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Erhebliche Steigerung der Drittmittel bestätigt Forschungsprofil

30.01.2002 - (idw) Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Innovative Strukturen an der Kieler Uni vorangetrieben

Der Rektor der Kieler Universität bilanzierte 2001 als insgesamt gutes Jahr. Zugleich warnte er jedoch eindringlich, dass eine derartige Erfolgsbilanz nur zu wiederholen sei, wenn auf Nachhaltigkeit angelegte Strukturen im Hochschulbereich etabliert werden.

Die Stärkung des Forschungsprofils sei überraschend deutlich gelungen, resümierte der Rektor das vergangene Jahr bei einer Bilanzpressekonferenz der Christian-Albrechts-Universität. Ins Auge fiele vor allem die erhebliche Steigerung der Drittmittel von 72 Mio. DM im Jahr 2000 auf rund 120 Mio. DM im vergangenen Jahr - ein Plus von mehr als 60 Prozent. Lässt man die aus UMTS-Mitteln stammenden Sonderfördermittel außer Acht, beträgt das Volumen im Jahr 2001 immer noch
90 Mio. DM, die Steigerungsrate liegt auch dann noch bei rund 25 Prozent.

Ein zunehmend wachsendes Forschungsgebiet in Kiel sieht Rektor Reinhard Demuth bei den Geowissenschaften: Hier war der wichtigste Erfolg in der Forschung ohne Zweifel die Errichtung eines neuen Sonderforschungsbereiches "Subduktionszonen", der die Kollision tektonischer Platten und die damit verbundenen Naturkatastrophen untersucht. Eine neue Forschergruppe beschäftigt sich darüber hinaus mit den Einträgen durch die "Ozeanpassagen" und deren Auswirkung auf die globale Klimaveränderung.

Ein zweiter Sonderforschungsbereich - dieser in der Biotechnologie - zum Thema "Signaltransduktion" konnte für die zweite Förderperiode verlängert werden. Schwerpunkt ist die molekulare Regulation von Zelltod und Zellwucherungen, viele Teilprojekte beziehen sich auf Krebsforschung und die Erforschung entzündlicher Prozesse. Der Forschungsschwerpunkt Molekularbiologie/Biotechnologie trat darüber hinaus mit der Kooperation im Deutschen Genomforschungsnetz hervor. Das in dieses Netz gehörende Untersuchungsprojekt "Umweltbedingte entzündliche Erkrankungen" wurde mit erheblichen Mitteln des Bundeswissenschaftsministeriums gefördert.
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Neue Projekte in diesen Wissenschaftszweigen brachten auch die Agrar- und Ernährungswissenschaftler auf den Weg. Um die Erzeugung qualitativ hochwertiger Lebensmittel mit gesundheitsfördernder Wirkung geht es in mehreren Vorhaben, die das vom Berliner Wissenschaftsministerium geförderte Kompetenzzentrum zur "Molekularen Ernährungsforschung" in Kooperation mit der medizinischen Fakultät und der Bundesanstalt für Milchforschung bündelt. Hochinteressante Perspektiven zeigt auch ein anderes Forschungsvorhaben: Hinter der Abkürzung QUASI verbirgt sich ein Kieler Forscherverbund zur Lebensmittelsicherheit, der die gesamte Produktionskette tierischer und pflanzlicher Produkte von der Erzeugung bis zum Verkauf in den Blick nimmt. Neben der Forschung zielt dieses Netzwerk auch auf die Ausbildung bis hin zur Frage der Vermittlung der Ergebnisse an Verbraucher.

