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Stephan Seidlmayer auf Akademieprofessur berufen

29.10.2002 - (idw) Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Auf der Grundlage eines Kooperationsvertrages zwischen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und der Freien Universität Berlin (FU Berlin) hat der Senator für Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin Mitte Oktober dieses Jahres Stephan Seidlmayer zum Akademieprofessor (C4-Professur) für das Fachgebiet Ägyptologie berufen. Mit der Professur an der Freien Universität ist die Leitung der Arbeitsstelle 'Altägyptisches Wörterbuch' der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften verbunden.

Die Akademieprofessur dient der Vertiefung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Universität und Akademie. Als ein ergänzendes Strukturelement in der Zusammenführung von außeruniversitärer Forschung und Hochschulen ist sie bislang einmalig in Deutschland. Sie entspricht nach Status und Bezügen einem Ordinariat und soll einer Disziplin gewidmet sein, an deren Stärkung Universität und Akademie gleichermaßen interessiert sind. Die Finanzierung lehnt sich an das Modell einer Stiftungsprofessur an. Zum ersten Akademieprofessor war im Juni dieses Jahres Eberhard Knobloch, Leiter der Alexander-von-Humboldt-Forschungsstelle der Akademie, für das Fachgebiet 'Geschichte der exakten Wissenschaften und Technik' an der Technischen Universität Berlin berufen worden.
An der Freien Universität sind die altertumswissenschaftlichen und orientalistischen Fächer traditionell in herausragender Qualität und Geschlossenheit vertreten. Seit langem fehlte in diesem Verbund jedoch eine Vertretung der Archäologie und Kulturwissenschaft des Alten Ägypten. Mit der Einrichtung der neuen Professur kann diese Lücke in Lehre und Forschung, insbesondere auch in der interdisziplinären Forschung innerhalb des Fächerverbunds, nun geschlossen werden. Ein Engagement in der Ausgrabungstätigkeit in Ägypten und in internationalen archäologischen Forschungsprojekten wird dabei einen zentralen Platz einnehmen. Dadurch wird auch der archäologischen Arbeit, die in der Wissenschaft vom Alten Ägypten und im öffentlichen Verständnis der Ägyptologie einen immer größeren Stellenwert erhält, z.Z. jedoch an keiner deutschen Universität schwerpunktmäßig vertreten ist, hier eine feste Basis gegeben.
Gleichzeitig wird die Verbindung zum Akademienvorhaben Altägyptisches Wörterbuch an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften hergestellt. In diesem zentralen Forschungsprojekt der Ägyptologie werden computergestützt alle Urkunden, Inschriften, Literaturwerke, kurz alle Texte aus dem Alten Ägypten gesammelt, durch ein virtuelles Wörterbuch philologisch-linguistisch erschlossen und im Internet veröffentlicht. Damit entsteht ein modernes Kompendium der ägyptischen Sprache und ein einzigartiges Portal zur Textüberlieferung des Alten Ägypten, das auch für die historischen, philologischen und kulturwissenschaftlichen Nachbarfächer der Ägyptologie von großem Nutzen sein wird. Durch die Einrichtung der Akademieprofessur wird dieses Projekt in die universitä-re Lehre eingebunden. Die Studierenden erhalten dadurch schon während ihrer Ausbildung Einblick in eines der großen Aufgabengebiete ihrer Wissenschaft.
Diese Verbindung von Universität und Akademie ist für die Ägyptologie nicht neu. Durch die Einrichtung der Akademieprofessur wird vielmehr eine Struktur wiederbelebt, die sich in der Ursprungszeit des Faches in Berlin als besonders fruchtbar bewährt hat. Adolf Erman, der Inhaber des Lehrstuhls für Ägyptologie an der Berliner Universität und Begründer der "Berliner Schule" der Ägyptologie, die die moderne Wissenschaft vom Alten Ägypten entscheidend geprägt hat, rief 1897 die Arbeit an einem Wörterbuch der ägyptischen Sprache an der Berliner Akademie ins Leben und betrieb sie bis zu seinem Tode als einen großen Schwerpunkt seiner Forschungstätigkeit.
Stephan Seidlmayer, Jahrgang 1957, hat in Würzburg und Heidelberg Ägyptologie, Klassische Archäologie und Alte Geschichte studiert und 1986 in Heidelberg promoviert. 1994 habilitierte er sich an der Freien Universität Berlin für das Fach Ägyptologie. Nach dem Studium war er zunächst am Ägyptologischen Seminar der Universität Bonn tätig, danach am Ägyptologischen Seminar der FU Berlin. Mitte der 90iger Jahre vertrat er für ein Jahr den Lehrstuhl für Ägyptologie in Heidelberg. Von 1994 bis 1998 war er Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Er nahm an zahlreichen internationalen Grabungskampagnen des Deutschen sowie des Österreichischen Archäologischen Instituts teil und leitet derzeit ein eigenes, DFG-finanziertes Grabungsprojekt an den Pyramiden von Dahshur, ca. 35 km südlich von Kairo. Stephan Seidlmayer zählt zu den führenden international ausgewiesenen Wissenschaftlern seines Fachs. Seit Juni 1998 leitet er die Berliner Arbeitsstelle des Akademienvorhabens 'Altägyptisches Wörterbuch' an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.


Informationen:
Beatrice Fromm, Generalsekretärin der BBAW, Tel.: 030/20 370 216, email: fromm@bbaw.de
Dr. Stephan Seidlmayer, Tel.: 030/266 1930 , email: seidlmayer@bbaw.de
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