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Koalition von Hormonen kann Wohl oder Wehe bringen

30.10.2002 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Bis vor einigen Jahren schienen die Fronten klar: Die Wissenschaft kannte zwei Gruppen von Hormonen und glaubte, dass diese im Körper stets getrennte Wege nehmen. Doch dann kam heraus, dass die beiden auch gemeinsame Sache machen können. An der Uni Würzburg untersuchen Wissenschaftler die Koalition der Hormone Aldosteron und EGF.


Das Hormon Aldosteron benutzt den EGF-Rezeptor und stimuliert so ein Schlüsselmolekül bei der Regulation von Zellfunktionen, die ERK1/2-Kinase. Calcium strömt in die Zelle, ein Transportprotein wird aktiviert, die Zelle wächst. Grafik: Gekle Hormone sind Botenstoffe, die Informationen von einem Ort des Körpers zum anderen bringen. Damit sie ihre Nachricht an der richtigen Stelle abliefern und nicht den ganzen Organismus mit einem "Nachrichtensalat" überschwemmen, gibt es bestimmte Erkennungsstellen, die Rezeptoren. Diese binden die Hormone und signalisieren damit der jeweiligen Zelle, dass sie gemeint ist.

Einige Rezeptoren sitzen auf der Oberfläche der Zellen, andere schwimmen im Inneren herum. Warum dieser Unterschied? Manche Hormone, wie der Wachstumsfaktor EGF (Epidermal Growth Factor), können nicht besonders gut in die Zellen hinein gelangen. Ihre Rezeptoren liegen darum auf der Oberfläche. Dagegen können andere Hormone - wie Aldosteron - sehr leicht in Zellen eindringen, weshalb sich dort auch ihre Andockstellen befinden.

Lange Zeit ging die Wissenschaft davon aus, dass die Informationsvermittlung dieser beiden Hormongruppen in der Zelle getrennte Wege geht. "Tatsächlich ist es aber so, dass die beiden Hormongruppen Koalitionen eingehen und sich bei der Nachrichtenübermittlung gegenseitig beeinflussen können", sagt Michael Gekle. Der Professor vom Physiologischen Institut der Uni Würzburg untersucht die Koalition zwischen Aldosteron und EGF.

Aldosteron stammt aus der Nebennierenrinde und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Salz- und Wasserhaushaltes sowie bei krankhaften Veränderungen von Herz- und Nierengewebe. Bei EGF handelt es sich um einen Wachstumsfaktor, der Zellen zu verbesserter Funktion oder vermehrtem Wachstum anregt. Dadurch kann er auch zur Entstehung von Tumoren beitragen.

Prof. Gekle: "Wir haben gezeigt, dass Aldosteron mit der vom EGF-Rezeptor ausgelösten Signalkaskade in Wechselwirkung tritt, anscheinend aber nicht mit anderen Hormon-Kaskaden." Einfacher gesagt: Aldosteron und EGF koalieren in der Zelle und versuchen sich bei der Durchsetzung gemeinsamer Ziele, wie beim Salz- und Wassertransport oder dem Zellwachstum, zu unterstützen. Das kann erwünscht sein, möglicherweise aber auch ein krankhaftes Niveau erreichen. "Damit ist es wie in der Politik: Nicht jede Koalition ist von Vorteil", meint Gekle.

Der Professor und seine Arbeitsgruppe wollen nun die Wechselwirkung von Aldosteron mit der EGF-Rezeptor-Signalkaskade sowie deren Bedeutung für die transkriptionelle Aktivität von Aldosteron mit EGF- und Aldosteron-Rezeptoren des Menschen untersuchen. Ein genaueres Verständnis dieser Mechanismen biete die Möglichkeit, Therapiestrategien zum Beispiel gegen Bluthochdruck oder einen krankhaften Gewebeumbau am Herzen zu entwickeln. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Michael Gekle, T (0931) 31-2739, Fax (0931) 31-2741, E-Mail:
michael.gekle@mail.uni-wuerzburg.de
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