"Mit ebenso großer Freude wie wir die Ergebnisse im Forschungsbereich beobachten, stellen wir fest, dass die Attraktivität der Kieler Universität für Studieninteressierte offensichtlich groß ist", so Prof. Demuth zur Entwicklung der Studierendenzahlen. Während die Gesamtzahl der studierwilligen jungen Leute im Bundestrend leicht abnimmt, ist die Nachfrage an der CAU steigend. Gegenüber dem vergangenen Jahr haben sich 10 Prozent mehr junge Leute eingeschrieben. Diesen für die gesamte Volkswirtschaft wichtigen Trend werde die Christian-Albrechts-Universität in den nächsten Jahren durch gezielte Werbemaßnahmen stabilisieren, versprach Demuth. "Als besonders wichtig und ein Resultat der engagierten Arbeit unseres Auslandsamtes sehe ich die hohe Rate von nahezu 14 Prozent Ausländern unter den Studienanfängern."

Wichtige Änderungen im Bereich des Studiums zielen auf eine Modularisierung, internationale Anerkennung und Vergleichbarkeit von Studienleistungen. Als eine der Neuerungen in diesem Bereich ist die Umstellung auf die Abschlüsse Bachelor und Master in der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät sehr gut angenommen worden. Auch das Fach Informatik bereitet einen Bachelor-Abschluss vor, den die Universität ab kommendem Wintersemester anbieten will. Die Einführung der Informatik als Fach des gymnasialen Lehramtes verbessert nicht nur die Ausbildung für künftige Lehrer, sondern stellt auch die Weichen für eine Einbindung der neuen Kommunikationstechnologien in die Lehrpläne der weiterführenden Schulen.
Auf die Anerkennung von Studienleistungen im Ausland zielt das Kreditpunktesystem in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät - eine wichtige Hilfestellung für Studierende, die ein Teil ihres Studiums im Ausland absolvieren möchten.

Die Universität ergänzt ihre Aktivitäten zur Internationalisierung außerdem durch eine Reihe weiterer Projekte. Der Aufbau von Summer Schools, bereits in den Wirtschaftswissenschaften (KISS) und in der Medizin (Baltic Summer School) etabliert, wurde durch eine weitere Initiative vorangetrieben, die in das neue SportKISS mündete. Ähnlich wie die beiden anderen Summer Schools bietet SportKISS ausländischen Studierenden oder Wissenschaftlern hochqualifizierte Lehrveranstaltungen auf Englisch in einem Block, der eine eigenständige Lehreinheit bildet.

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Das Gesamtkonzept der vom Rektorat gestalteten Internationalisierungsstrategien wird derzeit im Rahmen des Nordverbundes begutachtet. Eine erste Einschätzung der Gutachterkommission mit gutem Ergebnis liegt bereits vor, der schriftliche Bericht wird im Lauf dieses Jahres erwartet.

Innovative Organisationsstrukturen wurden innerhalb der gesamten Universität vorangebracht. Dazu zählt auch die Schaffung vernetzter Systeme und spezieller Servicezentren, die Kooperationen ermöglichen und Konzentration hervorbringen. Das Zentrum für Fremdsprachenausbildung, IT- und Medieneinsatz (ZFIM) ging im Oktober in Betrieb und erwies sich als voller Erfolg. Als zentrales Multimedia-Sprachlabor sowie Sprachenzentrum und PC-Labor für alle Studierenden beschreitet es neue Wege in Ausbildung und Service. Die vorhandenen Kapazitäten sind elf Stunden am Tag fast vollständig ausgeschöpft. Im Jahr 2002 hat sich das Zentrum vorgenommen, Fremdsprachenkurse als Zusatzzertifikat für alle Studierenden anzubieten sowie weitere Online-Kurskomponenten zu entwickeln.
Mehr projektorientiert arbeitet das Interdisziplinäre Zentrum Multimedia (IZM). Es bündelt Projekte, die an der Schnittstelle zwischen der Kommunikationstechnologie und Pädagogik angesiedelt sind, so etwa Projekte in der Chemie und in der Medizin, die sich der Herstellung von interaktiven Online-Kursen widmen. Das Zentrum für Biochemie und Molekularbiologie, vor etwa einem Jahr eingeweiht, konnte seine Arbeit erfolgreich ausbauen, ebenso wie in der ebenfalls neuen Zentralen Mikroskopie leistet die Universität hier inzwischen auch Service für Kunden von außerhalb.

