhält der - seit 1995 emeritierte - Münchner Ordinarius für Öffentliches Recht "in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste als Wissenschaftler und Kommentator, als akademischer Lehrer und als Gestalter in Politik und vor Gericht, der in mehr als vier Jahrzehnten das öffentliche Recht in seiner ganzen Breite bis zu den Grundfragen der Disziplin geprägt hat". Dass er diese Würdigung im Kontext des Gründungsjubiläums dieser Fakultät erfährt, hat freilich seinen besonderen Grund: Lerche war Vorsitzender des Gründungsausschusses der Augsburger Rechtswissenschaftlichen Fakultät, der die ersten zehn Berufungslisten erstellt hat, und darüber hinaus leitete er den Strukturbeirat der Universität Augsburg, der sich am 8. November 1971 konstituierte und knappe drei Jahre später, am 23. Oktober 1974, seine Arbeit mit der Vorlage seiner Empfehlungen beendete. Nicht nur für deren Juristische Fakultät, sondern für die gesamte Universität Augsburg hat Lerche in der Gründungsphase der frühen 70er Jahre in zentralen Funktionen wichtige Aufbauarbeit geleistet.

30 JAHRE ORDINARIUS AN DER LMU

1928 in Leitmeritz/Böhmen geboren, hat Lerche an der Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert und dort das 1. Juristische Staatsexamen abgelegt. 1951 promovierte er in München und erhielt für seine Dissertation zum Thema "Ordentlicher Rechtsweg und Verwaltungsrechtsweg. Der Einfluß der verwaltungsgerichtlichen Generalklauseln der amerikanischen und der britischen Zone auf die Frage der Zulässigkeit und der Unzulässigkeit des 'ordentlichen' Rechtswegs" den Preis der Münchener Juristischen Fakultät. Nach dem 2. Juristischen Staatsexamen folgte 1958 ebenfalls in München bei Theodor Maunz die Habilitation mit der Schrift "Übermaß und Verfassungsrecht. Zur Bindung des Gesetzgebers an die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Erforderlichkeit". Diese Studie - durch eine 30-seitige Einleitung aus Lerches eigener Feder in den heutigen Stand der Diskussion eingebracht - ist erst jüngst als Nachdruck wieder erschienen. Ab 1960 war Professor Lerche Ordinarius für Öffentliches Recht an der FU Berlin. Rufe nach Wien, Hamburg und Bochum, die ihn dort erreichten, lehnte er ab, um dann 1965 dem Ruf auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht an der Universität München zu folgen, auf dem er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1995 wirkte.

HERAUSRAGEND IN DER WISSENSCHAFTLICHEN SELBSTVERWALTUNG

Lerche hat an herausragender Stelle in der wissenschaftlichen und organisatorischen Selbstverwaltung, im engeren Kreise des Öffentlichen Rechts, aber auch in der Wissenschaft und Forschung in Deutschland allgemein gewirkt: u. a. war er Vorsitzender der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer (1981 bis 1983), Mitglied des Wissenschaftsrats (1981 bis 1984) und Mitglied im Gründungsausschuss der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Selbst wurde Lerche - auch dies eine ganz besondere Würdigung seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistung - 1974 als ordentliches Mitglied in die Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Zudem wurde ihm 1989 der Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst verliehen

NACHHALTIGES WIRKEN IN POLITIK UND GESELLSCHAFT

Das Wirken von Professor Lerche blieb jedoch nicht auf den akademischen, universitären Bereich beschränkt; es erstreckte sich in vielfältiger Weise auch auf Politik und Gesellschaft: Vor allem in den Bereichen Hochschule und Bildung sowie Rundfunk, Presse und Medien engagierte er sich in verschiedenen Kommissionen auf Bundes- und Landesebene. Insbesondere in Bayern hat er die Medienlandschaft in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht geprägt: als stellvertretender Vorsitzender des Kabelpilotprojekts, sowie durch seine Mitgliedschaft im Medienrat und später im Verwaltungsrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Von besonderem Gewicht ist seine Mitgliedschaft in der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK).

DAS ÖFFENTLICHE RECHT IN DEUTSCHLAND GEPRÄGT

Lerche hat das öffentliche Recht in Deutschland vor allem auch durch zahlreiche Prozessvertretungen im gewichtigen Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht und anderen hohen und höchsten Gerichten geprägt. Es handelte sich dabei um medienrechtliche Verfahren sowie um Verfahren zum Wahlrecht, zum § 218 StGB, zum Staatshaftungsgesetz, zum Finanzausgleich und zur Parteienfinanzierung; an der Nahtstelle zwischen deutschem Verfassungsrecht und internationalem Recht war Lerche an den Verfahren um die Nachrüstung und den Vertrag von Maastricht beteiligt.

