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Reformation und Pietismus

04.03.2002 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Prof. Dr. Martin Brecht, ehemaliger Direktor des Seminars für mittlere und neuere Kirchengeschichte der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, wird am 6. März 70 Jahre alt. Der international angesehene Kirchenhistoriker, der von 1975 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1997 an der Universität Münster gelehrt hat, hat vor allem für die Erforschung der Reformation und des Pietismus Bahnbrechendes geleistet.

Der württembergische Pfarrerssohn Martin Brecht wuchs in der Bildungswelt schwäbischer Kirchlichkeit auf: Nach der im Seminar Blaubeuren verbrachten Schulzeit studierte er in Tübingen Theologie und trat in enge Verbindung zu dem weltberühmten Evangelischen Stift. Als Schüler des bedeutenden Kirchenhistorikers Hanns Rückert wurde er 1961 mit einer Arbeit über "Die Alte Bibliothek des Tübinger Stifts in ihrem theologie- und geistesgeschichtlichen Zusammenhang" promoviert. Seit der Habilitationsschrift von 1965 über "Die frühe Theologie des Johannes Brenz", ist Brecht diesem schwäbischen Reformator in historiographischer und editorischer Fürsorge zugetan geblieben.

Die Studien, die Prof. Brecht zur Kirchengeschichte des 16. bis 18. Jahrhunderts vorgelegt hat, sind Legion. Die Neigung zu territorialgeschichtlicher Konkretion drückt sich in vielen gewichtigen Beiträgen zur württembergischen und westfälischen Kirchengeschichte aus, unterstützt durch die Mitarbeit in den entsprechenden landeskirchengeschichtlichen Gremien. Die reformationsgeschichtlichen Interessen des Kirchenhistorikers sind vielfältig, doch ersichtlich auf Martin Luther zentriert. Seine verlässliche, gründliche, in drei Bänden erschienene Darstellung "Martin Luther" ist längst zu einem Standardwerk der Luther-Forschung avanciert: Wer sich über den Reformator ins Bild setzen möchte, findet in Brechts "Luther" maßgebliche Erschließungshilfe. Dass die Übersicht die Detailarbeit nicht erledigt, sondern befördert, hat Brecht in der kritischen Edition der Randnotizen des Reformators zu den Werken des Kirchenvaters Hieronymus, die er zusammen mit seinem Schüler Dr. Christian Peters unlängst vorlegte, dokumentiert.


Schließlich zählt auch die Erforschung des Pietismus zu den Schwerpunkten seiner Arbeit, die ihn einerseits zu einer Reihe eindringender Detailstudien führte, andererseits zu einer inzwischen dreibändigen, monumentalen "Geschichte des Pietismus", an der Prof. Brecht als Herausgeber und Hauptautor tragend beteiligt ist. Die ihm zweifach verliehene Ehrendoktorwürde - 1990 durch die Valparaiso University (Indiana/USA) und 1993 durch die Theologische Fakultät Leipzig - symbolisiert die Wertschätzung, die sich Brecht in der internationalen Fachwelt erworben hat.

Eine liebenswürdige Besonderheit des von Martin Brecht verkörperten theologischen Gelehrtentums besteht darin, dass er bei aller notwendigen und von ihm meisterhaft vollzogenen fachwissenschaftlichen Spezialisierung niemals den Vermittlungsdienst, den die Theologie für Kirchen und Gesellschaft zu erbringen schuldig ist, verachtet oder verabsäumt hat. Zuletzt sprach er im Januar vor einem großen Publikum, zu dem sich kirchlich-interessierte Bürger der Stadt Münster zusammengefunden hatten, über "Luther als Helfer im Ringen mit dem Teufel".
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