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"Die Rolle von Minoritäten im Entwicklungsprozess"

25.10.2002 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Akademische Feier zur Verleihung des Entwicklungsländerpreises der Justus-Liebig-Universtät Gießen, gestiftet von der Kreditanstalt für Wiederaufbau

Aus Anlass der Verleihung des Entwicklungsländerpreises 2002, gestiftet von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), findet eine Akademische Feier am Montag, den 28. Oktober 2002, um 14.30 Uhr in der Aula der Universität (Ludwigstraße 23, 35390 Gießen) statt. Den Festvortrag hält Dr. Volkmar Köhler, Staatssekretär des BMZ a.D., zum Thema "Minoritäten als Zielgruppe entwicklungspolitischer Maßnahmen". Hauptpreisträger ist in diesem Jahr Dr. Alula Pankhurst, Associate Professor am Fachbereich für Soziologie der Universität Addis Abeba, Äthiopien. Mit der Verleihung des Entwicklungsländerpreises der Justus-Liebig-Universität Gießen wird er für seine wissenschaftlichen Verdienste um die Minoritätenforschung geehrt, die sich in zahlreichen interdisziplinären und internationalen Projekten dokumentieren. Die Laudatio auf den Hauptpreisträger hält Prof. Dr. Dr. Reimer Gronemeyer, Institut für Soziologie der Universität Gießen. Im Anschluss an die Akademische Feier besteht - falls von Seiten der Medien gewünscht - auch die Gelegenheit zu einem
Pressegespräch um 16.30 Uhr im Konferenzsaal (Uni-Hauptgebäude, Ludwigstraße 23, 1. Stock), zu dem Sie herzlich eingeladen sind. Dabei besteht die Gelegenheit zum direkten Kontakt mit den diesjährigen Preisträgern. An dem Pressegespräch werden auch der Präsident der Justus-Liebig-Universität, Prof. Dr. Stefan Hormuth, und voraussichtlich ein Vertreter der Kreditanstalt für Wiederaufbau teilnehmen.

Die Justus-Liebig-Universität verleiht den Entwicklungsländerpreis für Verdienste um die Erarbeitung und Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse über Entwicklungsländer. Er wird weltweit im zweijährigen Turnus jeweils für eine spezifische Fachrichtung vergeben und ist in Deutschland der einzige Preis dieser Art. Die seit 1982 insgesamt elf Preisträger stammen aus Afrika, Asien, Amerika und Europa. Seit 1989 wird der Entwicklungsländerpreis satzungsgemäß von der KfW gestiftet. Dank dieser großzügigen Förderung konnten seitdem auch regelmäßig Förderpreise für den wissenschaftlichen Nachwuchs vergeben werden.

Alula Pankhurst, 1962 in London geboren, studierte an der Universität Oxford Orientalistik und anschließend in Manchester Soziale Anthropologie. Nach Abschluss seiner Dissertation im Jahre 1989 ging er nach Addis Abeba. An der dortigen Universität ist er seitdem - zunächst als Assistant Professor, ab 2000 als Associate Professor - tätig. Ein Schwerpunkt seiner Arbeiten ist die soziale und kulturelle Marginalisierung von Minderheiten in Äthiopien. Seine Forschungen konzentrieren sich auf die Frage, warum es bestimmten Minoritätengruppen gelingt, ihren Status zu verbessern und ihre Ausgrenzung zu vermindern. Um dies zu erklären beobachtet und interpretiert er Interaktionen zwischen der hegemonischen Mehrheit und der gesellschaftlich ausgeschlossenen Minderheit als Schlüsselvariablen, indem er spezifische, gegenseitige Wahrnehmungsmuster analysiert.

Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf dem Gebiet der Entwicklungsländerforschung werden 2002 zwei mit jeweils 500 Euro dotierte Preise für Diplomarbeiten vergeben. Judith Knüpfer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Agrar- und Sozialökonomie der Universität Hohenheim, wird für ihre Diplomarbeit "Survival Strategies of Ethnic Minorities in the Highlands of Northern Thailand" ausgezeichnet. Darin beschreibt sie die Bedrohung der Lebensgrundlagen von Minderheiten in der Provinz Chiang Rai durch eine mittlerweile dreißigjährige, permanente, zum Teil illegale Waldzerstörung. Vladimir Montoya von der Universidad de Antioquia in Medellin, Kolumbien, ist in der Fachabteilung für Anthropologie an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät tätig. Seine Arbeit trägt den Titel "Relegated Men and Emergent Territories: The Guainia dissolved within the State" und handelt von der Unterdrückung der indianischen Landbevölkerung in einem Teilgebiet Kolumbiens.

INTERDISZIPLINÄRES UND INTERNATIONALES SYMPOSIUM

In Verbindung mit der Verleihung des Entwicklungsländerpreises organisiert das Zentrum für internationale Entwicklungs- und Umweltforschung (ZEU) der Justus-Liebig-Universität Gießen ein Interdisziplinäres und internationales Symposium vom 28. bis 30. Oktober 2002 auf Schloss Rauischholzhausen (Ebsdorfergrund) zum Thema " Die Rolle von Minoritäten im Entwicklungsprozess". Zu dieser Fragestellung bestehen erhebliche Forschungsdefizite, da sie bislang nur an regionalwissenschaftlichen, ethnologischen oder politischen Einzelbeispielen untersucht worden ist. Einige dieser Beispiele werden, jeweils aus fachbezogenem Blickwinkel, auf dem Symposium vorgestellt. Zum einen gibt es weltweit die aktuelle Bedrohung von Urbevölkerungen durch Entwicklungsprozesse. Dies wird zum Beispiel in dem Beitrag von Judith Knüpfer über Nordthailand deutlich werden. Zudem kann eine bewusste, staatlich gewollte Ausgrenzung von Minderheiten die Entwicklung eines Landes oder einer Region negativ beeinflussen. Dies wird Vladimir Montoya am Beispiel indigener Völker in Kolumbien deutlich machen.

Das Symposium möchte sich aber nicht auf Beiträge zum Minderheitenschutz beschränken, sondern vor allem auch die aktive Rolle von Minoritäten in Entwicklungsprozessen genauer betrachten. In Vergangenheit und Gegenwart finden sich zahlreiche Beispiele, bei denen Minderheiten zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden sind. Aus historischer Sicht gilt dies etwa für die Juden im mittelalterlichen Europa oder für die Rolle der chinesischen Minderheit in Malaysia. Es gibt zwar den Begriff des 'ethnischen Unternehmers', das Verhältnis von Unternehmertum und Ethnizität ist wissenschaftlich bisher aber kaum untersucht worden. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit ist eine ethnische Mobilisierung in diesem Sinne bisher auch noch nie praktiziert worden.


Das Symposium möchte sich bewusst mit der vielschichtigen und facettenreichen Rolle von Minoritäten in Entwicklungsprozessen auseinandersetzen. Es ist interdisziplinär - mit acht Fachrichtungen - angelegt und international - mit sieben Nationen - besetzt.

Kontaktadresse:

Dr. Matthias Höher
Zentrum für Internationale Entwicklungs- und Umweltforschung (ZEU)
Otto-Behaghel-Str. 10, Haus D
35394 Gießen
Tel.: 0641/99-12700
Fax : 0641/99-12709
E-mail: Matthias.Hoeher@zeu.uni-giessen.de
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