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Weihnachten Weltweit

21.12.2001 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster


Der Weihnachtsmann kommt aus Afrika. Tannenbaum und Adventskranz, Glühwein und Spekulatius: Was in Deutschland zur Weihnachtszeit einfach dazu gehört, ist im afrikanischen Togo als Weihnachtsbrauch unbekannt - und nicht nur dort. Fast überall auf der Welt wird Weihnachten gefeiert - doch nicht überall auf die gleiche Weise. Auf manche ausländische Studierende in Münster wirken die deutschen Weihnachtsbräuche deshalb zunächst etwas fremdartig.

Viele werden jedoch diese Weihnachten nicht in ihren Heimatländern, sondern in Münster verbringen. "Die Studenten aus den Nachbarländern fahren meist nach Hause. Aber Studenten aus weiter entfernteren Gebieten können es sich oft auch finanziell nicht leisten, in ihre Heimat zu fliegen." erläutert Joachim Sommer, Leiter des Internationalen Zentrums der Westfälischen Wilhelms-Universität. Deshalb veranstaltet "Die Brücke" in diesem Jahr zwei Weihnachtsfeiern: am 23. Dezember um 15 Uhr für ausländische Kinder und ihre Eltern, am 25. Dezember um 20 Uhr für ausländische Studierende. Doch nicht nur Ausländer, auch Deutsche sind eingeladen, betont Sommer: "Wir wollen, dass so ausländische Gruppen Kontakt nicht nur untereinander, sondern auch zu Deutschen finden."

Bei der Weihnachtsfeier für Kinder wird in diesem Jahr das Puppentheater "Charivari" für Stimmung sorgen. Danach wird ein Weihnachtsmann an jedes der Kinder Geschenke verteilen. Die Erwachsenen dagegen müssen bei der Veranstaltung am 25. Dezember ohne den Weihnachtsmann feiern - dafür werden vor dem Kamin zu Kuchen und Plätzchen Glühwein und Kaffee getrunken. Sommer legt Wert darauf, dass man mit den Weihnachtsfeiern in der "Brücke" den ausländischen Studenten auf keinen Fall unsere Bräuche und Kultur "überstülpen" wolle. "Wir wollen lediglich die Möglichkeit geben, am Weihnachtsfest, wie es in Deutschland gefeiert wird, teilzunehmen. Unsere Feier besuchen auch Nicht-Christen, die hier zum ersten Mal eine Weihnachtsfeier erleben."

Auch der Student Rassul Rafi, der aus einer moslemischen Familie im Iran stammt, hat Weihnachten zum ersten Mal in Münster miterlebt. Rundum begeistert ist er nicht: "Weihnachten finde ich etwas langweilig. Überall ist geschlossen, man sitzt zuhause und packt Geschenke aus, sonst unternimmt man nichts." Doch auch positive Seiten kann der Student der Weihnachtszeit abgewinnen: "Der Weihnachtsmarkt und die Lichter sind schön. Und trotz der Kälte herrscht gute Stimmung und man wird immer irgendwo eingeladen."

Andere Länder, andere Sitten: Wegen der in Chile im Dezember herrschenden Hitze ist das südamerikanische Gegenstück zum Glühwein eisgekühlt: "Cola Mono" ist Schnaps mit Kaffee, Milch, Zimt, Vanille und viel Zucker. Wie Ximena Meza Correa-Flock berichtet, wird Weihnachten in Chile in der Großfamilie gefeiert. Am Heiligabend trifft man sich mit Onkeln, Tanten, Großeltern, Cousinen und Großcousinen, nach der Bescherung spielen die Kinder draußen auf der Straße. Correa-Flock konnte sich deshalb nur schwer daran gewöhnen, dass Weihnachten in Deutschland meist nur in den eigenen vier Wänden und im kleinen Familienkreis gefeiert wird.

Sommerliche Temperaturen herrschen zu Weihnachten auch in Togo: Bei 28 Grad sucht man vergeblich nach Glühwein, Schnee und Tannenbäumen, erzählt Jones M. Lawson Auch in seiner Heimat ist Weihnachten keine geschlossene Familienfeier. Oft tauschen benachbarte Familien sogar untereinander das Weihnachtsessen. Geschenke gibt es normalerweise keine. Seit acht Jahren ist Lawson, der gerade sein Examen in Volkswirtschaftslehre macht, in Deutschland. Er ist mit einer Deutschen verheiratet und feiert mit ihr und den Kindern nun "deutsche Weihnachten" mit allem was dazu gehört.

In Münster wird Lawson seit einiger Zeit sogar regelmäßig zum ganz professionellen Geschenke-Überbringer : Seit Jahren spielt er stilecht im roten Mantel und mit langem weißen Bart in der "Brücke" bei der Kinderweihnachtsfeier den Weihnachtsmann. Ein Fauxpas wie im letzten Jahr, als ihm kurz der Bart herunterrutschte, darf ihm dabei diesmal nicht passieren: Seine fast dreijährige Tochter sitzt im Publikum. "Die wird mich bestimmt erkennen." fürchtet Lawson.

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