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Harro Kiendl wandert noch einmal über Spielwiesen der Regelungstechnik

10.12.2001 - (idw) Universität Dortmund

Als Professor für Elektrische Steuerung und Regelung war er schon wenige Monate nach der Eröffnung der damaligen Abteilung Elektrotechnik der Universität Dortmund dabei. Prof. Dr. rer. nat. Harro Kiendl wurde im Juli dieses Jahres mit dem Erreichen seines 65. Lebensjahres emeritiert. Jetzt verabschiedete er sich von seinen Kollegen und Studierenden mit einer Vorlesung über "Spielwiesen der Regelungstechnik" von seinen Pflichten an der Universität Dortmund.

Geboren in Hamburg, studierte er dort bis 1962 Physik und Mathematik und promovierte 1966 im Bereich der Festkörperphysik. Im Anschluss baute er das Sonderreferat "Kybernetische Pädagogik" am Pädagogischen Zentrum Berlin auf. Ab 1967 wandte er sich an der TU Berlin und der Ruhr-Universität Bochum der Regelungstechnik zu, habilitierte dort 1971 und wurde 1973 als Professor auf den Lehrstuhl für Elektrische Steuerung und Regelung in der heutigen Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der Universität Dortmund berufen.

Dieser Fakultät blieb er auch treu, als er 1991 einen Ruf an die Technische Universität Hamburg-Harburg erhielt.

Forschungsschwerpunkt Fuzzy Control

Seine wissenschaftlichen Themen konzentrierten sich zunächst auf die klassische mathematisch orientierte Regelungstechnik. Ihre Einsatzdomänen liegen dort, wo der zu regelnde Prozess - beispielsweise eine Mischwasseranlage, ein Erdgasverdichter oder ein Kraftwerkspark - mathematisch gut beschrieben werden kann. In den letzten 15 Jahren verlagerte er die Forschungsschwerpunkte jedoch zunehmend in den Bereich der Computational Intelligence, speziell Fuzzy Control. Die Methoden dieser in stürmischer Entwicklung begriffenen neuen Technologie ermöglichen die Regelung und Überwachung hoch komplexer, daher mathematisch schlecht zu beschreibender Prozesse.

Spitzenreiter bei der Patent-Entwicklung

Auch das Verhalten menschlicher Prozessbediener kann auf diese Weise nachgebildet und für die automatische Prozessführung nutzbar gemacht werden. Für diese neuen Forschungsthemen hat er sich insbesondere als Gründungsmitglied der Fuzzy-Initiative NRW, durch Mitbegründung und neunjährige Leitung des GMA-Fachausschusses Fuzzy Control und seine Arbeit im DFG-Sonderforschungsbereich 531 Design und Management komplexer technischer Prozesse und Systeme mit Methoden der Computational Intelligence engagiert.

Die Praxisrelevanz der von ihm und seinen Mitarbeitern entwickelten Methoden wird durch zahlreiche erfolgreiche Industriekooperationen sowie dadurch belegt, dass sein Lehrstuhl hinsichtlich der Anzahl der erteilten Patente der Spitzenreiter seiner Fakultät ist.

Beethovens Elise in Fuzzy-Fassung

In seiner Abschiedsvorlesung stellte er heraus, dass er ein besonders reizvolles Potential von Fuzzy Control in nichttechnischen Anwendungen sieht. So stellte er ein Fuzzy-System vor, das, ausgehend von einem Foto, eine Zeichnung anfertigt, deren "ästhetische Handschrift" durch wählbare Parameter beeinflussbar ist (mögliche Anwendungen außerhalb der Ästhetik liegen in der Bildanalyse, beispielsweise zur Tumorerkennung). Ferner präsentierte er ein Fuzzy-System, das ein in Notenform vorliegendes Musikstück - hier Beethovens "Für Elise" - in einer Form abspielt, wie es Klavierschüler tun, die keine technische Schwierigkeit mehr und die Anfangsgründe einer musikalischen Interpretation verinnerlicht haben.

Im laufenden Semester hält Herr Kiendl noch seine Vorlesungen, da das Verfahren zur Wiederbesetzung seines Lehrstuhls bisher noch nicht erfolgreich abgeschlossen ist. Ferner führt er seine Arbeiten im Sonderforschungsbereich bis zum Auslauf der 2. Förderperiode (Ende 2002) weiter. Für die Zeit danach möchte er vor allem die in den "Spielwiesen der Regelungstechnik" aufgezeigten Themen weiter verfolgen.

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