Auch der Qualitätssicherung räumt das Rektorat der Christian-Albrechts-Universität einen hohen Stellenwert ein. Im Jahr 2001 liefen zwei Lehr-Evaluationen im Rahmen des Nordverbundes an: Externe Gutachterkommissionen widmeten sich den Fächern Philosophie und Geografie. In beiden Fächern erhielten sowohl das Lehrangebot sowie die fachliche Qualität ein Lob. Der interne Austausch sowie die Identifikation mit den jeweiligen Fachbereichen scheinen indes Themen zu sein, denen die Universität künftig mehr Aufmerksamkeit wird schenken müssen. Über die ins Auge gefassten Veränderungen schließt das Rektorat mit den Fachbereichen interne Zielvereinbarungen ab, um die Umsetzung der Vorhaben abzusichern. In den Rechtswissenschaften ist dies bereits geschehen: Hier wurde im Jahr 2001 eine Zielvereinbarung getroffen, in der es vor allem um eine intensivere Betreuung der Studierenden geht.
Eine Evaluation des Studienkollegs BWL, das Studierenden der technischen und naturwissenschaftlichen Fächer den Erwerb betriebswirtschaftlicher Kenntnisse neben ihrem Hauptfach ermöglicht, führte zu einem hervorragenden Ergebnis, so dass das Rektorat beschlossen hat, die Arbeit des Studienkollegs weiter zu fördern. Möglicherweise ließe sich das Angebot auch für Studierende anderer Fächer öffnen, so der Rektor.


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Wohin entwickelt sich die Universität 2002?

Hohe Erwartungen legt die Wissenschaftswelt in Schleswig-Holstein in diesem Jahr in die Vereinigung des Instituts für Meereswissenschaften (IFM) mit Geomar, dem Institut für marine Geowissenschaften. Sie wird den Vorstoß in die Welt-Spitzenklasse der Meeresforschungsinstitute bringen.

Darüber hinaus steht die Weichenstellung an, ob an der Universität ein Wissenschaftspark errichtet wird. Prof. Demuth sieht gute Chancen: "Ein externes Gutachten hat inzwischen in einer Machbarkeitsstudie die Tragfähigkeit der Konzeption belegt und auch nachgewiesen, dass ein innerhalb des Parks zu schaffendes Service-Zentrum nach einer kurzen Anlaufzeit schwarze Zahlen schreiben kann."

Die allerwichtigste, zentrale Aufgabe, die die Politik und die Hochschulen im Jahr 2002 aufgrund der schlechten Haushaltslage im Land nach Einschätzung Demuths jedoch zu lösen haben, wird die Neu-Bestimmung der Hochschulstruktur sein: "Die Hochschulen werden sich stärker als bisher auf bestimmte Angebote konzentrieren müssen." Die Rektoren der Hochschulen hatten im Dezember mit dem Beschluss, eine Expertenkommission die schleswig-holsteinische Hochschulstruktur begutachten zu lassen, die Initiative ergriffen. "Ich begrüße es außerordentlich, dass die Verantwortlichen in der Landesregierung und im Landtag inzwischen unsere Einschätzung von der Dramatik der Situation teilen und es nun zu einer gemeinsamen Strukturkommission kommen soll", so der Rektor weiter. Innerhalb eines halben Jahres werde von der Kommission ein Strukturvorschlag erwartet, der die angesprochenen Konzentrationsprozesse skizziere. Nur wenn die schwierige Operation einer Neustrukturierung der schleswig-holsteinischen Hochschullandschaft schnell vorgenommen werde, erhielten Wissenschaft und Forschung im Land eine Perspektive, die für die nächsten zehn Jahre tragen könnte.

"Sie sehen", so Demuth abschließend zu seinen Gästen, "die Hochschulen des Landes erwarten ein sehr wichtiges, aber sicher auch schwieriges Jahr 2002."

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