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Neugeborenen-Screening sollte bundesweit eingeführt werden

27.02.2002 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Dietmar-Hopp-Stiftung spendet der Universitätskinderklinik Heidelberg diagnostische Geräte

Alle Neugeborenen in Deutschland sollten künftig auf 25 angeborene Stoffwechsel- und Hormonstörungen untersucht werden. Die in den letzten drei Jahren erhobenen Daten der Neugeborenen-Screening-Zentren an der Heidelberger Universitätskinderklinik und in München belegen, dass bundesweit jährlich einige 100 Kinder durch eine rechtzeitige Behandlung vor schwerer Behinderung und Tod bewahrt werden könnten. Durch die großzügige Spende der Dietmar-Hopp-Stiftung konnten in Heidelberg drei moderne Geräte (ESI-Tandem-Massenspektrometer) angeschafft werden, die ein Screening in Baden-Württemberg und benachbarten Bundesländern ermöglichen.

Derzeit werden nahezu alle Neugeborenen in Deutschland wenige Tage nach der Geburt auf fünf Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen untersucht (Phenylketonurie, Galaktosämie, Biotinidasemangel, Hypothyreose, Nebennierenunterfunktion). Die häufigste Stoffwechsel-störung ist die Phenylketonurie, die mit der Häufigkeit von ca. 1 : 11.500 Neugeborenen auf-tritt und durch eine Diät behandelt werden kann. Sie wird auch mit der neuen Methode gefunden. Die weiteren 20 Erkrankungen, die mit den herkömmlichen Tests nicht festzustellen waren - dies hat das Screening von 250.000 Neugeborenen in Heidelberg gezeigt - haben insgesamt eine Häufigkeit von ca. 1 : 2.100.

"Alle Kinder in Deutschland sollten die Chance haben, dass diese Erkrankungen bei ihnen rechtzeitig festgestellt werden", erklärt Prof. Georg Hoffmann, geschäftsführender Direktor der Universitäts-Kinderklinik Heidelberg. Bislang hat nur Bayern im Rahmen eines Modellprojektes die neue Methode flächendeckend eingeführt. Dort werden die Kosten durch die Krankenkassen getragen, in Baden-Württemberg zum Teil vom Land und den Krankenkassen. Das Klinikum in Heidelberg leistet bisher einen entscheidenden Anteil.

Aus Regionen, in denen das Screening nicht verfügbar ist, kommen immer häufiger Anfragen von Eltern, die den Test auf eigene Kosten machen lassen. Die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg lassen ihre Neugeborenen derzeit in Heidelberg untersuchen.

Auch ökonomisch ist das Screening aller Neugeborenen vernünftig: Für die Behandlung und Rehabilitation der schwerbehinderten Kinder müssten Behandlungs- und Pflegekosten in dreistelliger Millionenhöhe aufgebracht werden; der einmalige Test kostet 20 Euro. Derzeit liegt, nach einer einstimmigen Empfehlung der Länder-Gesundheitsministerkonferenz des Bundes und der Länder im vergangenen Juni, die Entscheidung zur Kostenübernahme und Einführung in die Regelversorgung beim Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen.

Achtung Termin!
Die Kinderklinik lädt heute um 16.00 zur Besichtigung des Neugeborenen-Screeninglabors und der Abteilung Kinderradiologie und einem Pressegespräch ein. Anschließend findet eine öffentliche Festveranstaltung im großen Hörsaal der Kinderklinik statt. Die Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen.

Hintergrundinformationen zum Neugeborenen-Screening können angefordert werden bei:

Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
des Universitätsklinikums
Voßstrasse 2
69115 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56-4536
Fax: 06221 / 56-4544
e-mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
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