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Chirurgen verursachen Schmerzen

30.11.2001 - (idw) Universität zu Köln

175/2001/akut.doc
Chirurgen verursachen Schmerzen - und fühlen sich zunehmend verantwortlich
Über 500 Teilnehmer bei Symposium zum Akutschmerz in Köln

Die moderne Chirurgie hat die Behandlung von Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen lange vernachlässigt. Dies beginnt sich - wenn auch zögernd - zu verändern. Chirurgen fühlen sich zunehmend für die von ih-nen verursachten Schmerzen verantwortlich. Das Symposium "Aku-ter Schmerz im chirurgischen Alltag", das heute in Köln eröff-net wurde, spiegelt diesen Wandel wider. Mehr als 500 Ärzte und Pflegekräfte - vor allem aus der Chirurgie und anderen operativen Fächern - diskutieren zwei Tage lang über Konzepte und Standards einer modernen Akutschmerztherapie. "Ich bin froh, dass wir so viele Kollegen für das Thema gewinnen konn-ten und hoffe auf eine verstärkte "bottom-up"-Bewegung: Je mehr Ärzte und Schwestern das Problem Akutschmerz in ihren Kliniken thematisieren, desto eher besteht eine Chance, dass sich die Situation in den Häusern in absehbarer Zeit verbes-sert", hofft Professor Dr. Edmund Neugebauer vom II. Chirurgi-schen Lehrstuhl der Universität zu Köln, der das Symposium als wissenschaftlicher Leiter bereits zum zweiten Mal organisiert.

Die Angst vor Schmerzen nach Operationen ist groß und scheinbar nicht ganz unbegründet: In Umfragen berichten bis zu drei Viertel aller chirurgisch betreuten Patien-ten über unzumutbar starke Schmerzen während ihres sta-tionären Aufenthaltes. Ein Jahr nach einem chirurgi-schen Eingriff klagt immer noch jeder Vierte über Schmerzen. Und bei ca. 5-10 Prozent der Patienten chro-nifizieren die postoperativen Schmerzen und werden zum oftmals lebenslangen Begleiter. Das Thema Schmerzlinde-rung hat folglich für die Patienten einen hohen Stel-lenwert und rangiert in ihrer Bewertung der Kranken-hausleistungen weit vorne. Hier sieht Neugebauer eine Chance für das Stiefkind Akutschmerztherapie: Zunehmend aufgeklärte Patienten, die um ihr Recht auf eine suffi-ziente Schmerztherapie wissen, werden sich für geplante Operationen künftig vornehmlich in solche Krankenhäuser begeben, die für effektive Schmerzausschaltung bekannt sind. Die wachsende wirtschaftliche Konkurrenz zwischen den Kliniken wird dann dafür sorgen, dass dem Thema die gebührende Aufmerksamkeit zuteil wird. Konsequent bie-tet das Symposium in Zusammenarbeit mit der Deutschen Schmerzliga auch ein Patientenseminar an, bei dem er-fahrene Schmerztherapeuten den Betroffenen und Interes-sierten Rede und Antwort stehen. (Patientenforum "Schmerz nach Verletzungen und Operationen", Sa. 01. Dezember, 15:30-17:30, Maternushaus, Köln)

Die Ursachen für die Defizite in der Akutschmerzthera-pie sind vielfältig. Organisatorische Aspekte spielen eine große Rolle. "Die Behandlung postoperativer Schmerzen ist ein interdisziplinäres Feld und kann nur gelingen, wenn alle beteiligten Fach- und Berufsgruppen bereit sind, miteinander zu kommunizieren und zu koope-rieren", so die einhellige Meinung der Experten. Ein anderes Problem ist ein häufig unzureichendes Wissen über schmerztherapeutische Maßnahmen, das in der Aus-bildung von Ärzten und Pflegepersonal kaum eine Rolle spielt. So verweigern beispielsweise Ärzte ihren Pati-enten die notwendige Behandlung mit Opiaten - aus Angst vor Nebenwirkungen und Abhängigkeit. Oder die Medika-mente werden zwar verabreicht, aber zu selten oder in zu niedriger Dosierung gegeben.

Dabei ist eine gute Schmerztherapie nicht nur ein Kom-fortkriterium, sondern wirkt sich deutlich positiv auf Heilungschancen, Behandlungsdauer und Rehabilitation der Patienten aus. Außerdem kann sie die Chronifizie-rung von Schmerzen verhindern. Schmerztherapie hat also auch eine volkswirtschaftliche Dimension. Patienten und Ärzte halten die Linderung von Schmerzen für sehr wich-tig: Internationale Umfragen der letzten zehn Jahre be-legen, dass das Thema für mehr als 90 Prozent beider Gruppen eine hohe Priorität hat.

Das aktuelle Symposium bietet den Fachleuten eine Mi-schung aus Wissenschaft und Praxis: neueste Erkenntnis-se aus der Schmerzforschung und konkrete Strategien zur Durchführung der Akutschmerztherapie. Schwerpunktthemen sind die Chronifizierung akuter Schmerzen, der Einsatz von Opiaten in der Viszeralchirurgie (Eingeweidechirur-gie), die Organisation der Akutschmerztherapie im All-tag sowie das Überleitungsmanagement, denn für viele Patienten fängt das Leiden erst an, wenn sie aus der Akutklinik entlassen werden.

Das Symposium findet im Auftrag und in Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachgesellschaften aus den Bereichen Chirurgie und Schmerz statt, und es schließt sich mit einer gemeinsamen Sitzung zum Thema "Schmerztherapie in der Intensivmedizin" direkt an die 20. Jahrestagung der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Intensiv- und Notfallmedizin an, die am gleichen Ort stattgefunden hat und heute zu Ende geht.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für weitere Informationen steht Ihnen Professor Dr. Edmund Neugebauer unter der Telefonnummer 0221-98 957-0, der Faxnum-mer 0221-989 57-30 und er Email-Adresse sekretariat-neugebauer@uni-koeln.de zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).

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