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Augsburger DAAD-Preis für den Ägypter Hamed Abdel-Samad

25.10.2002 - (idw) Universität Augsburg

Ein "Wanderer und Mittler zwischen den Kulturen"

Am kommenden Donnerstag, dem 31. Oktober 2002, wird im Rathaus der Stadt Augsburg in Verbindung mit der Eröffnung der Hochschul-Betreuungsstelle der Ausländerbehörde der Stadt Augsburg (siehe UPD 111/02) zugleich die Verleihung des diesjährigen "Augsburger" DAAD-Preises für hervorragende Leistungen ausländischer Studentinnen und Studenten an den deutschen Hochschulen gefeiert. Der Preis geht an den ägyptischen Politologie- und Anglistik-Studenten Hamed Abdel-Samad. An die Stelle eines Festvortrags tritt bei dieser Feier, die um 19.00 Uhr im Oberen Fletz des Rathauses beginnt, die Uraufführung eines Kurzfilms: Gezeigt wird der 35-minütige Streifen "Mustafas Tag" von Raimund Felber, in dem der Preisträger Hamed Abdel-Samad die Hauptrolle spielt.

Mit dem jährlich den deutschen Hochschulen vom Deutschen Akademischen Austauschdienst zur Verfügung gestellten und mit 1000 Euro dotierten Preis soll das über gute Studienleistungen hinausreichende Engagement einer ausländischen Studentin oder eines ausländischen Studenten gewürdigt werden. Unter verschiedensten Gesichtspunkten wurde dem 1970 in Giza geborenen Ägypter Hamed Abdel-Samad ein solches Engagement von zahlreichen Gutachterinnen und Gutachtern überzeugend bestätigt.

Nach einem Bachelor-Abschluss in Englisch und Französisch an der Universität Ain Shams in Kairo und nach Tätigkeiten als Reiseführer und Englisch-Lehrer in seinem Heimatland begann Hamed Abdel-Samad 1995 an der Universität Augsburg ein Magisterstudium in den Fächern Politikwissenschaft, Englische Literaturwissenschaft und Englische Sprachwissenschaft. Ab dem Wintersemester 1997/98 begann er, am Sprachenzentrum der Universität Augsburg - zusätzlich zu den neben seiner Muttersprache Arabisch bereits perfekt beherrschten Sprachen Deutsch und Englisch - das Japanische zu erlernen. Dies führte ihn - zunächst im Rahmen einer vom Sprachenzentrum organisierten einmonatigen Studienreise, später dann im Rahmen eines knapp einjährigen Studienaufaufenthaltes an der Kwansei-Gakuin Universität - nach Japan.

EIN ÄGYPTER AUS AUGSBURG, DER IN JAPAN ENGLISCH UNTERRICHTET UND IN DEUTSCHLAND EINEN JAPANISCHEN REDEWETTBEWERB GEWINNT

Während seines Austausch-Studienjahres in Japan war der Ägypter aus Augsburg dort nicht nur als Englisch-Lehrer tätig; vielmehr erwarb er sich selbst eine Sprachkompetenz im Japanischen, die ihm 2001 den ersten Preis in einem von der Japanischen Botschaft in Berlin für den gesamten deutschsprachigen Raum ausgelobten Redewettbewerb einbrachte. Zwei Jahre zuvor bereits hatte er den ersten Preis in einem Aufsatzwettbewerb der Deutsch-Japanischen Gesellschaft zum Thema "Umweltbewusstsein in der Familie und im Unternehmen - Ländervergleich Japan und Deutschland" gewonnen. Ein weiterer erster Platz kam im September 2001 hinzu: Hamed Abdel-Samad siegte in dem von der Universität und der Stadt Augsburg für ausländische Bürgerinnen und Bürger veranstalteten Redewettbewerb "Was hat Deutschland (bloß) aus mir gemacht?".

Im November 1999 nutzte Hamed Abdel-Samad seine Anwesenheit in Japan, um sein Heimatland Ägypten bei der internationalen Konferenz "Youth at the Millennium" an der Retusmeikan University in Kyoto zu vertreten.

