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Institut für Hochschulforschung Wittenberg: Starker Anstieg der Studierwilligkeit in Sachsen-Anhalt

17.12.2001 - (idw) HoF Wittenberg - Institut für Hochschulforschung

Im Oktober/November 2001 hat das Institut für Hochschulforschung Wittenberg (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine Befragung zu den Bildungs- und Studienabsichten künftiger Abiturienten an 25 Gymnasien Sachsen-Anhalts durchgeführt. Dabei handelt es sich um die fünfte Erhebung seit 1991. Befragt wurden insgesamt rd. 1500 Gymnasiasten. Eine erste vorläufige Auswertung zeigt folgende Entwicklungen:

1. Nachdem die Studierwilligkeit der Abiturienten in Sachsen-Anhalt, ähnlich wie in den anderen neuen Bundesländern, in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre bis auf 60 Prozent gesunken war, zeigt sich derzeit ein stark gestiegenes Interesse an einem Hochschulstudium. 78 Prozent der Schüler/-innen der Klassenstufe 13 (Abiturjahrgang 2002) beabsichtigen die Studienaufnahme. In der Befragung 1998 (Abiturjahrgang 1999) betrug dieser Anteil 64 Prozent (und erwies sich von hoher prognostischer Sicherheit).

2. Rückläufig ist jedoch das Interesse für das Studium an Hochschulen der neuen Bundesländer. Das geht einher mit einer wieder gestiegenen Attraktivität eines Studiums in den alten Bundesländern. Dahinter steht primär die Hoffnung, nach Studienabschluss schneller auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, verbunden mit den Hoffnungen auf günstigere finanzielle Rahmenbedingungen (Vergütungen, auch beim Jobben während des Studiums).

3. Andererseits sind die Befragten häufiger als in den Vorjahren der Meinung, dass das Studium in den neuen Bundesländern ein höheres Niveau sichert. Als Vorzug wird aber auch eine teilweise bessere Ausstattung der Hochschulen gesehen.

4. Die Wahl des Studienortes wird insgesamt in zunehmendem Maße vom Ruf der Hochschule und den Möglichkeiten zum Jobben bestimmt. Unverändert stark spielen dabei aber auch preiswerte Wohnmöglichkeiten eine wesentliche Rolle.

5. Es bestehen Anzeichen dafür, dass sich die Unterschiede in der Studierwilligkeit zwischen den Geschlechtern verringern. Zwar ist die Studierwilligkeit der Jungen noch immer höher als die der Mädchen, die jedoch stärker gestiegen ist. Dennoch machen Frauen bereits heute mehr als die Hälfte der Studienanfänger der neuen Bundesländer aus, da sie fast 60 Prozent der Abiturienten/-innen stellen.

6. Deutlich ist die Tendenz, ein Studium wieder häufiger unmittelbar nach Erwerb der Studienberechtigung bzw. Ableisten des Wehr-/Wehrersatzdienstes zu beginnen und längere Zwischenphasen (Lehre, Jobben) zu vermeiden.

7. Die Erststudienwünsche der künftigen Abiturienten haben sich gegenüber 1998 verschoben. Deutlich höher ist das Interesse für die Fächergruppe Mathematik/Naturwissenschaften, darunter vor allem für Informatik und Biologie. Verdoppelt hat sich auch die Nachfrage für Publizistik und Medien. Mit nur 7 % weiter rückläufig ist dagegen das Interesse an den Ingenieurwissenschaften, 1998 betrug es noch 14 Prozent. Offenbar sind die ausgezeichneten Entwicklungschancen in den Ingenieurberufen weit weniger bekannt als die in den IT-Berufen, dort u.a. hervorgerufen durch die öffentliche greencard-Debatte.

8. Reichlich 1/5 der künftigen Abiturienten plant derzeit kein Studium. Hauptgründe dafür sind das Bestreben, schnell wirtschaftlich selbständig und schnell praktisch tätig zu sein. Finanzielle Überlegungen spielen bei der Entscheidung für oder gegen ein Studium insgesamt eine wichtige Rolle. Abiturienten aus Facharbeiterfamilien verzichten auch bei besten schulischen Leistungen häufiger auf ein Studium als jene aus Familien mit hoher Bildung und Qualifikation.

9. Trotz der nach wie vor überdurchschnittlichen Herkunft der Abiturienten aus Familien mit hoher Bildung und Qualifikation (PISA bestätigte das), werden die Gymnasien in Sachsen-Anhalt in wachsendem Maße von Kindern aus Facharbeiterhaushalten besucht. Offenbar wird der Wert von Bildung für die Zukunftssicherung auch hier zunehmend wahrgenommen.

10. Nach wie vor ist die Studierwilligkeit in hochschulfernen Regionen geringer als in hochschulnahen Regionen, allerdings sind die Unterschiede weniger ausgeprägt als noch vor drei Jahren.

11. Reichlich die Hälfte der studierwilligen Gymnasiasten will eine Universität besuchen, ca. ein Viertel eine Fachhochschule - ähnlich wie in den Vorjahren. Fast verdreifacht hat sich dagegen das Interesse an den Berufsakademien, obwohl im Land keine entsprechenden Einrichtungen bestehen.


Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Dr. Irene Lischka, HoF Wittenberg - Institut für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Collegienstr. 62, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Tel.: 03491/466-145, E-Mail: lischka@hof.uni-halle.de.
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