HISTORISCHER RÜCKBLICK UND ALUMNI-VEREINIGUNG ZUM JUBILÄUM

"Rechtswissenschaft und Verfassungsgerichtsbarkeit" lautet das Thema des Festvortrags, den Professor Lerche als neuer Ehrendoktor der Augsburger Juristischen Fakultät zum Jubiläumsfestakt am morgigen Freitag beisteuern wird. Der Ehrenpromotion vorausgehen wird ein Vortrag von Prof. Dr. Herbert Buchner, eines Augsburger Rechtswissenschaftlers der ersten Stunde, "Zur Geschichte und Entwicklung der Juristischen Fakultät", und mit Dr. Hanspeter Hirmer wird auch ein Absolvent des ersten Augsburger Juristenjahrganges zu Wort kommen, bevor die Jubiläumsveranstaltung ab 18 Uhr mit einem Empfang und Fest im Foyer des Fakultätsgebäudes in den Abend hinein ausklingt.

Zum Fest werden auch zahlreiche Angehörige der 25 Absolventenjahrgänge der Fakultät erwartet. Es war der Fakultät ein großes Anliegen, bis zum Jubiläum eine fakultätseigene Alumni-Vereinigung ins Leben zu rufen, und in der Tat: am 12. November 2001 wurde die " Alumni-Vereinigung der Juristischen Fakultät der Universität Augsburg e.V." ins Vereinsregister eingetragen. Sie will die Verbindung zwischen den ehemaligen Mitgliedern der Fakultät erhalten oder wiederherstellen und Netzwerk zwischen allen werden, die in den vergangenen 30 Jahren an der Fakultät studierten und wirkten und in Zukunft hier studieren und wirken werden. Dieses Netzwerk soll über jährliche Alumni-Tage in Augsburg sowie über juristische Vortragsreihen, Kontaktseminare, einen Newsletter und Mailinglisten etc. geknüpft werden. Als allgemeine Ziele hat der Verein sich u. a. die Förderung des juristischen Nachwuchses und der Arbeit der Fakultät vorgenommen. Insbesondere soll auch der wechselseitige Transfer zwischen Theorie und Praxis, Wissenschaft und Studium auf der einen und der Realität des juristischen Berufslebens auf der anderen Seite gefördert werden. Mitglieder des Vorstandes sind Prof. Dr. Wilhelm Dütz als Vorsitzender, Rechtsanwalt Dr. Rudolf Wittmann als stellvertretender Vorsitzenden und Rechtsanwalt Dr. Oliver Zugmaier als Schatzmeister.

Weitere Informationen zur Alumni-Vereinigung der Juristischen Fakultät sowie Beitrittsformulare werden auf der Homepage http://www.alumni-augsburg.de bereitgehalten.
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PROGRAMM DER JUBILÄUMSFEIER AM 30. NOVEMBER 2001

14.15 Uhr (Foyer)
Eröffnung der Jubiläumsfeier durch den Dekan, Prof. Dr. Christoph Vedder

ab 14.15 Uhr (Foyer)
Die Lehrstühle und Institute stellen ihre Arbeit und Forschungsergebnisse vor

14.30 Uhr (Hörsäle)
Parallele Vortragsveranstaltungen zu den Themen "Hexenprozesse" (Prof. Dr. Christoph Becker), "Instrumente des Umweltrechts" (Profs. Drs. Ulrich Gassner, Johannes Masing, Reiner Schmidt und Thomas M. Möllers) und "Die Europäisierung des Rechts" (Profs. Drs. Volker Behr, Herbert Buchner, Thomas M. Möllers, Thomas Raab sowie Christian Schmitt)

15.30 Uhr (Teilbibliothek Recht)
Eröffnung der Ausstellung "Schwäbische Juristen"

16.00 Uhr
Festveranstaltung (HS 1001)
o Juridisch-ökonomisches Ensemble
o Begrüßung durch den Dekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Christoph Vedder
o Grußwort des Rektors der Universität Augsburg, Prof. Dr. Wilfried Bottke
o Juridisch-ökonomisches Ensemble
o Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Augsburg, Dr. Peter Menacher
o "Zur Geschichte und Entwicklung der Juristischen Fakultät" - Vortrag von Prof. Dr. Herbert Buchner
o Grußwort eines Absolventen des 1. Jahrgangs, Dr. Hanspeter Hirmer

o Juridisch-ökonomisches Ensemble
o Verleihung der Ehrendoktorwürde an Prof. Dr. Peter Lerche
o Juridisch-ökonomisches Ensemble
o Rechtswissenschaft und Verfassungsgerichtsbarkeit - Festvortrag von Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Lerche
o Juridisch-ökonomisches Ensemble

ab 18.00 Uhr
Empfang und Fakultätsfest im Foyer der Juristischen Fakultät mit Musik vom Holzbläserquintett des collegium musicum und von Just Friends
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KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:

Fachbereichsverwaltung der Juristischen Fakultät, Universität Augsburg, 86135 Augsburg,
Telefon 0821/598-4500, Telefax -4503, e-mail: dekan@jura.uni-augsburg.de
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