GEGENSEITIGES VERSTEHEN DURCH INTERKULTURELLE DISKURSE

Zu Beginn des Jahres 2000 von Japan nach Augsburg zurückgekehrt, begann der Ägypter im Akademischen Auslandsamt der Universität Augsburg als studentische Hilfskraft zu arbeiten. Hier trat er zunächst als Initiator und Organisator eines Sprachbetreuungsprogramms für ausländische Studienbewerberinnen und -bewerber hervor. Parallel dazu entwickelte er sich rasch zur "Seele" der inhaltlichen Gestaltung der vom Akademischen Aulandsamt und den kirchlichen Hochschul- und Studentengemeinden gemeinsam veranstalteten "Länderabende" für ausländische und deutsche Studierende. Mit von ihm moderierten Diskussionsveranstaltungen zu Themen wie "Fremdenfeindlichkeit und Integration", "Sexualität und Homosexualität in verschiedenen Kulturen", "Essen und Trinken in verschiedenen Kulturen", "Wem gehört die deutsche Sprache?", "Anpassung - wie weit?", "Friedenschancen im Nahen Osten" oder - nach dem 11. September 2001 - "Wer ist Terrorist?" verstand er es, "gegenseitiges Verstehen durch interkulturelle Diskurse voranzutreiben". So die Augsburger Studentenpfarrerin Regina von Haller-Beckmann, die vermerkt, dass sich dank dieses inhaltlich anspruchsvollen Engagements von Hamed Abdel-Samad die Teilnehmerzahlen bei den "Länderabenden" fast verdoppelt hätten und insbesondere der Zuspruch deutscher Studierender stark zugenommen habe.

Mehrere GutachterInnen heben darüber hinaus Abdel-Samads Einsatz für die Belange ausländischer Studierender in Fragen des Ausländerrechts hervor und in diesem Kontext insbesondere seine aktive Beteiligung an einem Fachgespräch im Bayerischen Landtag über "Internationale Hochschulen - Chancen und Hindernisse" im Februar 2002. Darüber hinaus arbeitete er auch als Mitglied der Jury bei dem im Sommersemester 2001 vom Akademischen Auslandsamt der Universität Augsburg ausgeschriebenen und vom DAAD geförderten Aufsatzwettbewerb "Integration ausländischer MitbürgerInnen" mit.

BEDEUTENDE ERKENNTNISSE ÜBER MOSLEMISCHE BEFINDLICHKEITEM

Bei alledem leidet die wissenschaftliche Qualifizierung des Studenten Hamed Abdel-Samad offenbar keinerlei Schaden, im Gegenteil: Die Magistervorprüfung hat er mit der Note 1,0 absolviert, und sein Betreuer PD Dr. Peter Guggemos erwartet von Abdel-Samads Magisterarbeit über "Reaktionen in der islamischen Welt auf Modernisierungsfriktionen und Nahostkonflikt am Beispiel Ägyptens" "bedeutende Erkenntnisse über moslemische Befindlichkeiten und deren Valenzen zu politischer Radikalisierung". Diese Erwartung sei nicht zuletzt dadurch gerechtfertigt, dass Abdel-Samad "sogar Interviews mit Personen in der Nähe der Muslimbruderschaft" geführt habe und "es für bundesrepublikanische Forscher schon aus Sprachgründen kaum möglich wäre, derartige Untersuchungen vor Ort durchzuführen". In dieses Bild fügt sich, dass der Augsburger Soziologe und Terrorismusforscher Prof. Dr. Peter Waldmann Abdel-Samad im Juni 2002 in den Mitarbeiterstab des von ihm geleiteten und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) geförderten Forschungsprojekts "Determinanten der Entstehung und Entwicklung terroristischer Organisationen" aufgenommen hat. Abdel-Samad arbeitet hier zum Thema "Radikalisierung in der Fremde".

AUCH ALS SCHAUSPIELER "WANDERER UND MITTLER ZWISCHEN DEN KULTUREN"

Vor diesem in der Tat vielfältigen Hintergrund verwundert es dann eigentlich auch nicht mehr, dass bei der Preisverleihung am kommenden Donnerstag im Augsburger Rathaus als Festvortragsersatz ein 35-minütiger Kurzfilm uraufgeführt werden wird, in dem Hamed Abdel-Samad die Hauptrolle spielt: Der von der U-Filme-Gruppe produzierte Streifen "Mustafas Tag", bei dem Raimund Felber Regie geführt hat, ist, wie der Untertitel besagt, "ein Studentendrama", das durch den Tag eines türkischen Jurastudenten führt, der - zwischen einer türkischen und einer deutschen Frau - nicht nur mit Lern-, sondern auch mit Beziehungsproblemen zu kämpfen hat. Auch der Schauspieler Hamed Abdel-Samad bestätigt, was der Politikwisenschaftler Guggemos über jenen bei ihm in Augsburg studierenden Ägypter Hamed Abdel-Samad sagt, der zwischendurch immer mal wieder - sei's auf Deutsch, sei's auf Japanisch - den einen oder anderen Redewettbewerb gewinnt und für seine Kommilitonen Sprachbetreuungskurse organisiert, wenn er nicht gerade im Umfeld der Muslimbruderschaft für seine Magisterarbeit recherchiert: "Als Wanderer und Mittler zwischen den Kulturen leistet Abdel-Samad Hervorragendes, da er in dieser Brückenfunktion Angehörigen heterogener kultureller Herkunftsmilieus jeweils die Augen öffnet für die Perspektiven und die Empfindungen der anderen."

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