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Kunstwerke bei rechtem Licht betrachtet

07.12.2001 - (idw) Fraunhofer-Gesellschaft

Museumsbesucher wollen Kunstschätze bei gutem Licht besichtigen. Doch mit der Zeit können empfindliche Objekte ausbleichen. Fraunhofer-Forscher haben Lichtdosimeter entwickelt, mit deren Hilfe sich die Frage beantworten lässt: Wie hell vertragen es die Ausstellungsstücke?

Ein besonderer Anreiz, die Großstädte Europas zu besuchen, sind deren Kunstsammlungen und Ausstellungen. Dort wollen Museumsbesucher das Kulturerbe hell, deutlich und im Original betrachten. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Antike Buchmalereien, Aquarelle und Gemälde können je nach der Stärke von Tages- oder Kunstlicht ausbleichen und selbst Papier, Pergament und Textilien leiden mit der Zeit. Sind die Kunstwerke nach etlichen Jahren verblasst, können sie erst nach aufwendigen und teuren Restaurierungsarbeiten wieder im alten Glanz erstrahlen.

Eine einfache Methode, mit der die bleichende Wirkung des Lichts ermittelt werden kann, hat die Arbeitsgruppe Kulturgüterschutz am Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC entwickelt. "Dank unserer Lichtdosimeter können Verantwortliche in Museen schon frühzeitig erkennen, wann es besser wäre, ein Kunstwerk an einem schwächer beleuchteten Ort auszustellen oder gar im Keller zu verwahren", sagt Dr. Hannelore Römich, Leiterin des mit 1,5 Millionen Mark geförderten EU-Projekts LiDo. "Auch einfache Maßnahmen sind denkbar: So können beispielsweise die Fenster mit speziellen Kunststofffolien beklebt werden, um die besonders schädliche UV-Strahlung zu reduzieren." Umgekehrt zeigt sich, dass manches Stück mehr Licht verträgt. Dann erhält es einen helleren und prominenteren Ausstellungsplatz, denn das Risiko kann nun eingeschätzt werden.

Die Lichtdosimeter ähneln Pflastern, die in die Nähe der Ausstellungsstücke geklebt werden. Die in ihnen enthaltenen speziellen Farbstoffe sind lichtempfindlich und bleichen schneller aus als die für Kunstwerke verwendeten Farben. In bestimmten Zeitabständen werden die Dosimeter eingesammelt und visuell oder messtechnisch beurteilt, wie stark sie verblichen sind. Gegenüber anderen Messmethoden haben die Dosimeter den Vorteil, dass sie das Licht über einen längeren Zeitraum einsammeln. So berücksichtigen sie veränderliche Situationen, wie sie durch Sonnenstand, Jahreszeit, Vorhänge oder Lampenwechsel auftreten.

Am Projekt LiDo sind neben der Außenstelle des ISC in Bronnbach bei Wertheim zwei weitere Forschungsinstitute beteiligt. Dazu gesellen sich drei Museen: Das Victoria & Albert Museum in London, die Uffizien in Florenz und das Prager Nationalmuseum. Nach der praktischen Erprobung sollen ein deutsches und ein britisches Unternehmen die zukünftige Vermarktung des Produkts sicherstellen.

Ansprechpartnerin:
Dr. Hannelore Römich
Telefon: 09 31/41 00-7 03, Fax: 09 31/41 00-7 99, roemich@isc.fraunhofer.de
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