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Musik im KZ: Terrorinstrument und Überlebenshilfe

05.12.2001 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

"Wir spüren alle, daß diese Musik infernalisch ist" - dieses Resümee zog Primo Levi angesichts der Tatsache, dass der Ein- und Ausmarsch endloser Häftlingskolonnen im Konzentrationslager Auschwitz regelmäßig von den Klängen einer Häftlingskapelle untermalt wurde. Musik bildete in allen KZ des Nazi-Regimes einen festen Bestandteil des Lagerlebens: Wenn das Wachpersonal den Häftlingen befahl, beim Marschieren, Exerzieren oder bei Strafaktionen Lieder zu singen, dann geschah dies, um die Gefangenen zu verspotten, zu demütigen und zu disziplinieren. Auf Weisung der Lagerleitung entstanden sogar Häftlingskapellen, von denen die meisten im Lagerkomplex von Auschwitz existierten, darunter ein Sinfonieorchester mit 80 und ein Blasorchester mit 120 Musikern.

Aber auch die Häftlinge bedienten sich der Musik: Sie half ihnen, die lebensbedrohliche Situation im Lager emotional zu verarbeiten und war Mittel geistigen Widerstands: Das galt für Musikaufführungen bei konspirativen Gedenkfeiern, erlaubten Gottesdiensten oder Konzerten, bei denen sogar SS-Männer zu den Zuhörern zählten, besonders jedoch für die von den KZ-Insassen selbst geschaffenen Lieder, z. B. das weltbekannte "Moorsoldatenlied" aus dem KZ Börgermoor.

Dass in den Konzentrationslagern musiziert wurde, sei im allgemeinen wenig bekannt, wie der Volkskundler Dr. Guido Fackler von der Universität Würzburg in seinem Buch "Des Lagers Stimme - Musik im KZ" aufzeigt. Das liege unter anderem daran, dass sich im öffentlichen Bewusstsein ein eindimensionales und undifferenziertes Bild von den Zuständen in den Lagern festgesetzt habe. Anhand von Einzelfällen, auf der Basis von Erinnerungsberichten, Gesprächen mit Zeitzeugen und Archivrecherchen befasst sich Facklers Studie erstmals systematisch mit den Formen und Bedeutungen von Musik im KZ-System.

Guido Fackler: "Des Lagers Stimme - Musik im KZ", Band 11 der Schriftenreihe des Dokumentations- und Informationszentrums Emslandlager, Edition Temmen, Bremen 2000, 628 Seiten, Bildteil, 48 Mark, ISBN 3-86108-759-6

Hinweis für Journalisten und Redaktionen: In der Pressestelle der Universität Würzburg liegen leider keine Rezensionsexemplare vor. Bitte wenden Sie sich direkt an den Verlag.
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