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Historiker Dietmar Süß erhält Leibniz-Doktorandenpreis 2002

30.10.2002 - (idw) Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V.

Auszeichnung geht erstmals an Geisteswissenschaftler - Geschichte der Arbeiterbewegung am Übergang in die postindustrielle Gesellschaft untersucht


Dietmar Süß Berlin-München. Dr. Dietmar Süß erhält den Doktorandenpreis der Leibniz-Gemeinschaft. Erstmals geht die Auszeichnung in diesem Jahr an einen Geisteswissenschaftler. Der junge Historiker Süß wurde im Sommersemester 2001 an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einer Untersuchung über "Kumpel und Genossen. Arbeiterschaft, Betrieb und Sozialdemokratie in der bayerischen Montanindustrie 1945 - 1976" mit dem höchsten Prädikat "summa cum laude" promoviert. Seine Doktorarbeit, für die er jetzt die Auszeichnung erhält, entstand am Institut für Zeitgeschichte (IfZ), das zusammen mit 78 anderen Forschungsinstituten zur Leibniz-Gemeinschaft gehört. Süß sei "unter den Zeithistorikern seiner Generation ein herausragendes Talent", sagt IfZ-Direktor Horst Möller.

Die Geschichte der Arbeiterbewegung im Übergang von der industriellen in die postindustrielle Gesellschaft steht im Mittelpunkt der Studie. Süß kommt zu dem Schluss, dass die Arbeitnehmer-Mitbestimmung wesentlich zur politischen Stabilität und zum ökonomischen Erfolg der westdeutschen Nachkriegsdemokratie beigetragen habe. Sie habe für die widerstreitenden Interessen von Arbeit und Kapital eine institutionelle Arena geschaffen, die sozialen Konflikten die Schärfe genommen und Vertrauen zwischen den Sozialpartnern geschaffen habe. Süß beschreibt die sechziger Jahre als eine Umbruchphase, "in der die Arbeiterschaft ihre "Proletarität" endgültig verlor". Dennoch habe sich die soziale Kluft zwischen Arbeitern und Angestellten nicht aufgelöst. In der Stahlkrise Mitte der Siebziger habe sich gezeigt, dass die generationsübergreifende Erfahrungskette der Arbeiterschaft aus Krisenbewusstsein, drohender Arbeitslosigkeit und Sorge um die Ernährung der Familie durch die Boomphase der Wirtschaftswunderjahre nur vorübergehend, aber nicht endgültig durchtrennt worden war. "Daran konnten auch die Sicherungsinstrumente des Sozialstaates nur bedingt etwas ändern", urteilt Süß.

Die Leibniz-Gemeinschaft vergibt ihren Doktorandenpreis in diesem Jahr zum sechsten Mal. Süß nimmt den Preis am 28. November entgegen. Die Preisverleihung findet anlässlich des Festaktes auf der Jahrestagung der Leibniz-Gemeinschaft in Berlin statt.

Zur Person: Dietmar Süß (geb. 1973)
1993 bis 1998 Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte, Soziologie und Rechtswissenschaft an den Universitäten Hagen (FernUniversität), Berlin (Humboldt-Universität) und München (LMU). Aufenthalt an der Universidad de Cantabria, Spanien. Januar 1999 bis September 2001 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am IfZ in dem Forschungsprojekt "Gesellschaft und Politik in Bayern 1949 bis 1973". Seit Oktober 2001 Volontariat bei der Katholischen Nachrichtenagentur KNA.

Rückfragen:
Dr. Frank Stäudner
Telefon 030/20 60 49 42
Fax 030/20 60 49 55
E-Mail staudner@wgl.de

Dietmar Süß erreichen Sie direkt bei der KNA:
Telefon 0228/26 000-38
Fax 0228/26 000-26
E-Mail suessdietmar@web.de

Zur Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz gehören das IfZ und 78 weitere außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung an. Das Spektrum der Leibniz-Institute ist breit gefächert und reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften und Museen mit angeschlossener Forschungsabteilung. Die Institute beschäftigen rund 12.000 Mitarbeiter und haben einen Gesamtetat von 820 Millionen Euro. Sie arbeiten nachfrageorientiert und interdisziplinär und sind von überregionaler Bedeutung. Da sie Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse betreiben, werden sie von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Näheres unter www.wgl.de.

Leibniz-Geschäftsstelle, Eduard-Pflüger-Straße 55, 53113 Bonn; PF 12 01 69, 53043 Bonn, Tel.: 02 28/3 08 15-0, FAX: 02 28/3 08 15-2 55, E-Mail: wgl@wgl.de

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