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Prof. Dr. em. Dr. h.c. Georg Müller wurde die Ehrensenatorwürde verliehen

17.02.2002 - (idw) Technische Universität Clausthal

Professor Dr. em. Dr. h.c. Georg Müller wurde am Freitag die Würde eines Ehrensenators der Technischen Universität Clausthal verliehen. 12 Jahre, von 1985 - 1996, diente er ihr als Rektor und Prorektor, nach seiner Emeritierung im Jahre 1996 leitete er drei Jahre das von der VW-Stiftung geförderte Projekt zur Neuordnung der Selbstverwaltungsstrukturen der TU Clausthal, in welchem das Modell einer effizienteren, gestrafften Hochschulführung konzipiert wurde. Seit November letzten Jahres übernahm Professor Müller aus Pflichtgefühl die kommissarische Leitung des Studentenwerks Clausthal, als dieses nach der Trennung vom letzten Geschäftsführer und dem Weggang des stellvertretenden Leiters des Studentenwerks in eine Führungskrise geraten war.


Der Rektor, Prof. Dr. Ernst Schaumann (li.) und Prof. Dr. em.Dr. h.c. Georg Müller Professor Müller, Jahrgang 1930, geriet 1945 als Flakhelfer in die Abwehrkämpfe um Berlin, wurde schwer verwundet und aus dem Lazarett von der Roten Armee nach Sibirien verschleppt. Von dort kehrte er, nach Kriegsgefangenschaft und acht Jahren Zwangsarbeit, u.a. in Bergwerken am Ural, nach Deutschland zurück und floh, nachdem das DDR-Regime ihn erneut festsetzen wollte, in den Westen Deutschlands. In dem von Theodor Heuß und seiner Gattin eingeführten Spätheimkehrerlehrgang legte er 1956 sein Abitur in Göttingen ab, studierte Mineralogie und Petrographie an der Universität Göttingen, promovierte 1962. Die Venia legendi wurde ihm 1965 an der Universität Kiel verliehen. 1970 nahm er den Ruf an die TU Clausthal an.

Mit diesen Daten umriß der Rektor, Professor Dr. Ernst Schaumann den Lebensweg Müllers, der sich von heutigen, undramatischen Vitae, so diametral unterschiede. "Undramatische Lebenswege sind das Geschenk einer glücklichen Zeit", sagte Schaumann. Um so beeindrucke ihn, mit welcher Tatkraft, ungebrochen, Müller nach der Rückkehr aus der Sowjetunion das Versäumte der zehn Jugendjahre nachgeholt habe.

In seinem Buch "Vom Stahlhelm zum Hakenkreuz - Menschen und Vorgänge an der Bergakademie Clausthal in den zwanziger bis vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts (1995) und dem Heft "Tote und Vermißte der Bergakademie Clausthal im Zweiten Weltkrieg" (1992) arbeitete Georg Müller das seiner Generation angetane Unrecht an dem Ort seines akademischen Lebens auf.

"Sie haben für das Schicksal dieser Menschen die richtigen, unpathetischen Worte gefunden", sagte der Rektor und dankte Müller für sein außerordentliches Engagement für die TU Clausthal.

"Tatsächlich empfinde ich eine tiefe emotionale Bindung an diese Hochschule, die in ihrer wechselvollen Geschichte immer wieder um ihre Existenz ringen musste", sagte Professor Müller. "Wie der Einsatz meiner Amtsvorgänger und -nachfolger für die Wohlfahrt unserer alma mater, war selbstverständlich auch der meinige von vielen Rückschlägen begleitet, doch tröstete ich mich immer mit der altrömischen Weisheit: Desint vires tamen est laudanda voluntas; denn nicht immer findet der hier zitierte löbliche gute Wille doch noch einen gangbaren Weg".

1970 habe er sein Amt unter ganz anderen Voraussetzungen angetreten. Der Übergang von der Ordinarien- zur Gruppenuniversität, die Überleitung großer Teile des akademischen Mittelbaus "aufgrund politischer Motive ohne Ansehen der Person in Professuren auf Lebenszeit" (1978), der in den neunziger Jahren erfolgte, nicht unbedeutende Verlust eines Teils ihres Personalbestandes, dies waren Veränderungen, unter denen er, "wie viele Kollegen auch gelitten" habe, sagte Müller.

"Manche Kollegen reagiert frustriert resignierend, andere mit Verweigerungshaltungen. Meine persönliche Antwort auf die Verluste von 1978 bestand in Gelassenheit. Wenn man über ein Vierteljahrhundert lang in leitenden Positionen Entscheidungen treffen muss, macht man Fehler. In sachlichen Bereichen lassen sich solche meist korrigieren, im menschlichen Bereich oftmals jedoch nicht. Daher bitte ich ein weiteres Mal von dieser Stelle aus um Entschuldigung, wenn ich meiner preußischen Herkunft gehorchend, die vermeintliche Pflicht vor die Konzilianz gestellt und jemanden in seinen Erwartungen verletzt habe."

"Niemand weiß, wann die Reformprozesse in einen stabilen Zustand übergehen werden. Fern- und Massenuniversität sind jedenfalls kein erstrebenswerter Zustand. Ich freue mich ganz besonders, dass Sie, Magnifizenz, meine Ehrung mit der Überreichung der Diplom- und Doktorurkunden an unsere jüngsten Absolventen verbunden haben. Den hier versammelten Absolventen gratuliere ich zum Studienerfolg und wünsche von ganzem Herzen, daß die ihnen an unserer Hochschule zuteil gewordene Ausbildung einen raschen und erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben nach sich zieht. Mehr kann ein abgeschlossenes Studium nicht ermöglichen. Auch im Beruf muss man ständig dazulernen und viele Prüfungen bestehen. Hierzu meine besten Wünsche und ein herzliches Glückauf!", sagte Professor Müller.

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