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"Zwischen SMS und Download" - Familie und neue Medien

17.12.2001 - (idw) Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Die Ergebnisse einer Studie über die Auswirkungen von Internet und Handy auf das Familienleben, durchgeführt am Institut für Soziologie der Universität Oldenburg, liegen jetzt vor.

Oldenburg. Für Eltern ist das Internet vor allem deshalb sinnvoll, weil nach ihrer Meinung ihre Kinder es für schulische Belange nutzen können - während die Jugendlichen das neue Medium viel lieber als Freizeitbeschäftigung einsetzen. Dies ist eines der Ergebnisse einer Studie über die Auswirkungen von Internet und Handy auf das Familienleben, die unter der Leitung von Prof. Dr. Rosemarie Nave-Herz am Institut für Soziologie der Universität Oldenburg durchgeführt wurde. Die Familiensoziologen Michael Feldhaus und Dr. Niels Logemann befragten dafür 20 Familien, und zwar sowohl in Gruppendiskussionen als auch in Einzelgesprächen.
Grundsätzlich bewerten sowohl die Erwachsenen als auch die Jugendlichen das Internet positiv. Die Eltern betonten die Notwendigkeit dieses Mediums vor allem im Hinblick auf schulische Belange, während die Jugendlichen zwar ähnlich argumentieren, es aber schließlich doch eher als Freizeitmedium einsetzen. Jedenfalls steht die Informationssuche, von der sich die Eltern einen Nutzen für die Schule versprechen, auf der Beliebtheitsskala bei den Jugendlichen nicht vorne.
Ein Problem ist für viele der befragten Eltern die Kontrolle der genutzten Internetinhalte, da sie sich mit dem Medium nicht so gut auskennen wie ihre Kinder. Diese Medienkompetenz der Jugendlichen kann aber auch dazu führen, dass sie zu gefragten Ansprechpartnern bei auftretenden Internet- oder Computerproblemen in der Familie werden. Dies verhilft z. B. Kindern im Geschwistersystem zu neuer Anerkennung, kann allerdings gleichzeitig aus Elternsicht zu unbeabsichtigten Veränderungen im familiären Autoritätsgefüge führen.
Auch für das Mobiltelefon zeigten sich Vor- und Nachteile in Bezug auf das Familienleben: Das Handy dient in dringlichen Situationen als ein Medium der Sicherheit und erweitert die Kommunikationsmöglichkeiten der Familienmitglieder. Nach Aussage der Eltern wird dadurch auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert, da Absprachen schneller getroffen werden können und man die anderen Familienmitglieder an Termine erinnern kann. Es unterstützt - wie das herkömmliche Telefon, aber ortsungebunden und jederzeit - die emotionale Stabilisierung der Familienmitglieder.
Für die Jugendlichen stellt das Handy vor allem ein weiteres, wichtiges Kommunikationsnetz dar: Kurze Absprachen, wo man sich trifft, Nachfragen zu Hausarbeiten, Flirten und Diskussionen per SMS - dies sind Beispiele für die Bedeutsamkeit der Handynutzung innerhalb des Freundeskreises. Konfliktpotenzial liegt in den unterschiedlichen Auffassungen zu Anschaffung und Notwendigkeit eines Handys für die Kinder. Die anfallenden hohen Kosten bei intensivem Handygebrauch der Jugendlichen stellen einen weiten Konfliktfaktor dar. Überraschenderweise geben die meisten Eltern diese Vorbehalte auf, sobald die ersten positiven Erfahrungen mit dem Handy im Rahmen der Familie gemacht werden konnten. Zu konstatieren ist, dass das Handy dann positiv von den Eltern gesehen wird, wenn es für die Familie eingesetzt wird, dagegen negativ, wenn es durch Diskussionen und Konflikte das Familienleben belastet.
Für die Fortsetzung des Forschungsprojekts werden weitere Familien und Alleinerziehende gesucht. Für die Befragung zum Internet sollten auch die Eltern über gute Internetkenntnisse verfügen (Kontakt: Dr. Niels Logemann, Tel.: 0441/7983043, E-Mail:niels.logemann@uni-oldenburg.de)

Kontakt: Dipl.-Sozialwiss. Michael Feldhaus, Tel. 0441/798-5182, E-Mail: michael.feldhaus@uni-oldenburg.de, Dr. Niels Logemann, Tel. 0441/798-3043, E-Mail: niels.logemann@uni-oldenburg.de, Institut für Soziologie, Fachbereich Sozialwissenschaften

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