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Irrfahrten des Odysseus

17.01.2002 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Bei den alten Griechen galt Homer als der Dichter schlechthin. Seine Epen wurden von professionellen Rezitatoren, den sogenannten Rhapsoden, vorgetragen. Was in Athen regelmäßig geschah, ist in Münster eine Premiere: Studierende des Instituts für Altertumskunde der Westfälischen Wilhelms-Universität bieten am 19. Januar ab 14 Uhr in der Studiobühne der Universität am Domplatz eine Rezitation aus Homers "Odyssee" im griechischen Original.

Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Projekt entstand bei einem Ferien-Lektürekurs von Prof. Dr. Horst-Dieter Blume. Die 15 teilnehmenden Studierenden wollten die Schönheit und Melodik der homerischen Verse auch einem breiteren Publik hörbar machen. Um dieses Publikum nicht zu überfordern und das Verständnis des antiken Textes zu erleichtern, werden bei der Vorstellung am Samstag deutsche Zwischentexte eingeblendet, Bilder untermalen das Geschehen und selbstkomponierte Musikstücke markieren Einschnitte und Höhepunkte. Außerdem entwarfen die Studierenden ein Programmheft, das auch eine Inhaltsangabe enthält.

Da das gewaltige Werk jeden zeitlichen Rahmen sprengt, entschieden sich Prof. Blume und seine Studierenden dafür, aus den insgesamt 24 Büchern (oder Gesängen) ein Viertel auszuwählen und für die Rezitation vorzubereiten. Auf der Studiobühne wird am Samstag zwischen 14 und 22 Uhr jener Teil präsentiert, in dem Odysseus rückblickend seine Irrfahrten erzählt. Dieser immer noch sehr umfangreiche Text wurde in drei Abschnitte von jeweils zwei Stunden Dauer unterteilt, die auch einzeln besucht werden können. Die Besucher können sich in den Pausen mit Getränken und abends sogar mit griechischem Essen stärken.

Öffentliche Rezitationen von Homer-Texten im griechischen Original gibt es nur sehr selten. 1995 wurde in Berlin gemeinsam von Freier Universität und der Humboldt-Universität ein Vortragewettbewerb der "Ilias" ausgetragen, an dem Studierende und Dozenten aus 13 Hochschulen des In- und Auslandes teilnahmen. In Genf entschied man sich für eine Aufführung in französischer Übersetzung und erreichte ein großes Publikum.

Das Projekt in Münster, einen wesentlichen Teil der "Odyssee" an einem Stück im Original vorzutragen, wird von den beteiligten Studierenden als Experiment eingestuft: "Wir wollen damit auch zeigen, dass klassisches Griechisch keine tote Sprache ist", betont Monika Buschmann. Ihr Kommilitone Stephan Faust ergänzt: "Wir bringen damit bewusst die Altertumskunde in die Öffentlichkeit". Für Prof. Blume ist das Studienziel, mit der homerischen Dichtung vertraut zu machen, dadurch erreicht, dass große Teile des Textes - ganz in antiker Tradition - auswendig vorgetragen werden.
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